Arbeitswelten

Wenn in der Pause gebetet statt geraucht wird

Vielerorts haben Firmen einen Raum der Stille eingerichtet.

Vielerorts haben Firmen einen Raum der Stille eingerichtet.

Fasten, Beten, Kopftuch: Angestellte mit muslimischen Glauben fallen in der Schweiz oft noch auf – wie Firmen und Mitarbeiter sich nun näherkommen.

Das Kopftuch, hält eine junge muslimische Frau in einem Internetforum fest, schaffe «halt schon ein paar Barrieren». Eine Arbeitsstelle zu finden, erleichtere das Kopftuch zumindest nicht. Ein Handwerker klagt in einem anderen Forum darüber, dass ihn sein Chef während der Arbeitszeit nicht beten lasse. Dabei störe er doch niemanden und benötige nur etwa fünf Minuten. Die Rauchpausen seiner Arbeitskollegen, schreibt er, seien länger.

Die Gesetzesgrundlage ist klar; in der Schweiz darf niemand wegen seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung diskriminiert werden. Das Arbeitsrecht gewährt aber keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf eine Religionsausübung am Arbeitsplatz und während der Arbeitszeit (für religiöse Feiertage kann ein Angestellter freinehmen – er muss aber die Arbeitszeit nachholen). Das kann – gerade beim Umgang mit Angestellten muslimischen Glaubens – zu Problemen führen.

So kann das Fasten während des Monats Ramadan dazu führen, dass «Tätigkeiten, die eine erhöhte körperliche Belastung mit sich bringen oder hohe Konzentration erfordern, beeinträchtigt werden». Der Rat der Zürcher Imame ist einfach: Muslimische Arbeitnehmer sollten das Gespräch mit ihrem Chef suchen, dieser könnte allenfalls nach Sonnenuntergang (Fastenbrechen) eine kurze Pause erlauben. Und pragmatisch halten sie weiter fest: «Der Islam legt Wert auf eine gute Ausführung der Arbeit.» Sollte sie beeinträchtigt werden, könne auf das Fasten verzichtet werden. «Die Fastentage können später an arbeitsfreien Tagen nachgeholt werden.» Auch bezüglich der fünf täglichen Gebete geben sich die Imame pragmatisch. Meist führe ein Gespräch mit dem Vorgesetzten zu einer einfachen Lösung.

Es finden sich rasch Lösungen

Pragmatisch gibt man sich auch beim Migros-Genossenschaftsbund. «Es bestehen diesbezüglich keine Richtlinien», sagt Mediensprecher Yannick Dolman. Es sei bislang auch kein grosses Thema gewesen. Es werde grundsätzlich die individuelle Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit respektiert. Das handhabt auch die Stadt Zürich so.

Falls Probleme auftauchen, liessen sich die in der Regel auf einfache und pragmatische Art lösen, sagt Patrick Pons, Mediensprecher des Finanzdepartements, dem das Human Resources Management angegliedert ist. «So besteht die Möglichkeit, dass die Pausen anders aufgeteilt und unterteilt werden, um die Gebete zu ermöglichen.» In Schichtarbeitsplänen soll auf Besonderheiten wie Ramadan Rücksicht genommen werden, so Pons. Dies aber nur, wenn es vom Aufwand her verhältnismässig sei und der Betrieb nicht gestört werde. Und in verschiedenen Einrichtungen wie etwa den Stadtspitälern Triemli und Waid gibt es auch einen «Raum der Stille», der Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden aller Religionen und Konfessionen zur Verfügung steht.

Bei verschiedenen (Gross-)Konzernen sind ebenfalls derartige Gebetsräume eingerichtet worden. Bei der UBS gibt es an gewissen Standorten wie etwa an der Zürcher Europaallee einen «multi faith room», wie Unternehmenssprecherin Nicole Kircher sagt. Diese «Zimmer für verschiedene Glaubensrichtungen» seien für Gebete oder auch Meditationen vorgesehen. Zudem gebe es auch weitere, allgemeine Aufenthaltsorte für die Mitarbeitenden. Auch die Credit Suisse zählt verschiedene Angebote auf, damit die Angestellten «ihre beruflichen und persönlichen Verpflichtung bestmöglich miteinander vereinbaren» könnten; dazu gehören «Stillräume für Mütter» genauso wie «Gebetsräume».

Die meisten Konzerne weisen in ihren Stellungnahmen darauf hin, dass die Diversität einer Belegschaft ein grosser Vorteil sei. Die kantonale Fachstelle für Integration spricht davon, dass «die zunehmend globaleren Märkten einen differenzierteren Umgang mit Kunden aus anderen Kulturkreisen verlangt». Die CS will deshalb «Mitarbeitende, die unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen einbringen». (og)

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