Wahre Liebe: Die Beziehung zwischen Martin von Aesch und seinem Oberengstringer Jazzclub Allmend lässt sich nicht anders umschreiben. Seit mehr als 27 Jahren sind die beiden verbunden und von Aesch hat in dieser Zeit Tausende von Stunden Arbeit in den Club gesteckt. Gratis.

Die Leidenschaft, die Hingabe, die Begeisterung, all das gab er noch oben drauf. Der Jazzclub hat ihm aber auch ganz viel zurückgegeben: Freude, Begegnungen, beglückende Abende, musikalische Neuentdeckungen und nicht zuletzt Freundschaften fürs Leben. Er habe die meisten seiner Freunde über den Jazzclub kennen gelernt, sagt der Schlieremer Musiker und Autor.

Aber auch wenn die Liebe gross ist, so verändert sie sich doch mit der Zeit. Und manchmal muss man den Tatsachen ins Auge schauen und sich damit abfinden, dass es Zeit ist, loszulassen. Auch wenn man doch so viel miteinander erlebt hat.

Wenn man ohne den andern nicht zu dem geworden wäre, was man heute ist. Bei Martin von Aesch ist dieser Moment gekommen. Angefangen, sich abzuzeichnen, hat er aber schon vor einer Weile. «Ich habe gemerkt, dass es plötzlich ab und zu Abende gab, auf die ich mich nicht mehr richtig gefreut habe», erzählt er.

Dass sich im Vorfeld, bei den Vorbereitungen, gar «ein leichtes Nasenrümpfen» bemerkbar gemacht habe. Zwar seien die Konzerte dann doch immer toll gewesen: Aber seine persönliche Motivation habe nachgelassen. Was ihm jahrzehntelang ein heiss geliebtes Hobby war, begann plötzlich, sich wie Arbeit anzufühlen.

Als Dank ein paar warme Worte

Da wusste er: Es reicht. Vor drei Viertel Jahren teilte Präsident von Aesch dem Vorstand mit, er werde aufhören. Als drei weitere der total acht Vorstandsmitglieder die Chance ergriffen und sich anschlossen, da ahnte man schon: Das wird schwierig.

Und so war es: Monatelang läuft die Suche nach Nachfolgern nun bereits, aber noch konnte keine einzige Person gefunden werden.

«Mittlerweile haben wir entschieden, dass wir den Jazzclub im September 2017 beerdigen, wenn wir bis dann keine Nachfolger gefunden haben», sagt von Aesch. Er hofft aber immer noch sehr, dass das Ende abgewendet werden kann, wie er sagt: «Ich hätte irrsinnig Freude, wenn es weiterginge.»

Er weiss aber, dass es nicht einfach wird, Menschen zu finden, die bereit sind, sich zu engagieren. Nicht zuletzt, weil man als Vorstandsmitglied des Jazzclubs nichts verdient. «Bei uns gibt es als Entschädigung nur ein paar warme Worte», sagt von Aesch. «Und vielleicht ab und zu mal ein Nachtessen.»

Für mehr reicht das Geld nicht, auch wenn der Jazzclub grosszügig von der Gemeinde Oberengstringen unterstützt wird und auch noch vom Kanton etwas erhält. Doch der Jazzclub legt wert darauf, all seinen Musikern faire Gagen zu bezahlen. Das kostet einiges. 

Deshalb sind im Vorstand Personen gesucht, die bereit sind, aus Liebe an der Sache mitzuhelfen. Mitbringen sollte man Freude am Organisieren und an Jazzmusik, Neugier und «einen gewissen Idealismus», wie von Aesch sagt. Und Zeit, um für jedes der jährlich 15 Konzerte einen Arbeitstag zu investieren. Dazu kommen etwa vier Sitzungen pro Jahr.

Von Aesch selber liebt vor allem die sogenannten «Bändlisitzungen», die immer noch so heissen, obwohl die Musiker längst keine Kassetten mehr einschicken. «Das ist das Spannendste», erzählt er.

Die musikalischen Kostproben – mittlerweile sind sie auf CDs – die der Jazzclub als Bewerbungen erhält, werden blind in die Stereoanlage geschoben. Ohne zu wissen, wen sie sich da anhören, entscheiden die Vorstandsmitglieder dann, wer engagiert wird und wer ihren Ansprüchen nicht genügt.

«So sind auch schon Stars durchgefallen», sagt von Aesch und lacht. Stilistisch sei man sehr offen, aber qualitativ müsse es stimmen.

Dass der Jazzclub Allmend grossen Wert auf Qualität legt, sprach sich schnell herum. Der Club, der geboren wurde, als sich 1988 einige befreundete Musiker in der Aula des Schulhauses Allmend für eine Jamsession trafen, machte sich bald einen Namen in der Jazzszene im In- und Ausland und begann, sowohl hochkarätige Jazzstars als auch Newcomer anzuziehen.

«Aussergewöhnliche Qualität»

Als er selber vor 25 Jahren nach Oberengstringen gezogen sei, erinnert sich der Gitarrist Dani Solimine, habe der Jazzclub gerade angefangen, so richtig zu laufen. «Dass ich Musiker, die auf Weltklasseniveau spielen, vor meiner Haustüre sehen konnte, war für mich ein grosses Glück», sagt er.

Später spielte Solimine auch selber im Club, dessen «aussergewöhnliche Qualität» er in den höchsten Tönen lobt. «Ich würde es sehr, sehr bedauern, wenn es den Jazzclub nicht mehr gäbe», sagt er.

Das geht auch Gemeindepräsident André Bender so, der betont, dass man Oberengstringen mit dem Jazzclub in Verbindung bringe, sei auch gut für das Image der Gemeinde. «Es wäre ausgesprochen schade, wenn so eine Institution verloren ginge», sagt er.

Doch sei es auch ein Zeichen der heutigen Zeit, dass es immer schwieriger werde, Menschen zu finden, die bereit seien, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.

Martin von Aesch hofft trotzdem noch auf ein kleines Wunder in Form von vier neuen Vorstandsmitgliedern. Ansonsten hat er nur noch einen Wunsch: «Dass das geschätzte Publikum bis zur Schliessung des Clubs noch in Scharen erscheinen wird, um nochmals richtig guten Jazz zu geniessen.»