«Wir wollen zeigen, zu was die Jungen fähig sind, was sie zusammen zustandebringen können»: So lautete Pia Siegrists Zielvorgabe. Die Präsidentin der Stadtjugendmusik Dietikon hatte nach dem Konzert allen Grund, zufrieden zu sein: Das Potential der Jugendlichen wurde am Sonntag zur Freude des Publikums grosszügig angezapft.


Den Auftakt machte das Zwischenkorps der Stadtjugendmusik Dietikon. Es war verblüffend zu hören, wie gekonnt diese Nachwuchstruppe bereits musiziert. Mit «Rocktangle» von Darrol Barry absorbierte es sofort die Aufmerksamkeit des Publikums und liess schon einiges von der Klangfülle erahnen, die dann mit dem Hauptkorps in der Reformierte Kirche Dietikon Einzug halten sollte.


Auch das technisch nicht anspruchslose «Bang Bang» spielte der Nachwuchs unter der Leitung von Rico Felber souverän. Dieser musste die Kinder nach dem Stück lediglich daran erinnern, die Noten wieder mitzunehmen – was sie dann leider auch schon machten. Gerne hätte man das Zwischenkorps noch etwas länger gehört.


Vor Kraft strotzende Melodien
Dann füllten sich die Stühle vor der Empore und das vollbesetzte Hauptkorps trat an. Der Auftakt klang so episch, wie man sich das von einem Blasorchester wünscht: Eine vor Kraft strotzende Melodie wird von grossen Klangmassen heraufgehoben; nach einer lyrischen Passage, in der die feineren Instrumente heraustreten durften, dämmert sie wieder mächtig herauf und hätte auch eine Kathedrale würdig ausfüllen können.


Eine ähnlich grosse Geste war das nächste Stück: «Cape Horn» von Otto Schwarz. Es beschreibt jene südlichste Schiffspassage, die den Kapitänen des Okzidents so viel Angst einjagte. Von Angst freilich war nichts zu hören – auch und besonders nicht, wenn man Emanuel Pestalozzi lauschte. Mit seinem Waldhorn konnte er sich als Solist hervortun und beschrieb, so mochte man sich das vorstellen, die majestätisch das Kap umbrausenden Winde.
«Victory» von Two Steps from Hell war das nächste Highlight. Das Stück war von den jungen Erwachsenen an den Dirigenten Marco Nussbaumer herangetragen worden. Dieser kam ihnen entgegen und schrieb eigens ein Arrangement für Blasorchester. Zunächst bedrohlich, wie ein herannahender Sturm, nahm es sich aus. Über dem Klang schwebende, bisweilen ekstatische Frauenstimmen verliehen dem Stück eine zusätzlich aparte Note.
Zum Schluss gab es eine Überraschung: Das Blasorchester formierte sich zu einem Chor. Schnell räumte es die Stühle weg und entledigte sich der Instrumente – so schnell, dass der Dirigent für einen überbrückenden Witz gar keine Zeit gefunden hatte, den er dann aber doch – und so pikant wie versprochen – loswurde.


Stadtjugendmusik als Gospelchor
Der Hauptkorps dankte es ihm mit einem Einsatz aus vollen Kehlen. Zunächst waren sie wenig von der Idee angetan gewesen, auch singend aufzutreten. Doch hatte Marco Nussbaumer mit einem Griff in die pädagogische Trickkiste Wunder wirken und die jungen Erwachsenen überzeugen können. So standen sie nun aufgereiht da und sangen. Packend vor allem «This little light of mine», ein Gospelsong, der das Publikum mitklatschen liess.
Dieses zeigte sich nach dem Konzert denn auch mehr als zufrieden mit dem Auftritt der Stadtjugendmusik. «Das ging unter die Haut. Bei einem Stück sind mir fast die Tränen gekommen», verriet etwa Raphael Bausch aus Dietikon. «Es ist unendlich viel wert, wenn junge Leute zusammen so etwas machen.» In ein ähnliches Horn stiess Andrea Frebel, ebenfalls aus Dietikon: «Fantastisch, einfach Spitze, was die da machten.»