Auf dem Duttweilerareal, direkt neben der Zürcher Hochschule der Künste gelegen, hätte schon 2013 ein provisorisches Bundeszentrum für Asylsuchende entstehen sollen. Der Aufschrei im Trendquartier war indes gross. Bund und Stadt Zürich nahmen «aus zeitlichen Gründen» Abstand von den Plänen. Sie wichen für den befristeten Testbetrieb, mit dem seit 2014 ein beschleunigtes Asylverfahren erprobt wird, auf die bestehende Asylunterkunft Juch in Altstetten aus.

Die Erfahrungen des Versuchs seien positiv, und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bund klappe tadellos, meinte Barbara Büschi, die stellvertretende Direktorin des Staatssekretariates für Migration, gestern an einer Medienkonferenz. Deshalb soll in der Stadt langfristig ein Bundeszentrum geführt werden.

Die Infrastruktur in Altstetten lässt allerdings keinen definitiven Betrieb zu: «Die rund 50-jährigen Bauten müssten für einen längerdauernden Betrieb umfassend erneuert werden», sagte der Stadtzürcher Sozialvorstand Raphael Golta (SP). Zudem sei das Juch-Areal mittelfristig auch für andere Nutzungen vorgesehen. «Es war von Beginn an klar, dass das nur ein Provisorium sein kann.»

Areal blieb für den Bund reserviert

Deshalb ist das Duttweilerareal, das der Stadtrat in den vergangenen Monaten für den Bund reserviert hatte, wieder in den Fokus des Interesses gerückt. «Das Areal ist aus betrieblicher Sicht ideal gelegen», sagte Barbara Büschi. Denn in unmittelbarer Nähe hat das Staatssekretariat für Migration seine Büros eingerichtet, in denen die Gesuche der Asylsuchenden geprüft werden. Bislang müssen die rund 300 im zweieinhalb Kilometer entfernten Zentrum Juch untergebrachten Personen mit einem Shuttlebus hin und her gefahren werden. Könnte die Unterkunft neu im neben den Büros gelegenen Duttweilerareal eingerichtet werden, liesse sich der Betrieb effizienter führen.

Auch Raphael Golta sprach von einem passenden Standort. Das Quartier sei vielfältig. Es sei dort Wohnraum geschaffen worden, es seien Hochschulen, Gewerbe, Hotelerie und Industrie vorhanden. «Das Quartier», sagte Golta, «eignet sich gut, es kann etwas Neues aufnehmen».

Bekannte frühere Kritiker sind laut Golta bereits schriftlich über die neuen Pläne informiert worden. Er verspricht, «den Dialog zu suchen». Und er verweist auch darauf, dass man den Gegnern in Bezug auf ihre Bedenken schon etwas entgegengekommen sei. Vor zwei Jahren war für den Testbetrieb von bis zu 500 Asylsuchenden die Rede, die auf dem Duttweilerareal untergebracht werden sollen. Das aktuelle Projekt sieht eine Unterkunft für 360 Personen vor.

Opposition im Quartier

Im boomenden Quartier kommen die neuen Pläne aber nach wie vor nicht gut an. «Jetzt haben private Investoren und die Stadt derart viel investiert», sagt etwa Elisabeth Schoch, FDP-Gemeinderätin und Gewerbevereinmitglied. Werde nun hier, mitten in diesem «Wohn-, Freizeit- und Ausgangsgebiet» ein Bundeszentrum für Asylsuchende erstellt, werde sich das rächen. «Solange in der Stadt zu wenig Wohnraum besteht, gehört ein solches Zentrum nicht an einen solch begehrten Standort.» Das Duttweilerareal habe das Potenzial für ein Quartierzentrum, sagt Schoch.

Auch in der SVP stösst das Projekt auf Kritik: Mauro Tuena, Fraktionspräsident im Stadtparlament, findet es unverständlich, dass mitten in einem boomenden Quartier ein Asylzentrum geplant wird. Insbesondere wenn bekannt sei, wie gross der Widerstand bei Gewerbe und Bevölkerung sei.

Auf der anderen Seite des Parteienspektrums wird das Projekt begrüsst. So spricht etwa die SP von einem «sinnvollen Vorhaben» und hält den vorgesehenen Standort für geeignet.

Vertrag über 25 Jahre

Ein verbindlicher Zeitplan für den Bau des Bundeszentrums besteht noch nicht. Raphael Golta glaubt, dass es 2020 so weit sein könnte. Das Geschäft muss zuvor sowohl dem Gemeinderat als auch dem Stimmvolk unterbreitet werden. Zudem sind wohl Einsprachen zu erwarten. «Der Zeitplan wird nicht von uns alleine bestimmt», sagte denn auch Golta. Der Bund wird die Anlage für 15 Jahre mieten. Der Vertrag ist zweimal um 5 Jahre verlängerbar. Dann könnte die Stadt das Land bei Bedarf allenfalls wieder anders nutzen.