Zum 80-jährigen Jubiläum feiern Anita und Markus Meerson das «Happy End» ihrer Töpferei «Keramik Weiningen». Aus Altersgründen schliessen sie den Familienbetrieb. Damit geht ein Stück Dorfgeschichte zu Ende – zumindest fast. «Ganz aufhören wollen wir nicht. Im kleinen Rahmen werden wir weiterhin töpfern», sagt Markus Meerson. Produzieren werden die Meersons nur noch in einem kleinen Atelier ihres Hauses an der Rebbergstrasse 65. Der Laden und die Töpferei an der Rebbergstrasse 63 in Weiningen werden für Wohnungen umgenutzt.


Vorher laden sie noch zum Schlussverkauf. Dort gibt es zu günstigen Preisen verschiedenste Produkte zu kaufen: Teller, Tassen, Krüge, Wasserkugeln, Figuren und sogar Ware aus den 1950er-Jahren, welche die Eltern von Markus Meerson produziert haben. Anita Meerson fand sie vor zwei Jahren beim Aufräumen des Estrichs. Die alte Keramik sei sehr gut verpackt gewesen, sagt sie. «Jüngere Kunden mögen vor allem die 1950er-Jahre Produkte, während Ältere sie schon kennen und weniger darauf ansprechen», erklärt die 70-Jährige.

Kürzlich sei eine Kundin sehr erfreut gewesen, dass sie bei der Weininger Töpferei noch einen Rumtopf zum Einlegen von Früchten gefunden hat. In der Stadt sei die Kundin nämlich nicht fündig geworden. «Das Geschäft mit Keramik ist heutzutage mit der billigen Konkurrenz aus dem Ausland ein schwieriges geworden», meint Anita Meerson.


Rückblick auf eine erfüllte Zeit


Das Familienunternehmen startete im Jahre 1937, als der Vater von Markus Meerson, Leo Meerson, in Weiningen seine Töpferei eröffnete. 1978 übernahm der Sohn den mittelgrossen Betrieb mit knapp einem Dutzend Angestellten. Seine Ehefrau Anita, die aus dem kaufmännischen Bereich kam, machte zusätzlich noch eine Lehre zur Keramikmalerin.

Während der Töpfermeister für die Betriebsleitung und Produktion zuständig ist, kümmert sich seine Frau um die Malerei, den Verkauf und die Administration. Zusammen meistern sie die anfallenden Arbeiten mit viel Herzblut. «Für verschiedene Schweizer Heimatwerke und Kunsthandwerksgeschäfte in Städten und an Ferienorten haben wir regelmässig produziert», erzählt Anita Meerson. Gerne erinnert sich der heute 74-jährige Betriebsleiter auch an den Auftrag von Ciba Geigy aus den 1970er-Jahren, bei dem 11 000 Ton-Sparschweinchen bestellt wurden, die mit einer Glücksmünze aus Keramik gefüllt waren. Oder an den wiederkehrenden Auftrag um die Weihnachtszeit für die Hunziker Baustoffe. Diese bestellten jeweils Honigtöpfe als Adventsgeschenk für ihre Kunden.


Im Laufe der Zeit haben die Meersons viele Trends mitgemacht. «In der Nachkriegszeit waren Pastellfarben beliebt, dann kamen rustikale Erdtöne, später in den 1980er-Jahren herrschten vor allem Blautöne vor und in den 1990er-Jahren waren helle Farben wieder gefragt», sagt Anita Meerson. In der Gegenwart sei es bezeichnend, dass eine Vielfalt an Farben und Motiven gleichzeitig vorliegt. Lange ein zeitloses Sujet sei beispielsweise naive Blumenmalerei gewesen.

Die Begeisterung bleibt bestehen


Man merkt den Meersons ihr Engagement fürs Kunsthandwerk an. Und trotzdem planten sie das Ende des Familienunternehmens: Seit 2008 haben sie keine Lernende mehr eingestellt. Die Begeisterung für ihren Beruf ist dennoch ungebrochen. «Besonders Freude haben wir, wenn ein Produkt gelingt», verrät Markus Meerson. «Der Ofen hat immer das letzte Wort, ob etwas gut kommt oder nicht», fügt sie an.


Bereits Ende Oktober und anfangs November waren an zwei Wochenenden Schlussverkäufe. Gekommen sind ehemalige Angestellte, Stammkunden und Bekannten. «Es war sehr schön, viele alte Gesichter wieder zu sehen», so die Keramikmalerin. Die Tochter einer ehemaligen Mitarbeiterin sei ebenfalls gekommen. Sie wollte nochmals den Arbeitsort ihrer Mutter anschauen kommen. «Sie sagte, dass ihr Vater sie jeden Samstag hütete und mit ihr beim Bus auf die Mutter wartete, die von der Arbeit bei uns zurückkehrte», erzählt Anita Meerson gerührt. Eine Stammkundin sei hoch erfreut gewesen, als sie erfuhr, dass sie die Kinderteller für ihre Grosskinder weiterhin bei den Meersons bestellen kann.