Hedwig Huber, wie sie vor ihrer Eheschliessung hiess, verbrachte ihre ersten sieben Lebensjahre im Zürcher Kreis 5, direkt neben dem Bullinger-Brunnen. Danach zog sie mit ihrer Familie nach Zürich Altstetten, wo sie eingeschult wurde. Nach Abschluss der Oberstufe absolvierte sie die Haushaltschule Pfäffikon und verdiente anschliessend ihr Geld als Arbeiterin im Produktionsbetrieb vom Isolationshersteller Micafil.

«Mein erster Lohn half mit, die schmale Haushaltskasse aufzubessern. Das war früher Sache der Töchter, die ja, nach damaliger Auffassung, sowieso heiraten und den eigenen Haushalt führen würden», erinnert sich die heute 82-Jährige. Als die familiären Finanzen es zuliessen, nahm sie eine zweieinhalbjährige kombinierte Ausbildung im Waschen, Glätten und chemisch Reinigen in Angriff und war, nach erfolgreichem Abschluss, einige Zeit auf ihren Lehrberuf tätig. Mit 25 Jahren wechselte sie in die Gastronomie-Branche, in der auch ihr späterer Ehemann tätig war. Am Arbeitsplatz verliebte sie sich in den Charme ihres Kellner-Kollegen Oswald Höbart. 1964 gingen die Schweizerin und der Österreicher aufs Standesamt. Ein Jahr später erblickte ihr einziger Sohn Siegfried das Licht der Welt.

Herzenswunsch erfüllt

Doch das Glück sollte nicht ewig halten. «Leider war mein Mann nicht besonders fleissig, was dann auch der eigentliche Grund unserer Scheidung war. Ich musste die ganze Familie – zeitweise sogar seine drei Kinder aus erster Ehe – alleine durchbringen. Nach 11 Jahren erfolgte das definitive Ehe-Aus», sagt Höbart. Bis zu ihrer Pensionierung war sie berufstätig. Danach erfüllte sie sich mit dem Kauf von «Irmas Wullestübli» einen Herzenswunsch. Das kleine Häuschen, an der Freiestrasse 7, besitzt 45 Zentimeter dicke Mauern und ist rund 160 Jahre alt. Ursprünglich hat es als Waschhaus gedient und ist später unter anderem als Pferde-Metzgerei genutzt worden.

«Es ist ein Segen für mich, vier Mal in der Woche, von 14 bis 18 Uhr, in mein Lädeli zu dürfen, wo ich allerlei Wolle und Garne feilbiete und meine Kundschaft fachmännisch berate. Auf meine, mit Naturprodukten handgefärbten Seidengarne, bin ich besonders stolz», so Höbart. Zudem sei ihr Geschäft ein beliebter Treffpunkt. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb sie hier so gerne sei.

Leider sei der Umsatz stark rückläufig, was sie Billiganbieter wie Lidl oder Aldi zu «verdanken» habe, klagt Höbart und fügt hinzu, dass man die Qualität jener Produkte nicht mit der von ihr vertriebenen Wolle und Baumwolle vergleichen könne. Ausserdem würde heutzutage wesentlich weniger gestrickt und gehäkelt als vor 20 Jahren. Sie höre zwar von allen Seiten, dass Handarbeiten wieder im Trend sei, aber ein Umsatzplus sei ausgeblieben. Das Geschäft rentiere immer weniger und dass sie es noch halten könne, verdanke sie einzig und allein Lebenspartner Hans, dem die Liegenschaft gehöre.

Seit vielen Jahren dient der Tisch vor dem Häuschen als Drehscheibe für Waren aus zweiter Hand, die einem neuen Leben zugeführt werden sollen. «Man muss nicht alles wegwerfen, was man selbst nicht mehr gebrauchen kann, denn meist findet sich schnell ein neuer Besitzer», sagt Höbart. Ihre Freude über die Weiterverwertung gebrauchter Sachen werde jedoch dadurch getrübt, dass hier immer wieder Hundekot oder elektronischer Schrott abgeladen werde. «Ich überlege mir, diesen Tisch wegen der Vermüllung abzureissen, was ich traurig fände».