Affoltern am Albis

Bauernverbands-Kader Ferdi Hodel: «Es tut mir leid für das Pferd»

Ferdi Hodel, rechts, Chef des Bauernverbandes, erscheint vor dem Bezirksgericht am Dienstag, 28. Oktober 2014, in Affoltern.

Ferdi Hodel, rechts, Chef des Bauernverbandes, erscheint vor dem Bezirksgericht am Dienstag, 28. Oktober 2014, in Affoltern.

Wegen Tierquälerei hat sich am Dienstag der Zürcher Bauernverbands-Geschäftsleiter und Pferdezüchter Ferdi Hodel vor dem Bezirksgericht Affoltern am Albis verantworten müssen.

Der Tod des Springpferdes "Saten" tue Hodel leid, sagte er. Aber er habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ein Urteil wurde noch nicht gefällt. "Wir waren überzeugt, dass wir das richtige tun", sagte der 49-Jährige in seinem Schlusswort. Seine Frau betonte, wie sehr sie Pferde liebe. Von früh bis spät sei sie mit ihnen zusammen. "Es ist unerträglich für mich, wegen Tierquälerei angeklagt zu sein."

Zusammen mit einer Helferin hatten sich die beiden Pferdezüchter im März 2012 zum Ziel gesetzt, das Springpferd "Saten" verladefähig zu machen. Das bedeutet, dass ein Pferd nicht nur in den Anhänger steigt, sondern dort auch entspannt stehen bleibt. "Saten" trat jeweils rückwärts die Flucht an.

Hodel hatte das Pferd kurz zuvor für 22'000 Franken verkauft. Die Käuferfamilie hatte mit der Anhänger-Furcht aber ein Problem, weil "Saten" als Turnierpferd genutzt werden sollte. "Ich wollte der Familie helfen", sagte Hodel während des Prozesses über das verhängnisvolle Training. Zeit blieb ihm aber nicht viel. "Die Käufer übten Druck aus, weil die Tochter an ein Turnier wollte."

Schwere Rückenverletzungen

Vier Stunden lang dauerte das Training mit "Saten" - viel zu lange, wie ein tierärztliches Gutachten nach dem Tod des Tieres festhielt. Normalerweise dauern solche Übungen eine bis zwei Stunden.

Von Erfolg gekrönt war das Training nicht: Einmal riss sich "Saten" los und galoppierte über eine Strasse und über die Bahngleise zurück in den Stall. Dann wiederum schaffte er es, sich aus dem bereits mit einer Querstange geschlossenen Anhänger zu befreien.

Dazu drückte er sich in Panik unter der Stange hindurch, bis diese nachgab. Durch den grossen Druck verletzte sich "Saten" schwer an der Wirbelsäule. Zweieinhalb Monate später wurde er eingeschläfert.

Hodel betonte, dass "Saten" während des ganzen Trainings nie überfordert gewesen sei. "Wenn es für ihn unzumutbar gewesen wäre, hätte ich abgebrochen." Die Staatsanwältin war anderer Meinung. Die Beschuldigten hätten das Pferd übermässig beansprucht und sogar noch weitergemacht, als es bereits verletzt gewesen sei.

Anklage fordert bedingte Geldstrafe

Das Ziel "Verladefähigkeit" sei höher gewichtet worden als das Tierwohl. Die Anklage verlangt deshalb für alle drei Beschuldigten bedingte Geldstrafen von je 120 Tagessätzen, allerdings in unterschiedlicher Höhe, weil die finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten unterschiedlich sind. Hodel soll mit 120 Tagessätzen zu je 300 Franken bestraft werden.

Die Anwältin der Käuferfamilie warf Hodel vor, er habe nur verhindern wollen, dass "Saten" zurückgegeben werde. Beim Verkauf habe er das Pferd als "verladefromm" angepriesen - was es dann offensichtlich nicht gewesen sei.

"Verladefromm" sei das Tier nur bei Pferdetransportern gewesen, nicht aber bei Anhängern, die von Autos gezogen worden seien. "Er wollte das aber um keinen Preis zugeben, weil sonst der Kauf rückgängig gemacht worden wäre."

Kritik an der Einschläferung

Hodels Anwältin konterte, dass sich "Saten" die Verletzungen möglicherweise gar nicht bei diesem Training geholt habe. Er habe sich kurz danach nämlich noch am Rücken anfassen lassen. Zudem sei ohnehin fraglich, weshalb die Familie das Pferd habe einschläfern lassen. Wirbelverletzungen würden nämlich innerhalb einiger Monate heilen und die Pferde könnten wieder für den Sport genutzt werden.

Aber weil die Tochter an Springturniere wollte, habe die Familie wohl nicht so lange warten wollen. Dazu sei das Problem mit dem Anhänger gekommen. Noch vor seiner Einschläferung sei "Saten" durch ein neues Pferd ersetzt worden.

Zu einem Urteil kam das Bezirksgericht am Dienstag noch nicht. Zuerst muss noch die dritte Beschuldigte befragt werden, die beim Training mithalf. Sie blieb dem Prozess aus unbekannten Gründen fern. Wann das Urteil vorliegt, ist noch unklar.

Angeklagt wegen Tierquälerei: Geschäftsführer des Zürcher Bauernverband vor Gericht

Angeklagt wegen Tierquälerei: Geschäftsführer des Zürcher Bauernverband vor Gericht

Aufnahmen ohne Off-Text

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1