Der Schlieremer Stadtrat nimmt einen neuen Anlauf, um ein Stadtmagazin für die Schlieremer Bevölkerung herausgeben zu können. Noch vor einem Jahr versagte ihm das Parlament einen Betrag von jährlich 90 000 Franken, mit dem die Exekutive dieses Publikationsorgan finanzieren wollte (die Limmattaler Zeitung berichtete). Zu teuer sei das Stadtmagazin, so wie es dem Stadtrat vorschwebte, fand die Mehrheit der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Weiter kritisierten sie, dass die Vereine und Parteien inhaltlich nicht miteinbezogen würden. Kritischer Stimmen befüchteten gar, dass die Publikation zu einem «reinen Propagandablatt» des Stadtrates verkommen könnte.

Nach Rückweisung des Geschäfts ging der Stadtrat nochmals über die Bücher und stellt nun einen neuen Antrag für einen zweijährigen Versuchsbetrieb an das Parlament. Das neue Konzept sieht weiterhin vier Ausgaben pro Jahr mit einem Umfang von 24 Seiten pro Ausgabe vor. Inhaltlich präsentiert sich das Stadtmagazin aber anders: Neben den bereits beim ersten Konzept vorgesehenen politischen Themen und Informationen des Stadtrats erhalten etwa auch Vereine, Parteien und das Gewerbe Platz zugesprochen. «Wir tragen damit der Forderung des Parlaments Rechnung, dass der lokale Charakter des Magazins stärker betont werden soll», sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) auf Anfrage.

70 Prozent wollten ein Magazin

Der Stadtrat führte im Januar 2014 eine Umfrage bei den Schlieremer Ortsvereinen durch. Rund 70 Prozent der Antwortenden würden die Einführung eines Stadtmagazins begrüssen, heisst es im Antrag. Gleich viele Vereine sahen sich ausserdem in der Lage, selbst redaktionelle Beiträge zu verfassen. Zumindest in der Anfangsphase müssten sie dabei aber durch die Redaktion «eng begleitet» werden, schreibt der Stadtrat. Brühlmann sagt, dass durch die Vereinsbeiträge das Magazin wohl etwas weniger einheitlich daherkommen werde. «Wir werden aber darauf achten, dass trotz der grösseren Vielfalt, ein qualitativ gutes Produkt zustande kommt.»

Auch die Schlieremer Parteien erhalten Platz, um ihre Informationen darzulegen. Stellungnahmen zu politischen Themen will der Stadtrat allerdings «aus Platzgründen» nicht zulassen. Befeuert er damit nicht jene Stimmen, die im Magazin ein Propagandaorgan der Exekutive sehen? «Nein», sagt Brühlmann, «die Schlieremer Politiker können zwischen Information und Abstimmungskampf unterscheiden.» Auch der Stadtrat werde sich darauf beschränken, die Bevölkerung zu informieren, wie er es etwa auch auf der Website der Stadt mache.

Der Redaktion des Stadtmagazins wird der Stadtpräsident den Vorsitz inne haben. Weiter sind darin die Stadtschreiberin oder der Geschäftsleiter, die Leiterin der Fachstelle Kommunikation, eine externe Redaktorin oder ein externer Redaktor sowie ein bis zwei gut vernetzte Personen aus Schlieren vertreten. Das Redaktionsteam wird vom Stadtrat gewählt. Im Verlauf des zweijährigen Versuchs soll mittels Leserumfrage abgeklärt werden, ob die Bevölkerung das Organ als Ergänzung zu bisherigen Informationsangeboten begrüsst.

Schlieremer Firma will weniger

Keine Berücksichtigung scheint im neuen Konzept auf den ersten Blick die Kritik des Parlaments gefunden zu haben, die Kosten für das Magazins seien zu hoch: Für den zweijährigen Versuchsbetrieb beantragt der Stadtrat dem Parlament einen Kredit von 195 000 Franken – 97 500 Franken pro Jahr. Doch zum einen ist darin im Gegensatz zur ersten Vorlage auch der Betrag für die Erstellung des Grundlayouts von 18 000 Franken enthalten. Und zum anderen handelt es sich um einen Bruttokredit. Der Stadtrat gehe von weit tieferen Kosten aus, sagt Brühlmann.

Der Grund: Die mit dem ersten Konzept betraute Agentur veranschlagte abzüglich der Inserate-Einnahmen Nettokosten von jährlich 62 000 Franken. Im Zusammenhang mit der Überarbeitung des Konzepts holte die Stadt nun aber bei weiteren Firmen Vergleichsofferten ein. Eine nachträglich angefragte Agentur – deren Namen der Stadtrat noch nicht veröffentlichen will – offeriert vier jährliche Ausgaben für zwischen 31 300 und 53 100 Franken netto.

Die Höhe der effektiven Kosten hängt von den Inserate-Einnahmen ab. Deren Akquisition übernimmt die Agentur selbst. «Da die Auftragnehmerfirma schon lange in Schlieren angesiedelt und im hiesigen Gewerbe gut vernetzt ist, ist das Erzielen von 8000 Franken realistisch», schreibt der Stadtrat. Ein weiterer Kostenfaktor ist der Anteil der redaktionellen Beiträge, welche die Agentur selbst verfasst. Je mehr Beiträge von der Stadtverwaltung, Vereinen und Parteien eingereicht werden, desto günstiger kommt die Stadt eine Ausgabe zu stehen.