Limmattal

Amphibien in Wanderlust: Zäune und Kessel schützen sie vor dem Sprung in den Tod

Auf ihrer Wanderung zu den Laichplätzen in der Region sind Frösche und Co. auf Schutz angewiesen.

Wird es wärmer, gehen sie auf Wanderschaft: Jedes Jahr, wenn sie aus der Winterstarre erwachen, machen sich Tausende von Fröschen, Kröten, Salamandern und Molchen auf den Weg zu ihren Geburtsgewässern, um zu laichen. Auch im Limmattal finden diese Amphibienwanderungen zwischen Februar und April statt. Und wie andernorts sind sie auch hier eine gefährliche Reise: Da die Tiere oft über einen Kilometer entfernt von ihren Laichplätzen überwintern, müssen sie Strassen überqueren, auf denen sie dem Verkehr schutzlos ausgesetzt sind. Zahlreiche Amphibien lassen deshalb ihr Leben unter den Rädern von Fahrzeugen.

Um dies zu verhindern, werden an verschiedenen Orten in der Region Massnahmen ergriffen, damit Frösche und Kröten ihre Laichplätze sicher erreichen. An der Haslernstrasse in Geroldswil beispielsweise stellt das kantonale Amt für Landschaft und Natur seit vier Jahren im Februar einen rund 70 Meter langen, kniehohen Amphibienzaun auf. Dieser hält die Tiere auf, die vom Wald herkommend die Quartierstrasse überqueren wollen und leitet sie zu im Boden eingegrabenen Kesseln um. Freiwillige Helfer, die von der Gemeinde Geroldswil aufgeboten werden, kontrollieren täglich die Kessel, in welche die Tiere auf der Suche nach einer Öffnung im Zaun hineinfallen.

Von Anfang an als Freiwillige dabei sind Marlies und Peter Meyer. Im Wechsel mit einer dritten Helferin prüft das Ehepaar jeden Morgen und Abend, ob sich in den Eimern Frösche, Kröten oder Salamander befinden. Ist das der Fall, bringen sie die Tiere zu zwei Teichen in der Fahrweid. «Der Mensch sollte Tiere artgerecht behandeln und beschützen», erklärt Marlies Meyer den Einsatz für die Amphibien.

Sie ist der Ansicht, dass der Zaun entlang der Haslernstrasse noch länger sein müsste. «Bei der Böschung vorne sind einige Tiere auf die Strasse gelangt und überfahren worden.» Zum weiteren Schutz der Amphibien hat das Ehepaar deshalb Flyer im Quartier verteilt und eine Warntafel mit Bildern von überfahrenen Fröschen aufgestellt. «Wir wollen die Anwohner sensibilisieren», sagt Peter Meyer. Seit der Zaun im Februar aufgestellt wurde, haben die freiwilligen Helfer ziemlich oft leere Kübel angetroffen. «Bis jetzt haben wir lediglich 17 Tiere eingesammelt, der Grossteil davon Kröten», sagt Marlies Meyer. Abgesehen von einer kurzen Föhnphase Ende Februar sei es für die Amphibienwanderung bislang zu kalt, aber auch zu trocken gewesen.

Gelaicht wird in stillen Wassern

Temporäre Amphibienzäune, wie in Geroldswil einer steht, sind laut dem Biologen Mario Lippuner die gängigste Art, um Amphibien auf ihrer Wanderschaft vor dem Verkehr zu schützen. «Daneben gibt es noch fixe Unterführungen und – wo ein gutes Verkehrsnetz besteht – die zeitweilige Sperrung von Strassen», sagt Lippuner, der im Auftrag des Amtes für Landschaft und Natur die kantonalen Schutzmassnahmen an rund 65 Amphibienzugstellen koordiniert. Jene in Geroldswil gehört dabei zu den kleineren. «Bei der zur Zeit grössten Zugstelle am Rossberg in Winterthur wurden im vergangenen Jahr rund 22 000 Tiere über die Strasse gebracht», sagt Lippuner. In der Regel fänden die Wanderungen hauptsächlich im März statt. Dieses Jahr seien die Tiere wegen des warmen Winters teilweise aber schon im Januar losgezogen. «Wann die Wanderungen beginnen, hängt stark von den Temperaturen und der Feuchtigkeit ab», so Lippuner.

Im Limmattal leben laut dem Biologen vor allem Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche. Die Amphibien hüpfen und kriechen aber nicht etwa zu den Ufern der Limmat, um zu laichen. «Der Laich wird hauptsächlich in stehenden Gewässern abgelegt», erklärt Lippuner. In dieser Hinsicht sei es erfreulich, dass Teile der Limmat in den letzten Jahren renaturiert worden seien. «Alte Seitengewässer des Flusses werden so wiederbelebt und es entstehen neue Stillgewässer», sagt Lippuner. Abgesehen von den Renaturierungen wird der Platz für Amphibien in der Region aber stetig kleiner. «Wegen des Siedlungsdrucks ist der Lebensraum für die Tiere massiv zurückgegangen», so Lippuner. Trotzdem ist er überzeugt, dass die Tiere vor dem starken Verkehr in der Region gut geschützt sind: «Wenn an einer Stelle immer wieder Tiere überfahren werden, wird das normalerweise gemeldet und darauf reagiert.»

Laut Lippuner stellt der Kanton neben jenem in Geroldswil jeweils auch an der Birmensdorferstrasse in Urdorf einen Schutzzaun auf. Daneben setzen sich auch Gemeinden und lokale Naturschutzvereine für eine sichere Wanderung der Amphibien ein. So stellt etwa Weiningen auf Gemeindegebiet gleich mehrere Schutzzäune auf. Uitikon wiederum hat die Urdorferstrasse für den nächtlichen Verkehr seit Anfang März für rund sechs Wochen gesperrt. Und in Bergdietikon erhalten Frösche und Kröten gar persönliches Geleit. Wie die Naturschutzgruppe Bergdietikon auf ihrer Internetseite schreibt, stehen die Mitglieder jeweils mit Lampen an exponierten Stellen und helfen den Tieren über die Strasse.

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