Simon Ilic

«In Schlieren bin ich rundum glücklich»

Simo Ilic (36) aus Schlieren.

Simo Ilic (36) aus Schlieren.

Simon Ilic hat als LKW-Fahrer schnell Tritt in der Schweizer Arbeitswelt gefunden. Heute hat er eine Familie mit zwei Kindern und übernimmt einen grossen Teil der Betreuungsarbeit.

Simo Ilic wurde in Bosnien geboren und reiste mit seinen Eltern ein paar Mal in die Schweiz, weil sein Vater hier als Saisonnier Arbeit gefunden hatte. Mit zehn Jahren zog er dauerhaft nach Schlieren, wo seine Familie sesshaft wurde. Obwohl er noch kein Wort Deutsch sprach, wurde Ilic gleich in einer dritten Klasse im roten Schulhaus platziert.

«Es folgte eine sehr harte Zeit, bis ich die Schriftsprache einigermassen im Griff hatte», erinnert sich der heute 36-Jährige. «Von meinen Kolleginnen und Kollegen lernte ich jedoch bald einmal Mundart.» So konnte er nahtlos in die Realschule wechseln und danach eine dreijährige Lehre als Automonteur beginnen.

Die Freude am guten Ausbildungsplatz in der VW-Garage an der Lerzen-strasse in Dietikon wurde jedoch bald einmal durch den Umstand getrübt, dass sein Chef Konkurs anmelden musste. «Man unterbreitete mir das Angebot, in einer Bülacher Garage weiterzumachen», erzähl Ilic. «Aber bei einem Lehrlingslohn von rund 500 Franken war mir Bülach zu weit weg und die Fahrtkosten dorthin zu hoch.» Doch Ilic hatte Glück: Es kam ihm zu Ohren, dass die Migros Herdern noch Chauffeur-Stifte suchte. Mit 21 hatte er die Lehre dort abgeschlossen.

Mit dem LKW durch ganz Europa

Nach erfolgreichem Lehrabschluss belieferte er mit dem LKW für einige Zeit Migros-Filialen mit Gütern. Ilics nächster Arbeitgeber war die Firma Camion-Transporte, für die er mit dem LKW in ganz Europa Waren auslieferte. Während dieser Zeit überlegte er sich, ob es nicht viel spannender wäre, statt Waren Passagiere zu transportieren. Der Überlegung folgte die Bewerbung bei der Firma Albus, welche ihn mit Handkuss nahm und nur ungern ziehen liess.

Aktuell arbeitet der eingebürgerte Schweizer im 80-Prozent-Pensum beim Car-Unternehmen Stern-Transport, einer Firma seines Onkels. Ilic arbeitet Teilzeit, weil seine Ehefrau Olga einen Vollzeit-Job bei einer Bank innehat und er Haushalt und Kinder mitbetreuen muss.

«Ich habe meiner Frau bei der Hochzeit versprochen, dass sie beruflich nicht kürzertreten muss», sagt Ilic. «Meine Mutter und ich schauen zu unseren vier- und achtjährigen Kindern und besorgen den grössten Teil des Haushalts, um Olga zu entlasten.»

Das erste Zuhause des seit 2000 verheirateten Paars war eine schöne Wohnung in Affoltern am Albis, wo man sich eigentlich hätte wohl fühlen müssen. Doch Ilic hatte Heimweh nach Schlieren, nach all den bekannten Orten seiner Kindheit und Jugend und auch nach den dort wohnhaften Menschen. «Ja, es ist so, ich fühle mich mit Schlieren eng verbunden», sagt Ilic, «weil ich an der Feldstrasse aufgewachsen bin und mir einfach alles in Schlieren gefällt. Hier bin ich rundum glücklich. Leider seien jedoch schon viele seiner alten Bekannten gestorben.

Er liebe nicht nur Schlieren, sondern die ganze Schweiz, fährt Ilic fort. «Ich bin immer wieder froh, wenn ich, nach Auslandsreisen mit dem Car, wieder helvetischen Boden befahren darf.» Er reise heute nur noch selten in seine alte Heimat Bosnien, wo immer noch ein Grossvater von ihm lebt. Wenn er einen Herzenswunsch habe, dann diesen: «Ich wünschte mir, dass alle Ausländer sich schnell in der Schweiz integrieren und auch die Art und Weise annehmen, wie hier gelebt wird.»

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