Anfang März im Dorfkern von Nänikon ZH. Schwer hängt der Nebel über den Dächern der knapp 2000 Einwohner zählenden Gemeinde an der Stadtgrenze zu Uster. Eisig pfeift die Bise über den nahe gelegenen Greifensee. Graupelschauer runden das garstige Hudelwetter ab. Tanja Schindler nimmts gelassen und deutet auf das Raumthermometer. In der Ökowohnbox sind angenehme 21 Grad. Sie sagt: «Obwohl die Energieversorgung meiner Ökowohnbox völlig unabhängig ist und ich sowohl Wärme als auch Strom ausschliesslich selber produziere, habe ich in den vergangenen gut drei Jahren nur zweimal einen Energieengpass gehabt.» Kurz nach dem Einzug hätten die Photovoltaikmodule auf der Südfassade nach einer Woche Dauernebel nicht mehr genügend Strom produziert und darum sei der Stromspeicher langsam leer geworden. «Doch nachdem ich gemerkt habe, dass ich dann einfach den Kühlschrank abstellen und das Laptop vom Netz nehmen muss, habe ich auch bei extremen Wetterlagen zumindest immer genügend Strom für die LED-Beleuchtung und die Lüftung.» Und für Heizwärme und Warmwasser sei sowieso immer gesorgt, so die Baubiologin. Wie das? Das Warmwasser stammt aus den Solarpanels auf dem Dach, gekocht wird mit Flüssiggas aus der Flasche und für die Wärme sorgt ein effizienter Stückholzofen, der in einer Stampflehmwand-Nische eingebettet ist. «Dadurch wird mit wenig Verbrennungsenergie behagliche Strahlungswärme erzeugt.» Zusätzlich wurde im Badezimmer eine Lehmbauplatte mit Wandheizung eingebaut. Angenehmer Nebeneffekt: Dank der ökologisch-baubiologischen Bauweise herrscht in der Wohnung immer eine angenehme Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent.

Grossen Wert legt Tanja Schindler selbstverständlich auch auf die ökologische, raumeffiziente und baubiologische Gestaltung des Innenraums der Wohnbox. Möbel, Fensterrahmen und Boden sind aus weiss geölter, massiver Eiche. Für Schubladen wurden weiss gestrichene Fichtenhölzer eingesetzt, für die textilen Elemente wurden haptisch angenehme und natürliche Materialien wie Filz, Leinen oder Baumwolle ausgewählt. Ein Hingucker der ganz besonderen Art ist das Bad mit Waschbecken und Dusch in Vollholz aus geölter Räuchereiche. 

So weit, so gut. Doch Hand aufs Herz: Vermissen Sie keinen Luxus in Ihrer Ökowohnbox? Tanja Schindler muss nicht lange überlegen: «Doch, einen Backofen! Aber seit ich in meinem Kugelgrill auch Flammkuchen, Brot und Wähe backen kann, hat dieser Leidensdruck massiv nachgelassen.» Nicht wegdiskutieren könne man hingegen, dass die Wohnbox als Ein-Personal-Lebensraum konzipiert sei: «Auf die Länge zu zweit auf so kleinem Raum zu leben, geht tatsächlich kaum. Und auch wenn meine 18-jährige Tochter oder mein 16-jähriger Sohn zu Besuch sind, wird der Platz knapp. Sie finden die Wohnbox zwar mega cool, doch länger hier wohnen möchten sie dann doch lieber nicht...»