Frau Badenhorst, geniessen Sie die Weihnachtszeit?

Bettina Badenhorst: Ja, unbedingt. Unsere Kirche könnte nicht schöner geschmückt sein. Sie ist einfach heimelig und eine der schönsten im Baselbiet.

Wie üblich in den vergangenen Jahren an Heiligabend feiern Sie auch heute um 17 Uhr Gottesdienst. Wie?

Ich nenne das Christvesper. Das kenne ich von Zuhause. Es ist die Zeit der Vesper, dann feiern wir Gottesdienst mit Orgelspiel, Gesang – und das Krippenspiel steht im Mittelpunkt der Verkündigung. Ich halte eine kurze Predigt, die sich aufs Spiel bezieht.

Ein Gottesdienst für die Augen.

Ja, natürlich. Für die Eltern ist es schön, wenn die eigenen Kinder mitspielen vor den Leuten. Die Viert- und Fünftklässler sind sehr eifrig. Sie führen die Weihnachtsgeschichte auf – fürs Auge und fürs Ohr. Zwischendurch wird gesungen, die Schüler spielen auch auf ihren Instrumenten. In den vorigen Jahren hatten wir immer ältere Jugendliche, die Präparanden.

Haben Sie als Kind Weihnachten ähnlich erlebt?

Ich bin so aufgewachsen. Ich war im Krippenspiel öfters Maria oder ein Kind, mal spielte ich einen brummigen Hirten. Engel war ich, soweit ich mich erinnern kann, nie. Durch das Spielen der Weihnachtsgeschichte nähern wir uns jedes Jahr neu dem Geschehen der Heiligen Nacht.

Haben Sie früher an Heiligabend je einen Mitternachtsgottesdienst gehalten?

Nein. In Wolgast im Nordosten Deutschlands, der Ort meiner ersten Anstellung – das war zwischen 2001 und 2005 –, gab es jeweils einen Gottesdienst um 15 Uhr, einen um 17 Uhr, und dann kam noch der Spätgottesdienst um 23 Uhr. Diesen gestaltete immer mein Kollege. Ich war als Gast dort.

Sie können den Abend der Heiligen Nacht also für Ihre Familie reservieren. Was tun Sie gegen Mitternacht?

Bis dann läuft natürlich eine Menge. Dann bin ich einfach k.o. Um 23 oder 24 Uhr bin ich wahrscheinlich schon im Bett, denn ich habe am folgenden Morgen wieder Gottesdienst.

Aber nicht so früh, oder?

Um 9.45 Uhr, mit Abendmahl.

Die Predigt für den Weihnachtstag haben Sie schon früher vorbereitet.

Ja. Ganz zu Beginn meiner Tätigkeit als Pfarrerin war es noch ganz aufregend. Auch heute noch steigt der Adrenalinspiegel, aber das stört mich nicht. In den vergangenen Jahren habe ich die Predigt für den Weihnachtsmorgen immer einige Tage zuvor fertig geschrieben. Irgendwann müssen auch wir als Familie Weihnachtseinkäufe machen. Früher schaffen wir das nicht. Kurz vor Weihnachten ist Generalprobe des Krippenspiels, und der Baum unserer Familie will geschmückt sein. Am Heiligabend muss alles fertig sein, da möchte ich Stress vermeiden.

Was tun Sie bis zum Gottesdienst um 17 Uhr?

Ich besuche am 24. Dezember schon seit Jahren ein Geburtstagskind, einen älteren Herrn. Das lasse ich mir nicht nehmen. Für diesen Herrn ist das sicher auch etwas Besonderes, wenn an Heiligabend die Pfarrerin kommt. Er freut sich immer, seine Frau auch. Für mich gehört das inzwischen einfach dazu.

Was bedeutet Ihnen die Advents- und Weihnachtszeit?

Es ist für mich eine Zeit, in der ich mich langsam darauf vorbereite, dass bald Heiligabend ist. Auch ich will mich jedes Jahr neu erinnern: Gott ist in unsere Welt gekommen. Auch wenn es bei uns nicht immer so heilig einhergeht und es recht finster sein kann. Doch mit jeder Adventskerze wird es heller, weil man immer dichter an die Heilige Nacht kommt. Das ist das Gefühl. Die Praxis sieht natürlich anders aus – interessanter als die Theorie. Das bedeutet, dass ich schon einen Monat vorher, Ende November, die Weihnachtsartikel für die Zeitungen geschrieben haben muss. Ich bin gedanklich schon lange vorher unterwegs. Das Krippenspiel will ausgesucht werden, weil schon im November die Proben beginnen. Und irgendwann kauft auch die Frau Pfarrer Tannengrün, fertigt einen Adventskranz und besorgt die roten Kerzen. Sie sehen: Es ist viel zu tun. Ich hätte auch gerne noch dies oder jenes. Aber peu à peu, Schritt für Schritt.

Sie sind extrem gefordert als Pfarrperson. Wie schaffen Sie es in dieser Zeit, dass Sie auch als Familienfrau und Mutter von drei Kindern funktionieren?

Gut organisieren und effizient arbeiten. Ich schreibe meine Predigten nicht abends oder nachts, sondern am Vormittag. Dann kann ich doppelt so schnell denken und schreiben. Ich habe einen Predigttext, mit dem ich im Prinzip schwanger gehe. Die Ideen fliegen einem letztlich zu: In Gesprächen, während der Hausarbeit oder unterwegs, wenn ich Leute treffe. Danach setzte ich mich an den Schreibtisch, lege den Ablauf fest, suche Lieder aus und weiss, unter welchem Leitfaden der Gottesdienst stehen soll. Dann lass ich es wieder. Denn es muss arbeiten, muss reifen. Das können sicher Leute bestätigen, die Texte schreiben müssen.

Es findet ein Prozess statt.

Genau. Man muss die Gedanken hin und her bewegen. Das ist einerseits wie eine Geburtsanstrengung, bis das Baby mal da ist. Andererseits spüre ich die Erleichterung, wenn alles fertig ist. Die Arbeit bis dahin ist eine kreative, was die theologische Arbeit eigentlich auch ist. Aus alten Worten aus der Bibel – manchmal verständlicher, manchmal weniger verständlich – herauszufinden: Was hat das mit uns zu tun? Was soll das? Manchmal muss ich länger überlegen und mich herantasten. In der Predigt muss ich konkreter werden, runterbrechen und aufbrechen können, das Wort muss anfangen zu blühen, zu duften. Ich verwende gerne Bilder dafür. Selbst eine Fernsehwerbung, ein Slogan, manchmal eine unschöne Begegnung, vieles kann Anstoss zu einer Predigt sein.

Haben Sie vor dem Gottesdienst jeweils Lampenfieber?

Nein. Vielmehr Vorfreude. Ich bereite mich stets gut vor. Mein Teil muss hundertprozentig sitzen, damit ich auch die Kraft habe, mich den Leuten zuzuwenden. Ich muss sozusagen Oberwasser haben für meinen Part; und das kann ich nur, wenn ich es ordentlich vorbereitet habe. Vieles ist Übungssache und Routine, letztlich ein Handwerk. Und das macht mir Spass!