Herr Bischoff, was ist im Kanton im Jahr 2015 anders als 2003?

Die Alternative Liste AL ist in dieser Zeit sicher eine anerkannte politische Kraft im Kanton geworden. Sie hat gezeigt, dass sie da ist, dass sie präsent ist.

2003 waren Sie als Regierungsratskandidat der AL chancenlos. Wie wird es im April 2015 aussehen?

Das Ziel ist immer der Erfolg. Wenn man kandidiert, dann will man auch gewinnen. In meiner Rolle als Präsident der parlamentarischen Untersuchungskommission zur Pensionskasse BVK konnte ich in den vergangenen Jahren zeigen, dass ich in der kantonalen Politik eine tragende Rolle übernehmen kann. Aber ich bin auch Realist. Die AL ist nicht die SP, sie hat eine ganz andere Maschine im Hintergrund.

Bereuen Sie eigentlich, nicht in der SP zu sein? Mit Ihren rednerischen Fähigkeiten und dem grossen Netzwerk hätten Sie doch in einer grösseren Partei mehr Erfolgschancen?

In der AL gibt es viele Vorteile. So bin ich viel unabhängiger und verfüge über mehr Freiheiten als in einer grossen Partei. Die AL kann deshalb auch viel staatskritischer sein, sie kann sich stärker von der Macht distanzieren als andere.

Diese Macht suchen Sie nun aber.

Das ist das Wesen der Politik. Wenn man Ideen durchsetzen will, dann muss man auch in die Regierung.

Die AL hatte 2011 einen Wähleranteil von 1,63 Prozent. Das rechtfertigt doch keinen Regierungssitz?

Die AL täte der Regierung aber gut. Sie bringt eine andere Stimme ein. Auch im links-grünen Spektrum deckt sie andere Facetten, andere Themen ab. Und wir haben gezeigt, dass wir mehrheitsfähig sind. Wir hatten im Kanton Zürich praktisch im Alleingang die Pauschalbesteuerungsinitiative durchgebracht. Das verdeutlicht doch, dass wir Themen besetzen, die der Bevölkerung unter den Nägeln brennen.

Die AL mag in der Stadt Sympathien haben. Aber auf dem Land ist doch schon ein SP-Vertreter ein rotes Tuch. Und jetzt kommt ein Alternativer – das wird die bürgerliche Bevölkerung an die Urnen treiben.

Ich glaube nicht, dass meine Kandidatur die Linke schwächen wird. In der Regel ist die Beteiligung bei Kantonsrats- und Regierungsratswahlen eher tief, sie liegt bei rund einem Drittel. Wir können den Wahlkampf nun aufmischen und ihm Schwung verleihen. Ich bin überzeugt, dass wir so jene Leute, die sonst zwar bei wichtigen Sachfragen links abstimmen, aber bei Wahlgängen selten mitmachen, an die Urne bringen können.

Es wird also einen hitzigen Blockwahlkampf geben: das bürgerliche Fünferbündnis gegen ein linkes Viererticket?

Ein Kampf der Blöcke ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Es liegt aber natürlich auf der Hand, dass wir auf der linken Seite die Zusammenarbeit suchen werden. Von einem eigentlichen Bündnis will ich nicht sprechen. Ich glaube auch nicht, dass es zu einem gemeinsamen Wahlplakat kommt. Es geht mehr um gegenseitige Unterstützung. Die Wähler müssen sehen, dass da vier Kandidaten aus dem links-grünen Umfeld zur Auswahl stehen.

Kein Bündnis – gibt es auf der linken Seite zu viele Differenzen?

Natürlich haben wir Differenzen. Sonst müssten wir ja alle in derselben Partei sein. Ich stand mehrmals in Opposition zu Polizeidirektor Mario Fehr von der SP. Etwa beim Hooligankonkordat oder beim Polizeigesetz. Wir von der AL haben da eine andere Haltung, das ist klar. Aber im Grossen und Ganzen haben wir auf der linken Seite, etwa in der Sozialpolitik, dieselben Standpunkte. Wenn wir den Kanton Zürich voranbringen wollen, dann müssen wir – trotz Differenzen im Detail – zusammenspannen. Alles andere wäre realitätsfremd.

Was würden Sie als erstes an die Hand nehmen, wenn Sie gewählt würden?

Das kommt auf die Direktion an. Als Neuer kriegt man jene, die übrig bleibt.

Losgelöst von der Direktion – angenommen, Sie wären König von Zürich, was wäre das drängendste Anliegen?

Wenn ich einfach so entscheiden könnte, dann würde ich das Bodenrecht ändern. Der Spekulation muss Einhalt geboten werden.

Die Bürgerlichen springen entsetzt auf.

Das mag sein. Aber das ist für mich etwas vom Wichtigsten. Dass man mit Grundstücken einen Haufen Geld machen kann, ist ein grosses Übel. Das führt unter anderem zu hohen Mieten. Derartige Themen, die die Bevölkerung beschäftigen, will ich mit der AL und den weiteren linken Parteien im Wahlkampf thematisieren. Neben der Wohnraumfrage ist dies etwa die Kinderbetreuung oder Steuerfragen. Es gibt viele Themen, die wir mit linksgrünen Rezepten angehen können.

Realistischer ist aber am Ende doch, dass Sie als Wahllokomotive der AL fungieren und ihr für die Kantonsratswahlen Aufmerksamkeit verschaffen.

Noch einmal, ich trete an, um zu gewinnen. Wenn wir in der Regierung eine andere Mehrheit hinbringen, können wir auch andere Ideen umsetzen. Aber die AL soll auch im Kantonsrat zulegen und Fraktionsstärke erreichen, also mindestens zwei Sitze hinzugewinnen. Das ist ebenfalls wichtig. Der Kantonsrat ist ja in den vergangenen Jahren bürgerlicher geworden, als es die Regierung derzeit ist.