Fussball

Ein Schlitzohr feiert Jubiläum: 10 Jahre Sorrentino in der Region

Am 28. August 2005 erzielt Giuseppe Sorrentino (in Rot) in seinem ersten Einsatz für den FC Dietikon drei Tore in Freienbach.

Am 28. August 2005 erzielt Giuseppe Sorrentino (in Rot) in seinem ersten Einsatz für den FC Dietikon drei Tore in Freienbach.

Der mittlerweile 35-jährige Kultstürmer will es nochmals wissen. Mit 2.-Liga-Aufsteiger Birmensdorf hat er bei seinem dritten Verein im Limmattal angeheuert. Möglicherweise kommt es am ersten Spieltag am Sonntag zu einer Premiere für «Sorregoal».

La vita è bella. Das Leben ist schön. Das steht auf dem linken Unterarm von Giuseppe Sorrentino. Wenn Sommer herrscht, ist das Leben vermutlich am schönsten für den 35-jährigen, zweifachen Vater. Dann heisst es seit Jahren schon: ab in die Ferien nach Kalabrien mit der Familie.

Vor zehn Jahren war das nicht anders. Allerdings bestand seine Familie damals noch aus weniger Personen: Er selbst steckte in den Hochzeitsvorbereitungen mit seiner Freundin Pamela. Der FC Dietikon musste die ersten zwei Matches der 2.-Liga-Saison auf ihn verzichten.

Nach nur einem Punkt aus jenen Partien drohte der grosse Fehlstart angesichts des Gastspiels beim Meisterschaftsfavoriten Freienbach. Trainer Beat Studer sehnte sich inständig nach dem Debüt des neuen Stürmers, der zuvor eine Liga höher für Inter Club gespielt hatte.

Schliesslich stand Sorrentino untrainiert und nach Feiern in Italien seit zwei Tagen ohne Schlaf auf dem Sportplatz Chrummen zu Freienbach. Und erzielte beim 3:2-Sieg alle Treffer der Limmattaler.

Er lacht auch über sich selbst

Es war die Geburt eines Kultspielers. Eines Schlitzohrs, das überall beliebt war, wo es spielte. Und eines Spielers, der sich erstaunlich lang gegen die deutsche Sprache wehren konnte. Nach vier Jahren in der Schweiz hatte er nur einige wenige Fussballerphrasen in petto («Iisch serr wigtig»).

Beim ersten Interview in dieser Zeitung brauchte es die Dolmetscherkünste von Rosa Iellamo, der Frau von Dietikons Sportchef Pietro Iellamo. Noch heute sorgen seine Kapriolen in der Satzstellung für Lacher bei den Mitspielern. Sorrentinos typische Reaktion: Er lacht einfach mit.

«Er kann mit niemandem Streit haben», beschreibt Pietro Iellamo den herausragenden Wesenszug des Stürmers. Der Grund für den Wechsel zum FCD sei «patriotische Überzeugung» gewesen: Iellamos Familie stammt aus Kalabrien, er ist mit Sorrentinos Schwiegervater bekannt.

Wechsel nach Wettswil

Nach drei Saisons und 47 Toren für Dietikon wechselte Sorrentino 2008 zu 2.-Liga-Konkurrent Wettswil-Bonstetten, wo er bis in die 1. Liga aufstieg, vor allem aber einen sicheren Job erhielt: Der frühere Temporärangestellte einer Reinigungsfirma arbeitet bis heute als Paketpöstler. In Süditalien hatte er einst Koch gelernt. Doch – wie er einmal sagte – sei ihm der Fussball zu wichtig, um wegen der Arbeitszeiten diesen Beruf auszuüben.

Anpassung an die 3. Liga

2012 kam die Rückkehr ins Limmattal. Beim Zweitligisten Schlieren erwartete ihn Beat Studer. Wie schon in Dietikon traf Sorrentino sofort. Doch es stellte sich bald daraufhin heraus: Die Bewegungen waren weniger flüssig als einst, die Hände verflogen schneller, die Penaltysuche war weniger trickreich.

Doch nach einer enttäuschenden ersten Saison hatte sich der Italiener in der 3. Liga zurechtgefunden und feierte seine Auferstehung als «Sorregoal». Insgesamt traf er in drei Spielzeiten 41-mal für die Elf vom Zelgli. In der Aufstiegsspielzeit 2013/14 war er mit 20 Treffern bester Schütze seines Teams und verpasste den zweiten Gewinn der Limmattaler Torjägerwertung knapp. Das war ihm in seiner Debütsaison für Dietikon gelungen.

Das 2:0 von Sorrentino

Das 2:0 von Sorrentino

Erstmals im ersten Spiel?

Dass er nun in Birmensdorf auf Torejagd gehen wird, ist das Verdienst des neuen Trainers Goran Gasic, seinem ehemaligen Konkurrenten im Sturm von Wettswil-Bonstetten, der zum Freund wurde. Gasics Trumpf: Er konnte Sorrentino, der den C-Trainerdiplom-Kurs absolviert hat, eine Position als Assistenztrainer anbieten.

Und er könnte als erster Trainer in die Geschichte eingehen, bei dem Sorrentino im ersten Meisterschaftsspiel nicht ferienhalber fehlt: Der Goalgetter ist gestern aus Italien zurückgekehrt. Gasic sagte am Donnerstag, er wollte kurzfristig entscheiden, ob er ihn einsetze. Er wäre gut beraten, wenn er es täte. In den letzten zehn Jahren hat Sorrentino mehrfach bewiesen, dass er untrainiert besonders stark ist.

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