Die Sommerferien sind für viele eine Gelegenheit, mal wieder zum Lesen zu kommen. Um im Koffer Platz zu sparen, hilft der Griff zu elektronischen Lesegeräten, um Bücher digital zu konsumieren. Wird bald fast ausschliesslich auf dem elektronischen Bildschirm gelesen? «Viele haben vor ein paar Jahren mit einer explosionsartigen Absatzentwicklung von E-Books gerechnet», sagt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV). Diese Erwartung habe sich jedoch nicht bewahrheitet, obwohl ein breites Angebot digitaler Titel bestehe. Laut Schätzungen des SBVV machen E-Books heute nur gerade sieben Prozent des Schweizer Büchermarkts aus. «Vergleicht man diese Zahlen mit dem angelsächsischen Raum, wo der Marktanteil der E-Books bis zu 25 Prozent ausmacht, kann man in der Schweiz noch nicht von einer Verdrängung der gedruckten Bücher sprechen», so Landolf.

Gedrucktes Buch wie Vinyl

Auch Christine Heiniger, Teilinhaberin der Klio Buchhandlung in Zürich, glaubt nicht daran, dass das E-Book das analoge Buch so schnell ersetzen wird. In ihrer Buchhandlung erstreckt sich das Angebot in gedruckter Form von Belletristik bis zu umfassender Fachliteratur zu Geisteswissenschaften. «Ich betrachte das E-Book eher als ein Parallel- denn ein Konkurrenzmedium», sagt sie. Viele Kunden wollen nach wie vor ein gedrucktes Buch in der Hand halten. Studentin Daniela Schröder, die ihre Bücher regelmässig in der Buchhandlung Klio kauft, bestätigt dies: «Jedes Mal, wenn ich wieder durch die Regale streife, entdecke ich etwas Neues», sagt sie.

Ähnlich sieht es Michael Bosshard, Teilinhaber der Buchhandlung im Volkshaus in Zürich. «Die gedruckten und die digitalen Bücher führen bei uns eine friedliche Koexistenz», sagt er. Seit eineinhalb Jahren kann man in seinem Buchladen über den Onlineshop auch E-Books beziehen. «Das digitale Buch eignet sich natürlich hervorragend für die Ferien. Wir beobachten aber, dass die meisten Kunden bei anspruchsvollerer Literatur doch zum gedruckten Exemplar greifen», so Bosshard. Im Gespräch habe sich gezeigt, dass gedruckte Bücher insbesondere bei wissenschaftlicher Lektüre eher dem Leseverhalten der Kunden entsprächen. Denn es erlaube schnelleres Hin- und Herblättern sowie Anstreichen. Bis jetzt habe das Papier noch die Oberhand über die Technik, so Bosshard. «Ich glaube nicht, dass die Nachfrage nach dem gedruckten Buch so schnell verschwindet. Das hat man bei Vinyl mit dem Aufkommen von CDs auch befürchtet – jetzt gibt es bald keine CDs mehr, das Vinyl aber bleibt», sagt er.

Bestellt wird im Internet

Problematisch für den Schweizer Buchhandel ist laut Marktreport der SBVV eher der Preisdruck günstigerer Bücher aus dem Euroraum. Im letzten Jahr habe dies zu einem Umsatzverlust von insgesamt sechs Prozent geführt, obwohl die Zahl der Buchverkäufe gleich blieb. Mit dieser Umsatzentwicklung schnitt der Schweizer Markt innerhalb des deutschsprachigen Raumes am schlechtesten ab.

Trotz treuer und neuer Kunden hat sich diese Entwicklung auch in den Buchhandlungen von Heiniger und Bosshard bemerkbar gemacht. Der fehlende Umsatz schaffe an einem anderen Ort Probleme. «Schliesslich werden die Löhne und die Ladenmiete in Schweizer Franken gezahlt», so Heiniger.

Eine weitere Herausforderung sei die Konkurrenz des Onlinebuchhandels, so Bosshard. Das Bestellen im Internet erübrige den Gang in den Buchladen. Laut SBVV werde in der Schweiz fast jedes vierte gedruckte Buch über das Internet erworben. Auch Bosshards Buchhandlung verfügt über einen Onlineshop. Dies habe zu einer interessanten Entwicklung geführt. «Die Kunden, die bei uns online bestellen, holen das Buch trotzdem grösstenteils im Laden ab», sagt er. Viele, auch neue Kunden suchen das Gespräch – ob als Beratung oder einfach nur als Austausch über Literatur. «Das kann das Internet nicht ersetzen», so Bosshard.

Auch Heiniger lässt sich von der Onlinekonkurrenz nicht entmutigen. «Bei uns kann man gut schmökern, das ist sicherlich eine gute Alternative zum Onlinebereich», sagt sie.