Es ist eine Vision, von der viele Schlieremerinnen und Schlieremer angetan sein werden: Beim Erdbeerifeld säumt ein Auenwald die Limmat. Ein grosser Aufenthaltsplatz mit Grillstellen und Picknicktischen lädt zur Rast ein. Hinter dem Wald beginnt eine grosse Allmend mit einer Obstwiese. Und inmitten der grossen Fläche tummeln sich Kinder auf einem Spielplatz, der über eine Allee für Fussgänger und Velofahrer mit dem Zelgliquartier und dem Rest der Stadt verbunden ist.

So könnte die heutige Landwirtschaftszone nördlich der Bernstrasse dereinst aussehen, wenn es nach der Metropolitankonferenz Zürich geht. Vor kurzem veröffentlichte diese einen Bericht, der die Wichtigkeit der Naherholungszonen am Rande der Siedlungsgebiete angesichts des hohen Bevölkerungsdrucks aufzeigt (siehe Box). Ziel des Berichts ist es, den Gemeinden im Metropolitanraum, welcher vom Bodensee bis nach Aarau und zum Vierwaldstättersee reicht, Leitlinien und gestalterische Werkzeuge zur Hand zu geben, mit dem sie solche siedlungsnahen Freiräume erhalten und aufwerten können. Der Raum von Dietikon bis Zürich Altstetten ist laut Bericht exemplarisch für eine «Stadtlandschaft» mit vielen Siedlungsrand-Situationen. Konkrete Entwicklungsvorschläge erarbeiteten die Raumplaner der Konferenz in diesem Raum nur für den Schlierenberg zwischen Altstetten und Schlieren und das oben beschriebene Erdbeerifeld.

«Die Vorschläge sind spannend»

Die teilweise sehr konkreten Massnahmen sind laut Bericht «nicht als fertige Entwürfe, sondern als Anregungen» zu verstehen. Dennoch rennt die Metropolitankonferenz damit in Schlieren offene Türen ein: Die Stadt hat vor kurzem ihr Stadtentwicklungskonzept evaluiert und wird in Kürze ein neues erarbeiten. Danach wird auch die kommunale Bau- und Zonenordnung überarbeitet. Laut Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) kommt die Entwicklung des Erdbeerifelds bei der Arbeit am neuen Stadtentwicklungskonzept auf den Tisch: «Auch wir sind der Meinung, dass diese Naherholungszone für Schlieren wichtig ist. Die Entwicklungsvorschläge im Bericht sind daher sicher spannend», sagt er. Die städtischen Planer würden die Ideen darin bei der Konzipierung der Zukunftsvision für das Erdbeerifeld wohl auch miteinbeziehen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch verfrüht, um konkrete Projekte auszuarbeiten, so Bärtschiger.

Der Grund: Was wo in der Landwirtschaftszone zwischen Bernstrasse und Limmat entsteht, hängt stark davon ab, wie sich die Renaturierung des Limmatufers durch den Kanton in diesem Bereich auswirkt. «Wir können erst über eigene Aufwertungsmassnahmen nachdenken, wenn wir wissen, was dort passiert», erklärt Bärtschiger. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), erklärt auf Anfrage, dass erste Variantenstudien für die Revitalisierung der Limmat vorlägen, welche mit der Stadt Schlieren erarbeitet worden seien. Das Projekt sei allerdings noch nicht terminiert und der zeitliche Horizont für die Umsetzung daher ungewiss. Dazu kommt, dass der Boden, für welchen die Metropolitankonferenz die Vision entwickelt hat, zum grössten Teil der Stadt Zürich gehört. Bärtschiger sagt: «Wenn das neue Limmatufer fertig geplant ist, werden wir also erst mit der Stadt Zürich absprechen müssen, welche Gestaltungsmöglichkeiten für sie denkbar wären.» Schliesslich sei das Gebiet eine Landwirtschaftszone.

Schlierenberg bleibt Rohdiamant

Als weniger realistisch erachtet der Bauvorstand, dass der Entwicklungsvorschlag der Konferenz für den Schlierenberg in absehbarem Zeitraum Beachtung findet. Dort könnten laut ihrem Bericht zusätzlich zur Familiengartenanlage im Dunkelhölzli weitere Gärten im Norden entstehen. Diese würden an den Schlieremer Siedlungsrand angrenzen, der entlang des Alten Zürichwegs und der Steinackerstrasse bis auf die Höhe der Kilchbühlstrasse verschoben würde. Zwischen den Gärten könnten laut Bericht ein Naturschutzgebiet, eine Allmendwiese, Waldflächen und eine Obstwiese um die bestehende Bebauung entstehen.

Laut Bärtschiger ist aber nur schon die Ausdehnung des Siedlungsgebiets eher unwahrscheinlich: «Dies würde der aktuellen kantonalen Raumplanung widersprechen. In den nächsten 25 Jahren wird es dort sicher keine zusätzlichen Wohnzonen geben.» Es sei aber auch grundsätzlich nicht im Interesse der Stadt, den Schlierenberg in einem grossen Wurf zu entwickeln, sagt er: «Wir wollen, dass auch künftige Generationen noch über Freiräume verfügen, die sie gestalten können.» Wenn, dann würde die Stadt nur eine leichte, schrittweise Aufwertung dieser Naherholungszone in Betracht ziehen, so Bärtschiger.