Es gibt angenehmere Situationen, als in luftiger Höhe über einem Festgelände in einem Sitz festgeschnallt zu sein. Zumal man nicht weiss, wann und vor allem wie schnell es wieder runter geht. Immerhin ist man mit dieser Ungewissheit nicht allein.

Dass man 80 Meter über Boden Mitstreiter hat, die ebenfalls auf den freien Fall warten, darauf lässt bei der Ankunft auf dem Urdorfer Festgelände nicht viel schliessen. Der Freefall Tower ist zwar ein Publikumsmagnet an der Chilbi des Urdorffäschts, doch die meisten betrachten ihn lieber aus sicheren Gefilden, statt sich der Herausforderung zu stellen. «Zu hoch, zu schnell», «nicht mit mir», heisst es immer wieder. Ermutigung klingt irgendwie anders.

Auch der Blick zur Kasse hebt die Stimmung nicht. Von einer langen Schlange ist weit und breit nichts zu sehen. Verschiedene Schaulustige versichern aber, dass der Tower schon den ganzen Abend über gut gefüllt war. Also einfach den falschen Zeitpunkt erwischt? Oder hoffen die Leute darauf, wieder einen Ahnungslosen zur Belustigung aller an der Nase herumzuführen?

Eine andere Strategie muss her. Erfahrene Freifall-Abenteurer müssen her. Die Meinungen sind klar. «Einfach geil», «unglaubliches Gefühl». So muss es sein. Die Aussagen bestärken einen, sich doch auf unbekanntes Terrain zu begeben. Die Motivation steigt. Doch halt, der Optimismus wird schnell wieder gedämpft. «Es drückt dir den Magen zusammen», wird einem versichert.

Noch aus sichere Entfernung betrachtet: Der Skyfall am Urdorffäscht

Noch aus sichere Entfernung betrachtet: Der Skyfall am Urdorffäscht

Heisst das, lieber mit leerem Bauch gen Himmel zu fahren, oder doch noch etwas Kleines zu essen. Die Meinungen der Kollegen gehen weit auseinander. «Am besten Bananen zu sich nehmen. Die geben auch noch Kraft.» «Auf gar keinen Fall irgendetwas essen.» Hilfreich ist anders. Nun sind seit dem Mittagessen bereits ein paar Stunden ins Land gegangen. So schlimm kann es nicht werden.

Der Beginn ist tatsächlich gemütlich. Gemächlich geht es in die Höhe. Die Aussicht ist wunderbar. Zweifel am Unterfangen kommen erst wieder auf, als der Nachbar sagt: «So, jetzt sind wir in der Hälfte.» Wie bitte? Die Menschen auf dem Chilbiplatz erscheinen jetzt schon winzig. Und nun soll es also nochmals 40 Meter in die Höhe gehen. Es geht jedenfalls weiter. Wie viele Meter lässt sich nicht abschätzen. Irgendwann verliert man das Gefühl für die Distanzen fast völlig.

Apropos Gefühl. «Dir ist schon bewusst, dass beim freien Fall alle Körperfunktionen ausser Kraft gesetzt werden.» Danke liebe Kollegen, dass einem diese Warnung gerade jetzt wieder in den Sinn kommen muss. Nun gut. Noch funktioniert alles. Dennoch fühlt man sich allmählich wie im Wartezimmer beim Zahnarzt. Zumal sich die Betreiber einen Spass daraus machen, die Fallsüchtigen noch eine ganze Weile in der Höhenluft zappeln zu lassen. Eine gefühlte Ewigkeit verstreicht, aber überhaupt nichts passiert. Die dummen Sprüche vom Hochmut, der vor dem anschliessenden Fall kommt, spuken durch den Kopf.

«Drück endlich diesen verdammten Knopf», will man der Stimme aus dem Lautsprecher entgegenschleudern. Doch hoppla, der Lift setzt sich nochmals in Bewegung. Er holt Anlauf. Und dann, ja dann geht es schnell und fast schmerzlos runter, bis man abrupt gebremst wird. In den wenigen Sekunden zwischen Start und Stopp drückt es einen in den Sitz. Wie der Boden näher kommt, realisiert man kaum.

Jetzt gilts ernst: Kommen Sie mit zum freien Fall

Jetzt gilts ernst: Kommen Sie mit zum freien Fall

Ganz unglücklich ist man nicht, wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben. Und, Gott sei Dank, alles ist noch dran. Selbst der Magen hat keine Kapriolen geschlagen. Einzig die Knie zittern ein wenig, doch ein Bier schafft Abhilfe. Und es lässt sich vortrefflich mit den Schaulustigen plaudern. Ja, es ist hoch, ja es ist schnell, aber nur schauen macht den Braten nicht feiss.