Feuerwerk und feines Essen, Champagner und Glückwünsche fürs neue Jahr: Silvester wird rund um den Globus ähnlich gefeiert. Trotzdem gibt es kulturelle Unterschiede und einige merkwürdige Bräuche, von denen der eine oder andere auch im multikulturellen Limmattal gepflegt werden dürfte. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn Ihre holländischen Nachbarn morgen Abend ihren Weihnachtsbaum verbrennen oder der Däne von nebenan seine alten Teller und Tassen an ihre Haustüre wirft.

Italien: Wer in unserem südlichen Nachbarland mit Glück, Erfolg und Liebe ins neue Jahr starten will, der zieht sich rote Unterwäsche an. Allerdings darf diese nicht selbst gekauft und erst an Silvester das erste Mal getragen werden. Und auch das letzte Mal: Der Brauch besagt, dass die Unterwäsche im neuen Jahr entsorgt werden muss. Woher die Tradition kommt, ist unklar. Da sie vor allem in Italien verbreitet ist, wird sie auf die Zeit des Römischen Reichs unter Kaiser Augustus zurückgeführt. In dieser Epoche galt rote Unterwäsche als Glücksbringer.

Holland: Die Holländer feiern Silvester gerne draussen, in den Strassen oder auf öffentlichen Plätzen. Dabei spielen auch die Weihnachtsbäume eine Rolle, die in den Stuben so langsam ihre Nadeln verlieren: Sie werden für einen Silvesterfunken verwendet. Die Feuer sollen von alten Lasten befreien und Platz machen für Neues.

Spanien: Was für die Italiener die rote Unterhose, ist für die Spanier die Traube: Als glücksbringenden Akt essen sie an Silvester die saftigen Früchte. Genau 12 müssen es sein, für jeden Glockenschlag beim Jahreswechsel eine. Wer sich verzählt, dem droht Unheil. Es soll Läden geben, die verkaufen vor Silvester Dosen mit einem Dutzend Weintrauben drin. Wer trotzdem vergessen hat, welche zu kaufen, der findet sie bei Strassenhändlern in den städtischen Ausgehvierteln – zahlt dann dafür aber einiges mehr.

Portugal : Die Portugiesen essen an Silvester ebenfalls Trauben, setzen dabei aber auf die getrocknete Version: Sie verspeisen 12 Rosinen, eine für jeden Monat des kommenden Jahres. In gewissen Regionen wird der Bolo Rei (Königskuchen) gebacken, in dem – ähnlich dem Plastikfigürchen im Dreikönigskuchen – eine Ackerbohne steckt. Wer die Bohne findet, ist allerdings nicht König für einen Tag, sondern muss den Bolo Rei im nächsten Jahr organisieren.

Griechenland: Auch in Griechenland gibt es einen traditionellen Silvester-Kuchen, den Vassilopita. Darin wird eine in Alufolie eingewickelte Münze eingebacken. Wer sie findet, darf im neuen Jahr mit ganz viel Glück rechnen.

Serbien : In Serbien, aber auch in anderen christlich-orthodoxen Ländern, wird Silvester zweimal gefeiert: zuerst am 31. Dezember nach dem gregorianischen Kalender, das zweite Mal am 13. Januar, nach der julianischen Zeitrechnung. Und dazwischen, am 7. Januar, stehen die orthodoxen Weihnachten an. Aufgrund seiner kommunistischen Vergangenheit erinnert die serbische Neujahrsfeier am 31. Dezember ans hiesige Weihnachtsfest. Es werden Tannenbäume geschmückt und der Deda Mraz (Väterchen Frost) bringt Geschenke.

Dänemark: In Dänemark ist es Brauch, an der Neujahrsfeier altes Geschirr zu zerbrechen. Und zwar nicht irgendwo, sondern an der Haustür von Freunden und Bekannten. Viele Scherben auf der Türschwelle bedeuten deshalb nicht nur viel Putzarbeit, sondern auch viele Freunde.

Bulgarien: In Bulgarien beginnt das neue Jahr mit Schlägen auf den Rücken. Der Brauch wird Survaki genannt und ist keine Strafe für Untaten in der Vergangenheit. Vielmehr sollen die Schläge in den kommenden Monaten Gesundheit und Wohlstand bringen. Kinder gehen in der Silvesternacht oder an Neujahr von Haus zu Haus, schlagen den Bewohnern mit einem geschmückten Zweig der Kornelkirsche auf den Rücken und wünschen ihnen ein frohes Neues. Dafür erhalten sie Süssigkeiten oder etwas Geld.

Brasilien: Als Ausdruck von Reinheit, Harmonie und Frieden tragen viele Brasilianer in der Silvesternacht weisse Kleider. Darunter darf es aber ruhig bunt sein: Gelbe Unterwäsche soll im neuen Jahr für einen Geldsegen sorgen, rote oder rosarote die grosse Liebe bringen, lilafarbene die Karriere voranbringen und orange bei der Familienplanung helfen. Angehörige der brasilianischen Religion Candomblé bringen an Silvester ausserdem der Meeresgöttin Yemanjá ein «Opfer», indem sie kleine Boote und Flösse mit Blumen, Kerzen oder Süssigkeiten aufs Meer hinaustreiben lassen.

Zürich: Rund um den Jahreswechsel kennt man auch in Zürich einige Bräuche. Viele von ihnen sind schon sehr alt und haben sich – oft in abgewandelter Form – bis heute gehalten. Dazu gehört etwa der Schulsilvester, der 1775 erstmals beschrieben wurde. Frühmorgens am 31. Dezember trieben sich Jugendliche auf den Strassen herum, spielten Streiche und lärmten. Mit der Einführung der Weihnachtsferien im Kanton Zürich 1899 wurde der 31. Dezember schulfrei und der Schulsilvester auf den 23. Dezember verlegt. Heute wird er am letzten Schultag vor den Ferien begangen. Allerdings ist er in verschiedenen Gemeinden wegen des zunehmenden Vandalismus abgeschafft worden. Viel gefeiert wurde früher am Berchtoldstag, dem 2. Januar. Geselligkeit bei Speis und Trank stand auf dem Programm. Heute haben in den meisten Gemeinden die Neujahrsapéros diese Funktion übernommen. Am Berchtoldstag erscheinen traditionellerweise vielerorts auch Neujahrsblätter, die Aspekte der lokalen Geschichte behandeln. Diese Stadtzürcher Tradition geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Damals war es Brauch von Zünften und Gesellschaften, zum Heizen ihrer Lokale von ihren Mitgliedern Holz einzuziehen. Jeweils zum Jahresanfang überbrachten die Kinder die sogenannte «Stubehitzete». Zum Dank erhielten sie warmen Kakao, ab 1645 erstmals auch illustrierte Blätter. (zim)