Als der Schlusspfiff ertönt, bricht im St. Jakob-Park das grosse Staunen aus. Ausser natürlich bei den rund 100 mitgereisten Fans aus Lissabon, die ausgelassen mit den Belenenses-Profis feiern. Auch sie haben im Vorfeld nicht für möglich gehalten, was um 20.55 Uhr Tatsache wird: 2:1 für die Portugiesen – zum ersten Mal in ihrer Klubgeschichte gewinnen sie ein Spiel in einer Europacup-Gruppenphase. Trainer Sa Pinto euphorisiert: «Das war perfekt, das war das beste Spiel in dieser Saison.»

Zurück bleibt ein konsternierter, ein geohrfeigter FC Basel. Es war einer der schwächsten Auftritte der jüngeren Klubgeschichte – vergleichbar mit der Blamage am 24. August 2006, als Rot-Blau in der Uefa-Cup-Qualifikation in Vaduz antrat und 1:2 verlor.

Die Niederlage ist verkraftbar

Es ist bei aller Enttäuschung aber auch eine verkraftbare Niederlage – weil Fiorentina gegen Lech Posen verloren hat, führt der FCB die Tabelle der Gruppe I weiterhin an. So ist es eine andere Frage, die dem Publikum, die der ganzen Fussballschweiz nach dem Schlusspfiff unter den Nägeln brennt: Wie geht es Breel Embolo?

Es passiert in der 55. Minute. Embolo, bis dahin der beste Basler, streckt sein rechtes Bein aus, um den Ball zu erreichen. Dabei kommt er mit den Zehenspitzen am Boden auf und verdreht sich das Knie. Er steht auf, macht ein paar Schritte, kapituliert dann aber und geht zu Boden. Sofort eilen der Physiotherapeut und der Arzt zu Embolo, der sich windet vor Schmerzen.

Als er am Spielfeldrand weiter untersucht wird, hört man den 18-Jährigen sogar schreien. An Gehen ist nicht zu denken. Embolo wird mit der Barre in die Kabine getragen, verabschiedet mit Applaus und Sprechchören von den FCB-Fans. Auch seine Teamkollegen wünschen ihm gute Besserung.

Keine Entwarnung nach dem Spiel

Besonders bitter: In jeder Partie wird Embolo von seinen Gegenspielern hart angegangen, abgesehen von ein paar blauen Flecken ist er jedes Mal unversehrt davongekommen. Nun ist es eine Szene ohne Fremdeinwirkung, die das Basler Wunderkind womöglich zur ersten langen Verletzungspause zwingt.

Denn FCB-Trainer Urs Fischer kann nach der Partie keine Entwarnung geben. Er sagt: «Der Doktor meint, auf den ersten Blick glaube er nicht an eine Bänderverletzung. Was aber noch nichts heisst: Wir müssen die Nacht abwarten.» Embolo geht nach dem Spiel nach Hause, heute Vormittag wird sein Knie von der medizinischen Abteilung ausführlich untersucht. Danach will der FCB kommunizieren. Nach den Eindrücken von gestern wären eine rasche Genesung und somit der Einsatz Embolos am Sonntag im Spitzenspiel gegen die Young Boys sehr überraschend; zu befürchten ist, dass der Stürmer wochenlang ausfällt.

Nach dem 1:0 geht beim FCB nichts mehr

Zurück zum Spiel: Der FCB beginnt wie erwartet mit viel Ballbesitz, die Gäste rennen nur hinterher. Der erste Schuss geht knapp daneben, der zweite ist leichte Beute, der dritte eine grosse Prüfung für Belenenses-Goalie Ventura, der vierte findet den Weg ins Tor: Michael Lang trifft nach einem Delgado-Eckball (15.). Ein lockerer Abend also für Rot-Blau? Denkste. Nach dem 1:0 stellt Fischers Mannschaft den Spielbetrieb ein.

Oder wie der Trainer sagt: «Wenn man nicht mehr laufen und kämpfen will, braucht man sich nicht wundern, wenn man verliert.» Die 30 Minuten bis zur Pause sind das Schlechteste seit Fischers Amtsübernahme im Juni. Die Folge: Belenenses, der krasse Aussenseiter, dessen Trainer im Vorfeld als Ziel ausgerufen hat, Spass zu haben, führt zur Pause 2:1.

Beim Ausgleich sieht Vaclik-Stellvertreter Vailati schlecht aus, beim 2:1 wird der FCB ausgekontert: im eigenen Stadion, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Unverständlich. Fischer warnte noch vor der Konterstärke der Portugiesen. Nach der Pause sind ein Lattenschuss von Xhaka und eine Zuffi-Chance die einzigen gefährlichen Aktionen. Erstaunlich.

Lesen Sie den Spielverlauf im Live-Ticker nach:

ScribbleLive FC Basel - Belenenses 22.10

Basel - Belenenses Lissabon 1:2 (1:2)

17'275 Zuschauer. - SR Evans (Wales). - Tore: 15. Lang 1:0. 27. Leal 1:1. 45. Kuca 1:2.

Basel: Vailati; Lang, Suchy, Samuel, Safari; Xhaka, Kuzmanovic (77. Ajeti); Embolo (58. Bjarnason), Delgado (67. Zuffi), Gashi; Janko.

Belenenses: Ventura; João Amorim, João Afonso, Brandão, Filipe Ferreira; Fábio Sturgeon, Ruben Pinto, André Sousa (84. Ricardo Dias), Kuca; Leal (87. Tiago Caeiro), Tiago Silva (93. Gonçalo Silva).

Bemerkungen: FCB ohne Boëtius, Degen, Hoegh, Vaclik, Traoré (alle verletzt), Aliji (nicht spielberechtigt), Ivanov (nicht im Aufgebot). 58. Embolo mit Knieverletzung ausgeschieden. 65. Tor von Delgado wegen Offside-Position annulliert. - Verwarnungen: 34. Filipe Ferreira, 73. Suchy (beide Foul), 87. Leal (Unsportlichkeit), 90. Tiago Caeiro (Foul), 91. Ricardo Dias (Unsportlichkeit).