Es ist 20 nach 8 Uhr am Morgen. An der Berufswahlschule Limmattal (BWS) in Dietikon beginnt die erste Unterrichtsstunde. In der ersten Lektion steht für die 15- bis 17-Jährigen Wirtschaftskunde auf dem Programm.

Die Stunden so vorzubereiten, dass alle Schüler gleichermassen profitieren können, ist eine Herausforderung für die Lehrpersonen. Denn die Klasse setzt sich aus Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Berufen zusammen. Dentalhygieniker, Maler, Mediamatiker und viele mehr besuchen hier denselben Unterricht. Alle absolvieren an vier Tagen in der Woche ein Praktikum und besuchen einen Tag den Schulunterricht. «Diese Vielfalt ist belebend, denn so kann im Unterricht immer wieder der Bezug zu den verschiedenen Berufen hergestellt werden», sagt Lehrerin Gerda Gossweiler.

Das Ziel ist ein Lehrvertrag

Das Projekt des beruflichen Vorbereitungsjahres mit Praktikum wird an der BWS in Dietikon dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die nach Abschluss der Oberstufe keine Lehrstelle gefunden haben, weil sie mehr Zeit für den Berufseinstieg benötigen. Andere Schüler möchten ihren Berufseinstieg gezielt mit praktischer Arbeit in einem Betrieb verbinden, statt ein weiteres Jahr mit fünf Schultagen pro Woche zu absolvieren. Bei freien Plätzen können sich auch Lernende anmelden, die in den ersten Wochen die Lehre abgebrochen haben. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten der Absolventen nach dem Praktikum eine Anschlusslösung finden, sagt Gossweiler. Ziel sei es, dass am Ende des Berufsvorbereitungsjahres jeder Jugendliche eine Lehrstelle finde.

Um die passenden Praktikumsbetriebe für die Jugendlichen zu finden, hat die Lehrerin viel Zeit investiert: «Ich habe viel telefoniert und mir die Firmen persönlich vor Ort angeschaut», sagt sie. Zudem habe sie vom Berufsinformationszentrum in Urdorf wertvolle Unterstützung und Tipps erhalten. Einige Schüler hätten aber auch von sich aus aktiv nach einem Praktikumsort gesucht und ihn erfolgreich gefunden.

Die 16-jährige Schülerin Yanka Rabelo absolviert derzeit ein Praktikum als kaufmännische Angestellte. Sie ist zufrieden mit ihrem Arbeitgeber und hofft, im selben Betrieb nächstes Jahr ihre Lehre beginnen zu können. «Ich darf jetzt schon vieles machen, was auch die Lehrlinge erledigen», sagt sie. Der allwöchentliche Schulunterricht an der BWS sei ideal, vor allem die Fächer Mathematik und Informatik würden ihr auch in der Praxis weiterhelfen. Auch die 15-jährige Alessia Passanante will Kauffrau werden. Sie sei froh, dass der ganze Schulstoff während des Vorbereitungsjahres nochmals aufgefrischt werde. Schade sei nur, dass das Angebot eines Englischunterrichts auf dem Stundenplan fehle. Das würde ihr im Berufsalltag helfen.

Unterricht fordert die Lehrer

Nicht alle Jugendlichen starten mit dem gleichen Vorwissen in das Berufsvorbereitungsjahr. Deshalb werden in einzelnen Fächern Aufgaben in verschiedenen Niveaus erteilt und in Lerngruppen bearbeitet.

Gossweiler erlebt immer wieder, dass die jungen Menschen während dieses Jahres im Beruf regelrecht in ihrer Arbeit aufblühen. «Für sie ist es eine Chance, doch noch den Einstieg in ihren Wunschberuf zu finden.»