Die Geschichte der Schlieremer Rotbuche, die im Februar 2018 wegen der Linienführung der Limmattalbahn verpflanzt wurde, bewegte die Menschen. Auch Paul Berner aus Spreitenbach interessierte sich von Beginn an für die Problematik. «Gewisse Ereignisse im Limmattal packen mich, und ich verfolge sie dann konsequent weiter. Bei der Rotbuche habe ich viele Zeitungsartikel gesammelt, und als klar wurde, dass man sie versetzen will, wollte ich das filmisch festhalten.»

Für Berner, ein leidenschaftlicher Amateurfilmer, war schnell klar, dass er für sein Vorhaben verschiedene Blickwinkel benötigt. Daher fragte er seinen Freund Peter Stutz aus Dietikon, ebenfalls ein Hobby-Regisseur, ob er Lust an einem Gemeinschaftswerk habe. «Zunächst dachte ich mir, dass eine Baumverpflanzung ja nichts Spektakuläres ist», sagt Stutz. Als er realisierte, dass die Verpflanzung zum emotionalen Stadtgespräch avancierte, war seine Teilnahme am Film Ehrensache.

Also filmten Berner und Stutz mit ihren digitalen Kameras das ganze Prozedere der Verpflanzung. «Wir verbrachten viele Stunden auf dem Schlieremer Stadtplatz», so Stutz. Wahlweise mit diversen Stativen und auch von einer Terrasse aus, rückten sie die Reise der Rotbuche ins rechte Licht.

Ihr Film erhielt den Titel «Frauen Power» – eine Hommage an Susanne Porchet und Liliane Hagen. «Die beiden Damen haben mit allen legitimen Mitteln die Rettung der Blutbuche in die Wege geleitet», sagt Berner. Ein Engagement, das beiden Männern imponiert.

Ein Zeitdokument

Berner und Stutz schufen ein eindrückliches Zeitdokument, sowohl was die Versetzung betraf als aber auch für die Stadt Schlieren selbst. Im Film sieht man die Rotbuche nochmals in ihrer ganzen Pracht und man staunt, wenn der Baum sanft an seinen neuen Platz geleitet wird. Der Aufwand, mit dem die Verpflanzung vonstattenging, wird beeindruckend gezeigt.

Die Filmemacher hatten aber auch ein Auge für das ganze Drumherum. Gezeigt werden die zahlreichen Schaulustigen rund um den Schlieremer Stadtplatz, der Grillstand der Feuerwehr oder die geladenen Gäste im Zentrum des Geschehens. Der Kurzfilm macht klar: Das war ein Event erster Güte. Schliesslich sieht man nicht alle Tage einen rund 80 Jahre alten und 20 Tonnen schweren Baum durch eine Stadt fahren.

Neben den Bildern und dem bedachten Schnitt war es ein cleverer Schachzug, diverse Zeitungszitate über die Vorgeschichte der Verpflanzung zu erwähnen. So vermittelt der Film die vorangegangene Debatte um die Rotbuche.

Der Audio-Kommentar wurde von Berner geschrieben und eingesprochen. «Es ist wichtig, dass ein Kommentar nie das wiedergibt, was man im Bild sieht. Viel eher müssen die Worte eine Ergänzung sein.» Für Berner sind die Beiträge in der «SRF Tagesschau» dabei grosse Vorbilder. «Es ist faszinierend, wie viele Informationen in einem zweiminütigen Beitrag stecken. Wir als Amateure würden das wohl nie schaffen.»

Triumph am Festival Swiss Movie 

Es ist der mittlerweile sechste Film, den Berner und Stutz gemeinsam drehten. Kennen gelernt haben sich die beiden Hobby-Regisseure vor vier Jahren im Verein der Zürcher Film- und Videoamateure. Während Berner, der beruflich als Modellbauer tätig war, bereits in den 1960er-Jahren mit dem Drehen von Super-8-Filmen begann, in welchen meist seine Familie die Hauptrolle spielte, hat Stutz vor sechzehn Jahren mit dem digitalen Filmen begonnen. «Ausschlaggebend waren meine Reisen in die Mongolei, dort habe ich viele meiner Filme gedreht», sagt Stutz, der in jungen Jahren als Matrose anheuerte und später Postangestellter war. Das Reisen war für ihn stets eine Passion.

Eines ihrer ambitioniertesten Werke war das Filmen einer Aufführung des Freilufttheaters Würenlos. «Das erforderte in der Nachproduktion eine exakte Koordination, damit der Zeitablauf korrekt war», erinnert sich Berner. Und nicht immer waren die beiden Freunde einer Meinung. «Wir haben bei den Vorbereitungen und beim Drehen auch schon hitzige Diskussionen geführt», sagt Stutz lächelnd. Wohlwissend, dass die Auseinandersetzung den kreativen Prozess fördert.

Die Zusammenarbeit der beiden Limmattaler trägt jedenfalls mit «Frauen Power» Früchte. «Wir wurden bereits in unserem Verein mit einer Goldmedaille für den Film ausgezeichnet, danach wurde der Film an das Festival Swiss Movie in Solothurn eingereicht», sagt Stutz. Swiss Movie ist die Dachorganisation von Schweizer Videoautoren, die nicht kommerzielle Filme produzieren. Die Freude war gross, als «Frauen Power» in der Sparte «Dokumentarfilm» Ende Mai den ersten Platz abräumte. «Den Film auf einer grossen Leinwand zu sehen, war einzigartig», sagt Stutz.

Eine Vorführung in Schlieren ist ihr Traum

«Es ist zu hoffen, dass die aufwendige Verpflanzung Erfolg hat. Dies wäre das schönste Geschenk für alle, die sich mit viel Herzblut für die Rotbuche eingesetzt haben» – das sind die letzten Sätze im Kurzfilm. Es kam anders und das Ende des vielleicht bekanntesten Baumes der Region ist mittlerweile bekannt. Ein Nachfolgefilm, der diesen Akt aufzeigt, kam für Berner und Stutz nicht infrage. «Dies würde zu politisch werden», sagt Berner. Für ihn ist es wichtig, die Berichterstattung neutral zu halten.

Mit ihrem Film behalten die beiden Filmemacher die Rotbuche und ihre Reise jedoch in versöhnlicher Erinnerung. Und beide hoffen, sie werden die Chance erhalten, den Film einmal in Schlieren vor Publikum vorzuführen. «Eine Präsentation im Stürmeierhuus wäre eine tolle Sache», sagt Berner. Vielleicht erhalten die beiden Senioren bald eine Einladung, um ihr preisgekröntes Werk auch in Schlieren zeigen zu dürfen.