Am 27. Mai 1990 erhielten die Zürcherinnen und Zürcher gleich zwei Geschenke, die sie selbst in den Jahren 1981 und 1988 an der Urne beschlossen hatten: die S-Bahn und den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV).

Zum 25-Jahr-Jubiläum gab es am Bahnhof Stadelhofen einen Geburtstagskuchen, der von Adolf Ogi, dem Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, SBB-Chef Andreas Meyer und von ZVV-Direktor Franz Kagerbauer gemeinsam angeschnitten und verteilt wurde.

Ogi, an der Jubiläumsfeier als "Götti der S-Bahn" bezeichnet, war zusammen mit dem SBB-Chef in einem Sonderzug angereist. Als er 1988 das Eidgenössische Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement, das heutige UVEK, übernommen habe, sei ihm klar gewesen, dass beim öffentlichen Verkehr Handlungsbedarf bestehe, sagte er in seiner Rede. Deshalb habe er diesen Bereich kurzerhand zur Chefsache erklärt.

Für Ogi war damals zweierlei klar: Gotthard- und Lötschbergtunnel müssen gleichzeitig gebaut und die Verkehrskapazität im Raum Zürich muss ausgebaut werden. Für beides sei damals das Zeitfenster offen gewesen. "Das hiess zupacken und eine Finanzierungsmöglichkeit für die Zürcher S-Bahn zu finden. Heute wäre dies kaum mehr möglich, zeigte sich Ogi überzeugt.

S-Bahn ist wie eine Pumpe

Es erfülle ihn mit Stolz zu sehen, was vor 25 Jahren auf die Schiene gestellt worden sei, sagte der ehemalige Verkehrsminister. Die S-Bahn habe den Kanton Zürich verändert. Bauerndörfer und Landstädte seien zu Vororten von Zürich geworden. Die S-Bahn sei wie eine riesige Pumpe: "Sie drückt am Morgen die Leute nach Zürich und am Abend wieder aus der Stadt hinaus."

Viel Lob gab es auch von SBB-Chef Andreas Meyer. Der öffentliche Verkehr in Zürich funktioniere wie ein Uhrwerk. Meyer dankte all jenen, die dieses Uhrwerk in Gang gebracht haben - namentlich seinem Vorvorgänger Hans Eisenring und dem damaligen Zürcher Regierungsrat Hans Künzi. Letzterem werde die SBB 2017 mit der Eröffnung des neuen Aufgangs Europaallee im HB Zürich ein Kunstwerk widmen.

"Wir haben vor 25 Jahren etwa sehr Gutes und Sinnvolles gemacht", stellte der Zürcher Regierungspräsident Ernst Stocker fest. Schon die nackten Zahlen sprächen eine klare Sprache. Allein die S-Bahn befördere heute fast dreimal mehr Menschen als vor 25 Jahren. Alle Verkehrsunternehmen zusammen transportierten 620 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

Bevölkerung steht hinter dem ZVV

Zürich habe mit der S-Bahn, vor allem aber mit dem ZVV, etwa ganz Neues gewagt, das in der Schweiz einzigartig gewesen sei und heute noch sei, zeigte sich der SVP-Regierungsrat überzeugt. Dieser Errungenschaft gelte es Sorge zu tragen. Das System müsse jedoch weiter entwickelt werden, damit die Verkehrsströme auch in Zukunft gemeistert werden könnten.

Die Zürcher Errungenschaft werde von der Bevölkerung und von der Politik seit 25 Jahren getragen, zeigte sich ZVV-Direktor Franz Kagerbauer erfreut. Das sei nicht selbstverständlich, gerade in der heutigen Zeit von knappen Finanzen und einem eher rauhen, auf Konfrontation ausgerichteten politischen Klima.

Weitere Ausbauten stehen an

Wegen der starken Nachfrage, die selbst die optimistischsten Prognosen übertroffen hat, musste das S-Bahn-Angebot in den vergangenen Jahren mehrfach ausgebaut werden. Und dieser Ausbau ist noch längst nicht abgeschlossen.

Der nächste Schritt steht bereits im Dezember an: Dank der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Zudem soll die Pünktlichkeit der Züge verbessert werden.

Auch die andern Verkehrsträger wurden und werden ausgebaut. 2006 ging die erste Etappe der Glattalbahn in Betrieb, 2011 folgte das Tram Zürich-West und 2017 wird die Tramverbindung über die Hardbrücke fertiggestellt sein. Daneben laufen die Planungen für die Limmattalbahn, die vom S-Bahnhof Zürich-Altstetten nach Killwangen-Spreitenbach AG führen soll.

Einer der wichtigsten Gründe für die rasante Entwicklung war der neue Zonentarif des ZVV, der ebenfalls 1990 eingeführt wurde. Statt mehrerer Tickets für Bahn, Tram, Bus oder Schiff reichte ein einziges Billett für alles. Das hat den Zugang zum öffentlichen Verkehr stark vereinfacht. Was damals als Pionierleistung galt, ist heute in allen Verbünden eine Selbstverständlichkeit.