Nachdem die Stadt Zürich die Pläne für das neue Bundesasylzentrum auf dem Duttweiler-Areal im Kreis 5 präsentiert hat, lancierten die Grünen umgehend eine Petition. Darin fordern sie «quartierverträgliche und menschenwürdige Wohnverhältnisse» für die bis zu 360 Asylsuchenden, die dort künftig für drei bis vier Monate untergebracht werden. Die meisten Forderungen der Grünen werden im Projekt der Stadt Zürich allerdings bereits erfüllt. Dies weckt den Verdacht, dass die Petition vor allem der politischen Profilierung dient.

Luca Maggi, Vizepräsident der Grünen Stadt Zürich, verneint dies: «Wir wollen mit der Petition unsere Forderungen im Hinblick auf das nun folgende Plangenehmigungsverfahren frühzeitig anmelden.» Hintergrund bildet laut Maggi die Ansage der SVP Stadt Zürich, das Bundesasylzentrum fundamental zu bekämpfen. Die Partei lancierte ihrerseits die Petition «Keine Asylzentren in Wohnquartieren» und moniert in einer Medienmitteilung, solche Unterkünfte gehörten in Randregionen, «in welchen sonst keine Personen leben». Maggi befürchtet daher, dass rechtsbürgerliche Kreise im Rahmen des Genehmigungsverfahrens Forderungen stellen werden. «Mit der Petition wollen auch wir unsere Unterstützungsbedingungen deshalb jetzt schon klar machen», erklärt er.

Der Innenhof wird durch die geschlossene Bauweise geschützt.

Der Innenhof wird durch die geschlossene Bauweise geschützt.

«Nicht die Haltung im Kreis 5»

Der Vorstoss ist aber durchaus auch als Statement gedacht: Bis jetzt seien in der Debatte um das geplante Durchgangszentrum fast nur gegnerische Stimmen zu Wort gekommen, das entspreche nicht der Haltung der Bevölkerung im Kreis 5, so der Grünen-Vize: «Ihr geht es vielmehr darum, dass das Durchgangszentrum gut ins Quartier integriert wird, und ein Austausch mit den Bewohnern möglich ist.» Laut Maggi unterzeichneten bis gestern bereits einige Hundert Personen die Petition.

Was die Stadt vergangene Woche präsentierte, stimmt ihn zuversichtlich. So verzichtet das städtische Hochbaudepartement etwa auf eine Umzäunung der Unterkunft, die laut den Grünen «eine künstliche Grenze zwischen innen und aussen» gebildet hätte. Beim geplanten Projekt handelt es sich um eine Blockrandbebauung mit Innenhof. Diese Bauweise dient laut Departementssprecher Matthias Wyssmann dazu, die Wohnbereiche des Gebäudes gegen den Lärm der stark befahrenen umliegenden Strassen abzuschirmen und Asylsuchenden «nach ihrer Flucht ein Gefühl von Schutz zu vermitteln».

Weiter achtete die Stadt darauf, möglichst viele Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner zu schaffen – auch eine Bedingung der Grünen. In den Wohnclustern aus mehreren Sechserzimmern und gemeinsamen Sanitäranlagen sollen etwa unbegleitete Minderjährige und Familien von Alleinstehenden separiert untergebracht werden. «Zudem haben wir die Schlafbereiche kompakt geplant, um mehr allgemein zugängliche Räume schaffen zu können. Auch sie bieten Rückzugsmöglichkeiten», sagt Michael Rüegg, Sprecher des Sozialdepartements.

Auch Securitas werden geschult

Weiter verlangen die Grünen, dass nur Betreuungs- und Sicherheitspersonal eingesetzt wird, die «der besonderen Situation entsprechend geschult werden». Dieser Bedingung wird bereits auf Bundesebene entsprochen: «Im Vertrag des Bundes mit externen Betreuungsfirmen wie der Asylorganisation Zürich (AOZ) ist festgeschrieben, dass nur fachlich geschulte Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen», erklärt Martin Reichlin vom Staatssekretariat für Migration (SEM). Sie, wie auch Sicherheitsfirmen, die Aufträge in Bundesasylzentren annehmen, würden sich ausserdem verpflichten, das eingesetzte Personal entsprechend aus- und weiterzubilden.

Kaum Chancen hat hingegen die Forderung, im Verfahrenszentrum auf Ein- und Ausgangskontrollen sowie auf Ausgangssperren zu verzichten. Dies gehe aus betrieblichen Gründen nicht, sagt Reichlin. Es sei gesetzlich vorgegeben, dass nur Asylsuchende und das Personal Zutritt zur Unterkunft erhalten. Um dies sicherzustellen brauche es Eingangskontrollen, so der SEM-Sprecher. Weil Asylsuchende im Rahmen des Aufnahmeverfahrens zahlreiche Termine wahrnehmen müssen, sei es aus Koordinationsgründen aber auch «vernünftig» wenn sie sich abmelden, bevor sie das Zentrum verlassen. Grundsätzlich haben die Bewohner der Unterkunft jeden Tag nur während der Betriebszeiten zwischen 9 und 17 Uhr freien Ausgang, und nur, wenn ihre Anwesenheit nicht erforderlich ist. «Aber wenn jemand während der Nachtruhe nach 22 Uhr vor der Tür steht, wird er in Ausnahmefällen auch eingelassen», so Reichlin.