Die Quizfrage an Limmattaler Fussballexperten lautet: Wann fand zum letzten Mal ein 2.-Liga-Derby statt, an dem der FC Dietikon nicht beteiligt war? Die Auflösung finden Sie am Ende dieses Artikels. Es ist jedenfalls schon lange her, als damals Urdorf und Birmensdorf aufeinandertrafen.

In der kommenden Saison ist es erstmals seither wieder so weit: Mit Schlieren und Aufsteiger Birmensdorf sind zwei Vereine in der 2. Liga. Die 1.-Liga-Zugehörigkeit Dietikons einbezogen, erleben wir gerade die erfolgreichste Zeit des regionalen Fussballs überhaupt.

Eine solche Konstellation war bis vor wenigen Jahren undenkbar. Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte das Limmattal nicht mal einen Vertreter in der 2. Liga, ganz zu schweigen von höheren Gefilden. Was haben die Vereine seither anders, besser gemacht?

FCB will neuen Weg gehen

Auffällig ist, dass es in den letzten Jahren nur eine Mannschaft geschafft hat, mit Spielern in die 2. Liga aufzusteigen, die ihre Laufbahn vor allem im eigenen Verein bestritten haben: der FC Urdorf – gleich dreimal (2003, 2007 und 2009). Dietikon, Schlieren und Birmensdorf setzten auf auswärtiges Schaffen und haben damit nachhaltiger gearbeitet, was den reinen Erfolg anbelangt.

Der FCB hat einen ganz neuen Weg für die Zukunft angekündigt: Nach dem – respektive trotz dem – Aufstieg will der Verein vermehrt auf eigene Kräfte setzen, um damit die Verbundenheit zum Dorf zu stärken. Möglich machen soll das der Trainerwechsel von Fabio Stiz zu Goran Gasic. Dass dabei der Abstieg sehenden Auges in Kauf genommen wird, ist eine gute Voraussetzung für eine diskussionsreiche Saison 2015/16 auf der Breite.

Die vergangene Spielzeit war ebenfalls reich an Gesprächsstoff. 2.-Liga-Neuling Schlieren schnupperte gegen Ende der Saison nach acht Siegen in Folge gar am zweiten Tabellenplatz. Dabei war es auf dem Zelgli nicht immer harmonisch zugegangen. Die Einführung einer Siegesprämie ermöglichte einige spektakuläre Transfers, sorgte aber auch für Missgunst unter den Spielern und Unverständnis über die Aufstellung.

Trainer Antonio Caputo war gefordert wie nie zuvor, was in der Ankündigung seines Rücktritts nach Saisonschluss mündete. Der Aufstiegstrainer von 2014 macht jetzt als Sportchef weiter. Sein Nachfolger Davide Molinaro hat den Auftrag erhalten, erfolgreich zu bleiben und dabei den eigenen Nachwuchs nicht zu vergessen.

Er wird kaum ein qualitativ so ausgeglichenes Kader zur Verfügung haben wie Caputo – die Lehren einer zehrenden, aber dennoch begeisternden Saison.

Birmensdorfs ewiger Glaube

Begeisterung ist auch das Stichwort für die vergangenen zwölf Monate in der 3. Liga. Wenigstens auf zwei Mannschaften bezogen: Der FC Oetwil-Geroldswil hatte den ganz grossen Coup vor Augen, erst zehn Jahre nach dem erstmaligen Aufstieg in diese Spielklasse.

Ohne Niederlage überwinterte er als Tabellenführer und bezwang Verfolger Birmensdorf am 14. Spieltag zum zweiten Mal in der Saison. Am Ende hielten die Nerven nicht ganz – ein Punkt fehlte zum Aufstieg. Der FCOG musste sich mit dem bitteren Titel eines «Meister der Herzen» begnügen, weil sich mit Birmensdorf die grössere individuelle Klasse verdient durchgesetzt hat.

Der FCB fand gerade wegen der Niederlage gegen den Leader zu einer Einheit und glaubte immer an seine Chance. Über die nächsten acht Gegner walzte er hinweg. Das Torverhältnis aus jenen Partien lautet 35:10. Erstaunlich dabei: Wegen Verletzungen standen nur noch 14 Feldspieler zur Verfügung. Auch diesen Drahtseilakt hat die Equipe bravourös gemeistert.

Mannschaftlich gesehen ist die Leistung der Oetwiler gleich hoch zu werten, weil das grössere Gefälle im Kader durch Solidarität und taktische Schläue ausgeglichen wurde. 24 Gegentreffer in 22 Matches sind ein Indiz für Disziplin und Ordnung. Wenig fehlte dem – bis auf zwei – aus eigenen Spielern bestehenden Team auch zum Einzug in den Regionalcupfinal.

Die Halbfinalpartie gegen Zweitligist Bassersdorf war eine der besten auf einem Limmattaler Fussballplatz in der ganzen Saison. Nun werden die Werd-Kicker vor einer ganz neuen Herausforderung stehen: Sie sind die ersten Gejagten und müssen zuerst den Schock der grossen vergebenen Chance in diesem Frühsommer verkraften. Gelingt dies, darf man wieder Spektakel erwarten.

Grosse Spiele kriegte man in Urdorf und Oberengstringen indes kaum zu sehen. Beim FCU zeigte sich bald, dass das Saisonziel der Klassenverbleib sein muss. Als es brenzlig wurde, was Punkteausbeute und Personalsituation anbelangte, vertraute Trainer Andi Wiederkehr auf eine Handvoll alter Kämpen aus dem Seniorenteam, was letztlich für die nötige Weichenstellung sorgte.

In der kommenden Saison wird Gianni Musumeci versuchen, das Beste herauszuholen. Spannend ist dabei die Frage, ob die neue Führung den neuen externen Trainer gewähren lässt – mit der möglichen Folge einer identifikationslosen ersten Mannschaft.

Engstringens vorzeitiger Abstieg

An der Verbindung zum Verein wird es der neuen Engstringer Equipe nicht mangeln. Es wird eher die Frage sein, wer für sie spielen wird: Nach dem unvorhergesehenen Abstieg spielen künftig drei (!) Mannschaften des Vereins in der 4. Liga. Das Glück von früher war offensichtlich aufgebraucht: Zweimal seit der Rückkehr in die 3. Liga im Jahr 2010 hatte der Verein von einem Abstiegsplatz weniger profitiert. Die Relegation zum 90-Jahr- Jubiläum ist zwar in ihrer Entstehung eine Tragödie – der FCE lag 21 Spieltage lang nicht auf einem Abstiegsplatz –, aber wohl nur die Vorwegnahme des Szenarios in einem Jahr: Die Abgänge von vier Teamstützen höhlen die Mannschaft qualitativ aus, sie wäre kaum konkurrenzfähig gewesen.

Die bevorstehende Saison 2015/16 dürfte wegen der vielen neuen Rollen respektive Ligazugehörigkeiten der Vereine beschaulicher werden – der Faszination der dynamischen Limmattaler Fussballszene wird dies keinen Abbruch tun.