Ritzmann wurde beschuldigt, dem "Tages-Anzeiger" die kritischen und zugleich vertraulichen Berichte über die Arbeit von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli als Museums-Kurator zugespielt zu haben. Damit soll sie die "Affäre Mörgeli" ins Rollen gebracht haben.

Für eine Verurteilung fehlten dem Gericht allerdings die Beweise. Sämtliche Belege, die der Staatsanwalt vorlegte, wurden während des Prozesses als nicht zulässig eingestuft. Damit löste sich die Anklage quasi in Luft auf.

Als Beweis hätten die Telefon- und Mail-Daten dienen sollen, die der Staatsanwalt bei der Universität Zürich eingesammelt hatte. Weil es der Ankläger aber verpasste, dafür eine Genehmigung des Zwangsmassnahmengerichts einzuholen, waren die Beweise nicht gültig.

Blocher-Urteil verhalf Ritzmann zum Freispruch

Doch auch wenn der Staatsanwalt diese Genehmigung vorgelegt hätte: Zugelassen worden wären die Telefon- und E-Mail Daten auch dann nicht. Grund dafür ist ein wegweisendes Bundesgerichtsurteil zum Thema Quellenschutz von August 2014, das sich mit Christoph Blocher und der "Affäre Hildebrand" befasste.

Die Lausanner Richter entschieden, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft die Korrespondenz zwischen Blocher und der "Weltwoche" nicht als Beweis verwenden darf. "Und was für Herrn Blocher gilt, gilt für alle", wie es die Richterin bereits während des Prozesses vor einer Woche ausdrückte.

Es war also ausgerechnet Blocher, welcher der Mörgeli-Kontrahentin Ritzmann zum Freispruch verhalf.

Staatsanwalt zieht Fall weiter

Für den Staatsanwalt, selber SVP-Mitglied, bedeutet Ritzmanns Freispruch eine herbe Schlappe. Er werde den Fall ans Obergericht weiterziehen, sagte er nach der Urteilseröffnung. Es gehe um grundsätzliche Fragen für die künftige Rechtsprechung.

Ritzmann reagierte erleichtert. Sie sei froh über den Freispruch. Dem Weiterzug blicke sie inhaltlich gelassen entgegen. Sorgen bereitet ihr aber die finanzielle Situation, denn so lange das Urteil nicht rechtskräftig ist, erhält sie weder Genugtuung noch Prozessentschädigung. "Unser Erspartes ist praktisch aufgebraucht," sagte sie.

Das Gericht sprach Ritzmann eine Prozessentschädigung von 60'000 Franken zu. Dieses Geld ist für den Anwalt bestimmt, den sie mit dem Weiterzug ans Obergericht nun noch länger beschäftigen muss.

Als Genugtuung erhält sie 15'000 Franken. Dieser Betrag soll ein Stück weit den Stellenverlust und den ramponierten Ruf entschädigen. Berücksichtigt wurde bei der Berechnung auch, dass sie frühmorgens vor den Augen ihrer Kinder verhaftet wurde.

Damit übte das Gericht indirekt Kritik an der Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft. Gegen den Staatsanwalt ist deswegen auch eine Aufsichtsbeschwerde hängig, eingereicht von Ritzmann und ihrem Mann.

Kein Geld für Mörgeli

Bei der Universität nimmt man den Freispruch zur Kenntnis. Man werde jetzt das rechtskräftige Urteil abwarten, sagte Prorektor Christian Schwarzenegger auf Anfrage der sda. Er betonte, dass die Kündigung von Iris Ritzmann bei der Universität ein personalrechtliches Verfahren sei, das unabhängig von der Strafverfolgung geführt werde.

Es ist momentan bei der Rekurskommission der Hochschulen hängig. Weil sich diese für ihre Entscheide nicht auf die Strafverfolgung abstützen muss, könnten die abgelehnten Beweise dort trotzdem gelten - und somit ausschlaggebend dafür sein, ob Ritzmanns Kündigung als rechtmässig beurteilt wird oder nicht.

Mörgeli geht mit dem Urteil vom Freitag leer aus: Als Privatkläger forderte er rund 10'000 Franken Schadenersatz und Genugtuung wegen des Stellenverlustes und des Reputationsschadens. Das Gericht lehnte seine Forderung aber ohne Angabe von Gründen ab.

Ritzmann vor dem Bezirksgericht Zürich.

Ritzmann vor dem Bezirksgericht Zürich: Das sagte sie vor dem Prozess