Alters- oder Pflegeinstitution

Dietiker Gemeinderätin R. Joss: «Wartezeiten sind ein Skandal»

Rosmarie Joss.

Rosmarie Joss.

Bis zu zwei Jahreziehen ins Land zwischen der Anmeldung und dem Einzug in eine Alters- oder Pflegeinstitution — dies sei schockierend, sagt SP-Gemeinderätin Rosmarie Joss.

«Da Altersheime genauso wie Schulhäuser nicht über Nacht geplant, geschweige denn gebaut werden», erkundigte sich Rosmarie Joss (SP) mit einer Interpellation über das derzeitige Pflegekonzept der Stadt Dietikon. Erst vor zwei Jahren wurde das Altersheim Ruggacker eröffnet, doch bereits heuer sei zu vernehmen, dass einige Dietiker in Pflegeinstitutionen anderer Gemeinden untergebracht werden müssen. Joss hält fest, dass die Baby-boomer-Generation bald ins pflegebedürftige Alter komme. Für sie geht aus der kürzlich veröffentlichten Antwort des Stadtrates hervor, dass Dietikon nicht genügend Pflegeplätze für die künftigen Bedürftigen aufweist.

Für die Exekutive besteht derweil kein Handlungsbedarf. Sie geht zwar langfristig davon aus, dass in Dietikon die komplexen Pflegefälle zunehmen werden. Darunter fallen etwa Palliativ-, Demenz- und psychisch Komplexe Patienten. Diese Berechnungen werden laut Finanzvorstand Rolf Schaeren für den gesamten Bezirk erhoben und nicht für einzelne Gemeinden. «Gemäss dieser Berechnung schätzt man, dass in zehn Jahren für den Bezirk ein zusätzlicher Bedarf von 50 bis 100 Plätzen besteht», so Schaeren. Wie viele davon auf die Stadt Dietikon verteilt werden, lässt der Stadtrat offen. Er verweist aber darauf, dass private Anbieter, wie beispielsweise das Altersheim Senevita, einen signifikanten Einfluss auf das Angebot von Pflegeplätzen in Dietikon haben werden. Senevita wird voraussichtlich im Sommer 2015 seine Tore im neuen Dietiker Stadtteil Limmatfeld öffnen und 50 Zwei-Zimmer-Seniorenwohnungen sowie 77 Pflegeplätze in verschiedenen Pflegewohngruppen mit umfassenden Pflegeangebot bieten. Via Subjektfinanzierung beteiligt sich die Stadt Dietikon an den Pflegekosten, wie sie es bei den stadteigenen Heimen tue.

Ob die Unterbringung in einer privaten Institution teurer komme, als diejenige in einer städtischen, hänge vom jeweiligen Angebot ab. «Für die Grundbedürfnisse kommen Gemeinde, Krankenversicherung und Empfänger gemäss einem Verteilschlüssel auf. Allfällige Zusatzleistungen eines privaten Anbieters muss der Bewohner selber bezahlen», so Schaeren. Wie viel Senevita für Pflege und Unterbringung sowie für Zusatzleistungen verlangt, ist Schaeren nicht bekannt. «Dass es sich um ein Luxusangebot handelt, denke ich jedoch nicht», sagt er.

Mehr Weitsicht ist gefordert

Bei Rosmarie Joss werden Erinnerungen an das Debakel rund um das Schulhaus Limmatfeld wach. «Die Exekutive verursachte mit ihrer zu wenig weitsichtigen Planung einen Engpass in Sachen Schulraum. Dies soll sich bei Altersheim- und Pflegeplätzen nicht wiederholen», so Joss.

Fest steht, dass heute die Pflegeheimplätze in Dietikon ausgelastet sind – und zwar zu 97 Prozent, wie es in der Antwort des Stadtrates heisst. Markant sind jedoch die Wartezeiten. So verstreichen zwischen Anmeldung und Eintritt in die Pflegeabteilung durchschnittlich knapp 700 Tage oder knapp zwei Jahre. Für einen Platz im Altersheim muss man 560 Tage, in der Demenzabteilung 55 Tage, in einer Seniorenresidenz 194 Tage und in einer Pflegewohnung 147 Tage warten. Ist eine Platzierung in einer Pflegeinstitution jedoch dringlicher, dann werde mithilfe der Informations- und Auskunftsstelle des Altes- und Gesundheitszentrums eine Übergangslösung im Pflegezentrum des Spitals Limmattal oder in der näheren Umgebung gesucht. Diese Wartezeiten hält Joss für einen Skandal: «Dass bis zu zwei Jahre verstreichen, bis man einen Platz bekommt, ist für manche Leute viel zu lange.»

Wartezeiten werden relativiert

Rolf Schaeren relativiert, die Wartezeiten. «Wird ein Platz frei, dann ist es oft so, dass angefragte Personen diesen ausschlagen», so Schaeren. Der Grund dafür sei, dass sie sich schon angemeldet haben, bevor die Notwendigkeit besteht, in ein Altersheim umzuziehen. «Dadurch wird die ausgewiesene Wartezeit statistisch in die Länge gezogen, womit sie ihre Aussagekraft verliert», so Schaeren.

Falls die Nachfrage das Angebot an Pflegeplätzen in den nächsten Jahren übertreffen würde, dann bestehen laut Schaeren durchaus Möglichkeiten, mehr Plätze zu bieten. Neben einer Erweiterung des Ruggackers habe die Stadt auch Baulandreserven an der Bremgartenstrasse 42 und 44. Schaeren sagt aber klipp und klar, dass eine Erweiterung der Pflegeplätze in Dietikon zurzeit weder vorgesehen noch nötig sei.

Diese Antwort befriedigt Joss keineswegs. «Auch beim Schulhausbau im Limmatfeld dachte die Exekutive, dass dem nichts im Weg stehen würde», sagt sie. Mit den Auflagen durch den kantonalen Moorschutz stünde eine Bebauung des Werkhof-Areals nun aber auf wackeligen Beinen. Ob die Stadt ausreichend geprüft habe, ob eine Bebauung möglich sei, bleibe offen.

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