«Man muss im Strassenverkehr versuchen, die Nerven zu bewahren», erklärte der Dietiker Einzelrichter Bruno Amacker dem heute 29-jährigen Beschuldigten anlässlich der gestrigen Urteilseröffnung. Der Autolenker aus Dietikon wurde wegen Nötigung und groben Verkehrsdelikten anklagegemäss zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 80 Franken sowie 1000 Franken verurteilt. Doch was war passiert? Die Anklage der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis ging auf den 13. Mai 2013 zurück. Damals war der beschuldigte Kosovo-Albaner am Morgen mit seinem Personenwagen unterwegs zu seinem Arbeitsplatz. Der Konstrukteur fuhr dabei über die Badenerstrasse in Richtung Überlandstrasse. Plötzlich wurde er von rechts von einem Roller überholt und von diesem ausgebremst. Danach zeigte ihm der Lenker des Zweirads den gestreckten Mittelfinger. Worauf der Autolenker ausrastete und es zum Eklat kam.

Körperlich attackiert

Laut Anklage rächte sich der aufgebrachte Beschuldigte, indem er den Rollerfahrer kurz vor der Mutschellenstrasse nach rechts abdrängte und danach mit seinem Personenwagen die Strasse blockierte. Worauf der Rollerfahrer brüsk abbremsen und anhalten musste. Nun stieg der Dietiker aus dem Auto aus und ging auf den inzwischen neben seinem Roller stehenden Gegner los.

Er packte ihn am Kragen der Motorradjacke und schlug ihm mit der flachen rechten Hand an den Motorradhelm. Dann trat er mit dem linken Fuss gegen den rechten Oberschenkel des Geschädigten, der dank seines Schutzanzugs glücklicherweise keine Verletzungen erlitt. Zum Schluss stieg der Angreifer wieder ins seinen Wagen, überfuhr eine Sicherheitslinie und suchte das Weite.

Vergeblich Unschuld beteuert

Vor Gericht beteuerte der von seinem Kontrahenten angezeigte Limmattaler seine Unschuld. Er habe nur angehalten, um den Rollerfahrer zu fragen, was er denn überhaupt habe. Eine Schlägerei habe es nie gegeben, erklärte er und stellte jeglichen Körperkontakt in Abrede. «Die Aussagen des Geschädigten sind falsch und er spinnt», ereiferte sich der Beschuldigte. Allerdings ohne Erfolg.

So kam das Gericht aufgrund von belastenden Zeugenaussagen zu Schuldsprüchen wegen grober Verkehrsdelikte und Nötigung. «Wir können dieses Verhalten nicht tolerieren», erklärte Amacker und verwies darauf, dass unterdessen auch der Rollerfahrer bestraft worden sei. Der Vorsitzende sprach von einer moderaten Strafe für den einschlägig vorbestraften Autolenker und von einem Denkzettel.