Wahlgang

Die Schulpflege-Wahl in Dietikon wird zum Thriller

Von links: Bernhard Schmidt, Manuela Ehmann und Astrid Dätwyler.

Von links: Bernhard Schmidt, Manuela Ehmann und Astrid Dätwyler.

Im ersten Wahlgang lieferten sich Astrid Dätwyler und Bernhard Schmidt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nun steht eine dritte Kandidatin am Start.

So begehrt ist ein Sitz in der Dietiker Schulpflege selten. SVP-Präsidentin Astrid Dätwyler und der parteilose Bernhard Schmidt erhielten im ersten Wahlgang fast gleich viele Stimmen (1383, beziehungsweise 1344). Daher kommt es am 8. März zu einem zweiten Durchgang. Der dritte Konkurrent, Walter Schmid (EDU), tritt zwar nicht mehr an – er landete mit 218 Stimmen klar abgeschlagen auf dem dritten Platz. Doch mit Manuela Ehmann-Nydegger (parteilos) bringt sich im Kampf um die Nachfolge des zurückgetretenen Schulpflegers Marc Oliver Stöcklin (SVP) erneut eine dritte Kandidatin in Position.

Weil die Sitze in der Schulpflege im Normalfall gemäss den Parteienanteilen im Dietiker Gemeinderat verteilt sind, hätte Astrid Dätwylers SVP informell Anspruch auf das freigewordene Amt. Dementsprechend sicherten ihr auch alle Parteien ihre Unterstützung zu. Dass aus dem ersten Wahlgang ein so ausgeglichenes Resultat hervorging, habe sie überrascht, sagt sie auf Anfrage: «Die Leute in Dietikon kennen mich. Ausserdem bringe ich auch das Rüstzeug für die Schulpflege mit.» Dätwyler amtete 9 Jahre lang in der Vormundschaftsbehörde und zog selbst ein Kind in Dietikon auf.

Dass ihr der parteilose Schmidt trotz der Parteienunterstützung von links bis rechts so viele Stimmen abspenstig machte, könnte laut Dätwyler auch in der ablehnenden Haltung einiger Bevölkerungsteile gegenüber der SVP gründen: «‹Parteilos› klingt da vielleicht unverfänglicher.» Sie werde den laufenden Wahlkampf nun intensivieren.

Ehmann fand den Mut erst jetzt

Doch wer ist die neue Kandidatin? Und wieso stellt sie sich erst im zweiten Durchgang zur Wahl? Politisch gesehen ist Ehmann ein unbeschriebenes Blatt. Die Mutter zweier schulpflichtiger Kinder ist in Dietikon aufgewachsen, lebte danach aber lange nicht mehr in der Stadt und kehrte erst 2010 wieder zurück. Ihre Ausgangslage bei der Wahl in die Schulpflege erachtet sie selbst denn auch als «sehr schwierig, aber nicht chancenlos», wie sie auf Anfrage erklärt.

Sie habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, sich für die Schulpflege zur Wahl zu stellen, sagt Ehmann. Den Anmeldetermin für den ersten Wahlgang habe sie aber nicht wahrgenommen, weil sie damals den Mut zur Kandidatur noch nicht gehabt habe. «Als klar wurde, dass es zu einem weiteren Durchgang kommt, hat mich mein Umfeld ermutigt, doch noch zu kandidieren.» Ihr sei es ein Anliegen, sich im Dietiker Schulwesen zu engagieren. Und da sie nur in einem 20-Prozent-Pensum als Sachbearbeiterin beschäftigt sei, bringe sie auch die nötige Kapazität mit, um das Amt «mit Herzblut» ausführen zu können.

Bernhard Schmidt, Dätwylers härtester Konkurrent aus dem ersten Wahlgang, lässt sich von der neuen Konkurrenzsituation wenig irritieren. Der sechsfache Vater war elf Jahre als Lehrer und drei Jahre als Schulleiter in Dietikon tätig. Heute leitet er eine Schule in Altstetten. Er verfüge daher über ein gutes Profil für ein Amt in der Schulpflege, sagt Schmidt. Er macht sich keine Sorgen darum, dass ihn Ehmanns Kandidatur wichtige Stimmen kosten könnte: «Schulpolitik geht mit einer grossen Verantwortung einher. Deshalb braucht es Personen mit guten Fachkenntnissen. Die Parteizugehörigkeit sollte dabei eine untergeordnete Rolle spielen», so Schmidt.

Die Schwerpunkte, welche die drei Kandidierenden als Mitglied der Schulpflege setzen würden, unterscheiden sich stark. Ehmann will etwa die Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Behörden verbessern. Dazu ist ihr die Integration von fremdsprachigen Schülern und Zuzügern sehr wichtig. Schmidt setzt vor allem auf die Lehrerbildung und das «nachhaltige Lernen»: «Der Lehrplan 21 macht mit der kompetenzorientierten Förderung einen Schritt in die richtige Richtung», sagt er. Es sei aber wichtig, auch das Beurteilungssystem dahingehend anzupassen, dass Schüler nicht stigmatisiert werden. Und Dätwyler hat sich insbesondere der Elternmitwirkung verschrieben. Diese sollten sich in der Erziehung ihrer Kinder wieder verstärkt engagieren, sagt sie: «Allzu oft geben Eltern diese Verantwortung einfach an die Schule ab.»

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