Die Nachricht löste weitherum Bestürzung aus: Vergangene Woche verstarb der Innerschweizer Unternehmer Leo Krummenacher, der «Vater» des Schlieremer Bio-Technoparks, 80-jährig. Der Bevölkerung der Standortgemeinde dürfte er als jener Mann in Erinnerung bleiben, der nach dem Niedergang der Wagonsfabrik 1984 eine tiefe Wunde in Schlierens Geschichte zu heilen vermochte. Dies, indem er den grössten Teil des Wagi-Areals aufkaufte und es mit seiner Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG (GHZ) seither sukzessive zu einem schweizweit bekannten Zentrum für Life-Science-Firmen und Forschergruppen entwickelte. Weil er die Öffentlichkeit scheute, war er kaum greifbar. Wer aber mit langjährigen Wegbegleitern spricht, bekommt einen Eindruck davon, aus welchem Holz der Hergiswiler geschnitzt war.

Männer eines Kalibers von Leo Krummenacher seien heute selten in der Schweiz, sagt etwa Mario Jenni, Geschäftsführer des Bio-Technoparks und Verwaltungsratsmitglied der GHZ: «Er vereinte eine natürliche Bodenständigkeit mit visionärem Denken und Weltoffenheit. Und sein Handschlag galt etwas.» Jenni, der einst selbst ein Bio-Tech-Startup mitbegründete und mit diesem nach Schlieren zog, hat schon beim ersten Kontakt gespürt, dass Krummenacher der richtige Partner für sein junges Unternehmen wäre, wie er sagt: «Er gab uns von Anfang an zu verstehen, dass er uns unterstützen will.» Später sollte es auch Leo Krummenacher sein, der Jenni einen Sitz im Verwaltungsrat der GHZ anbot. Die Nachricht vom Tod des langjährigen Geschäftspartners und Förderers traf Jenni hart: «Ich war traurig und bestürzt. Das ging wohl den meisten so, die ihn gekannt haben.»

Noch länger als der Geschäftsführer des Bio-Technoparks begleitete Jörg Mayer Krummenacher. Seit 1987 war er mit einem kurzen Unterbruch fast durchgehend im Bio-Technopark eingemietet, heute als Manager mit der Medtech-Firma Spinewelding AG. Er beschreibt Krummenacher als wissbegierigen und guten Zuhörer: «Er liess sich von uns immer sehr gerne zeigen, woran wir forschen», sagt Mayer. Seine Entscheidungen habe Krummenacher zwar nach klaren ökonomischen Kriterien gefällt, aber dank seiner Ausstrahlung habe er es geschafft, sie konziliant zu vermitteln.

Auf Niedergang folgte Innovation

Für die Stadt Schlieren bedeutete Krummenachers Entscheidung, das Wagi-Areal zu kaufen und zu entwickeln, einen Wendepunkt, wie Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP), sagt: «Er machte aus einer Industriebrache ein Aushängeschild der Stadt.» An die Stelle von wirtschaftlichem Niedergang und Auto-Occasionshandel sei in der öffentlichen Wahrnehmung der Nimbus des Hightech-Standorts und der Innovation getreten. Krummenacher habe bei der Zusammenarbeit mit der Stadt Schlieren trotz seiner ökonomischen Klarheit erstaunlich viel Verständnis für die gesamtstädtische Sichtweise des Stadtrats gezeigt, «selbst dann, wenn unsere Sichtweisen nicht parallel verliefen».

Brühlmanns Vorgänger als Stadtpräsident, Peter Voser, nennt Krummenacher einen «Mann der Tat». Er lobt seine Zielstrebigkeit bei der baulichen Entwicklung des Areals in Zusammenarbeit mit der Stadt Schlieren. Zudem seien «seine Konflikt- und Entscheidungsfähigkeit wie auch seine Flexibilität und sein Durchsetzungsvermögen» sehr geschätzt gewesen. Krummenacher habe der Stadt Schlieren viel «Wohlwollen» entgegengebracht. Als Investor und Vermieter habe er sich zudem stets für das Wohlergehen seiner Mieter eingesetzt.

Und was wird nach Krummenachers Tod aus dem Wagi-Areal? Sicher ist: Die GHZ bleibt weiterhin in Familienhand. Seine Frau Dolly sowie seine Neffen Walter und Ruedi haben bereits seit Jahren im Verwaltungsrat Einsitz genommen. Wer Leo Krummenachers Nachfolge im Präsidium übernimmt, kann Verwaltungsratsmitglied Mario Jenni nicht sagen: «Dazu ist es noch zu früh.» Im Bio-Technopark sind den auch keine grundlegenden Veränderungen zu erwarten. Es sei auch künftig eine «enge und womöglich noch engere Zusammenarbeit» der GHZ mit dem Verein Bio-Technopark und der Universität Zürich vorgesehen, sagt Jenni: «Wir führen den Verein und das Unternehmen ganz in Leos Sinne weiter.»