Was ist damals geschehen, in diesen langen, dunklen Monaten zwischen November 2012 und April 2013? Vor zwei Jahren präsentierte sich die Situation im FC Oetwil-Geroldswil düster. Er hatte eine klägliche Vorrunde gespielt und mit nur acht Zählern so die tiefste Ausbeute seit dem Wiederaufstieg aufzuweisen. Das letzte Spiel des Jahres gegen Schlieren ging nach einer 2:0-Führung noch 2:6 verloren.

Balmers missglückter Start

Pure Ernüchterung, nachdem man im Sommer wegen der Rückkehr eines Idols davon ausgegangen war, dass alles besser wird: Der frühere Führungsspieler Roger Balmer übernahm als Trainer. Er sollte einerseits neue Impulse in die selbstzufriedene Mannschaft bringen und andererseits den Spielern nach oft freudlosen Saisons unter Andrea Roselli wieder den Spass vermitteln. Eine undankbare Aufgabe, die scheinbar scheiterte.

Die Fortsetzung dieser Geschichte ist ein Fussballmärchen. In der Rückrunde 2012/13 gewannen die Limmattaler 19 Punkte und schafften den Klassenverbleib deutlich. Die Saison 2013/14 beschloss der Verein auf dem dritten Platz.

Jetzt ist er Wintermeister, unabhängig des Ausgangs der letzten Partie gegen den ersten Verfolger Morava (Sonntag, 14 Uhr, Juchhof 1). Mit nahezu dem gleichen Kader wie vor zwei Jahren: Acht Spieler aus der Elf vom Fiasko gegen Schlieren werden auch in der laufenden Spielzeit eingesetzt. Darüber hinaus ist mit Nicolas Huxley nur ein einziger Akteur im aktuellen Kader, der nicht über eine lange Vergangenheit oder gar Wurzeln im Verein verfügt.

Aus der Komfortzone

Was also ist geschehen in jenen fünf Monaten im Winter 2012/13? Bekannt war bislang: Roger Balmer vergrub sich in seine Gedanken. Mehrere Wochen hatte er keinen Kontakt zum Team. «Ich habe mich gefragt, ob ich der Richtige bin für diese Aufgabe», sagt er rückblickend. Den Bettel hinzuschmeissen habe er nie erwogen, «dafür ist mein Ehrgeiz zu stark, aus schwierigen Situationen etwas Positives herauszuholen».

In der Rückrundenvorbereitung damals habe er das Team aus dessen «Komfortzone» holen müssen. Wie er das konkret machte, ist nicht in Erfahrung zu bringen, offenbar, weil es keine konkreten Handlungen gab, will man Balmer Glauben schenken. Was sagen andere? Stefan Steuble streicht die Disziplin heraus, die unter Balmer Einzug gehalten habe.

Keine Eishockeyspiele mehr für die Fussballer

Der Offensivspieler war schon 2005 im Kader des FCOG, als der 1982 gegründete Verein zum ersten Mal überhaupt in die 3. Liga aufgestiegen war – mit Captain Roger Balmer. Steuble erzählt von der Zeit, bevor Balmer Trainer wurde: «Früher konnten sich gewisse Spieler erlauben, am Dienstag an das ZSC-Spiel zu gehen, weil sie wussten, dass sie sowieso spielen. Unter Roger gibt es das nicht mehr. Wer am Dienstag ins Hallenstadion geht, wird am Sonntag nicht spielen.»

Auch Vereinspräsident Steven Meier hebt die klare Linie hervor, wenn er an die grössten Veränderungen denkt, seit Balmer im Amt ist. «Er fordert von jedem Leistung ein und bringt die selbst in der Arbeit mit der Mannschaft.» Meier sagte kurz nach seinem Amtsantritt 2010, dass er den Verein in wenigen Jahren in der 2. Liga sieht. Nun, da man diesem Vorhaben am nächsten ist, gibt er sich unverbindlich: «Wir definieren keine Ziele, sondern geniessen die schöne Situation.»

Selbst der Ehrgeizling Balmer setzt hinsichtlich der zweiten Saisonhälfte auf die rhetorische Defensive. «Wir legten vor Beginn dieser Saison fest, mindestens so abzuschneiden wie in der letzten. Daran halten wir fest: Ein dritter Platz wäre gut, alles andere liegt im Dessertbereich.»

Ein Schicksalsschlag bringt das Team zusammen

Typisch für den FCOG ist auch die Einförmigkeit des Teams. Das ist nicht negativ gemeint, sondern belegt das von Balmer so beschworene Kollektiv. Assistenztrainer Andi Wettstein erinnert sich: «Roger hat sechs, sieben Spieler aussortiert, die nicht in das Gefüge passten. Es gab solche, die sich aufspielten – das können wir hier nicht brauchen.»

Für Wettstein war der Winter 2012/13 abseits des Fussballs einschneidend. Er erlitt einen Herzinfarkt, fiel ins Koma und entrann dem Tod knapp. In der Folge musste er viele alltägliche Fertigkeiten neu erlernen. Die Mannschaft nahm Anteil an den bangen Wochen von Wettstein, dessen Sohn Mike seit vielen Jahren zur Mannschaft gehört.

Balmer ist der Überzeugung, dass dieser Schicksalsschlag das Team näher zusammenrücken liess und ein grosser Schritt auf dem Weg zum Erfolg war. Andi Wettstein selbst hat das auch festgestellt. «Ich glaube, die Jungs haben an meinem Beispiel erkannt, dass nichts selbstverständlich ist und dass man hart arbeiten muss, um etwas zu erreichen.»

Der Respekt der Gegner

Neben harter Arbeit erwähnt Stefan Steuble als Gründe für den Erfolg das vielzitierte nötige Glück sowie einen Respekt, den man sich in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut hat. Zum Beleg zieht er die Partie gegen Birmensdorf heran, die der FCOG mit einem Mann weniger noch für sich entschied (2:1). «Dieses Spiel hätten wir früher nie gewonnen», ist Steuble sich sicher.

Und nun: Was wird geschehen, in diesen langen, dunklen Monaten zwischen November 2014 und April 2015? «Diesmal werden wir mit positiven Gedanken durch diese Zeit gehen», sagt Trainer Roger Balmer und lacht.