Die Chronologie des Finishs führt als Erstes den Anschlusstreffer zum 3:2 durch Severin Schiegg (75.). Der eingewechselte Hüne erzielte nach einem Eckball eines der wohl billigsten Tore seiner Aktivlaufbahn, als er ungedeckt an den langen Pfosten spazieren konnte und einköpfelte. 

Schiegg erzielt das zweite Tor für  Oetwil-Geroldswil

Schiegg erzielt das zweite Tor für Oetwil-Geroldswil

Es war ein Treffer aus heiterem Himmel, der leidenschaftlichen, aber meistens harmlosen und oft unpräzis spielenden Gäste. In der Folge überbot sich das Birmensdorfer Sturmduo Adnan Mustafi und Aleksandar Petrovic im Auslassen von Torchancen, um mit dem vierten Tor den Sack zuzumachen. 

Mustafi trifft die Latte

Birmensdorfs Mustafi trifft die Latte

 

Anders der Leader: Nach einem Freistoss traf Marco Credaro zum 3:3 (86.). Und zwei Minuten später stellte Schiegg nach einem Solo mit dem Siegtreffer das Geschehen vollends auf den Kopf. 

Das 3:3 durch Credaro

Das 3:3 durch Oetwils Credaro

Stiz bleibt wohl Trainer

Nach dem Schlusspfiff zeigte sich der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften und erlaubte eine Interpretation, wie eine solche Wende möglich war. Auf der einen Seite der FCB, dessen Kader mit enormen Könnern bestückt, aber letztlich eben nur zusammengewürfelt und darob nicht sonderlich solidarisch ist.

Es war Trainer Fabio Stiz, der ein Tor aufhängte, die Trinkflaschen einsammelte und das Wasser aus dem Schwämmen drückte, weil sich die Spieler bereits verdrückt hatten. Trotz des enttäuschenden Matches wird Stiz wohl mindestens bis zum Saisonende auf der Birmensdorfer Breite bleiben.

Vor einigen Wochen hatte er dem Spitzenkampf richtungsweisenden Charakter im Bezug auf seine Zukunft verliehen. Am Sonntag sagte er: «Ich bin nicht sicher, ob es in dieser Situation das beste Zeichen wäre, wenn jemand anders übernehmen würde. Wir können den Aufstieg rechnerisch immer noch schaffen. Ich bin überzeugt, dass Oetwil noch Punkte lässt.»

In seiner Matchanalyse sprach er von «den entscheidenden zehn Prozent», die seine Mannschaft nach dem 3:1 nachgelassen habe. Tatsächlich machte Birmensdorf den Eindruck, den Sieg auf sicher zu haben, nachdem es den frühen Rückstand – Wettstein traf in der 6. Minute – dank Treffer von Petrovic, Mustafi und Franyov gedreht hatte.

Das Glück der Einheit

Es gab aber auch nicht allzu viel, das nach dieser 52. Minute noch für den FCOG gesprochen hat. Das sah selbst Trainer Roger Balmer so. Er war nicht zu stolz zuzugeben, «dass wir selbst überrascht sind, dass es so herausgekommen ist».

Auf der Suche nach einem Grund für die Wende fiel Balmer ein Wort ein: «Moral». Das bedeutet auf seine Equipe gemünzt mehr als den puren Glauben an den Sieg. Es geht um Gemeinsinn, um gegenseitige Unterstützung, auch wenn es spielerisch nicht so läuft, wie es möglich ist.

Das war im Cup gegen Wallisellen anders gewesen, wenige Tage zuvor. Die Limmattaler waren dem Tabellenvierten der 2. Liga überlegen und gewannen nach torlosen 90 Minuten im Penaltyschiessen.

Nach der ersten Saisonniederlage zum Rückrundenstart hatten viele Beobachter das Märchen von Oetwil-Geroldswil zu Ende geglaubt. Zwei Wochen später ist es um zwei denkwürdige Kapitel reicher und wird andauern.