Unternehmen, die sich nicht mit dieser Entwicklung beschäftigt haben, sind in den letzten Jahren entweder komplett aus dem Geschäft verdrängt worden oder spüren die neue Konkurrenz massiv durch Umsatzeinbussen. Das heisst: Die digitale Transformation ist für die meisten Unternehmen ein unausweichlicher Prozess, um auf die rasanten Marktveränderungen reagieren und letztlich überleben zu können. Sie tangiert jeden Aspekt eines Unternehmens: von der Strategie und dem Geschäftsmodell über die Prozesse bis zu den Jobfunktionen. Insbesondere werden die Mitarbeiter gefordert und müssen auf die Veränderungen agil reagieren. Zudem verändert die digitale Transformation die Kerneigenschaften des Arbeitsmarktes. So ist es oft nicht einfach, die richtigen Talente und Mitarbeiter für das «neu erfundene» Unternehmen zu finden.

Der Einfluss neuer Technologien

Neue digitale Technologien beeinflussen diese Entwicklung stark. So überwacht zum Beispiel das «Internet der Dinge» physische Vorgänge mittels Sensorik. Dies ermöglicht, schneller auf Unregelmässigkeiten zu reagieren und Prozesse zu automatisieren. Maschinen wie Traktoren, Lifte oder Windturbinen werden uns beispielsweise eigenständig auf Probleme hinweisen, bevor sich diese effektiv einstellen. Das System wird die Wartungsplanung automatisch koordinieren und den Servicemitarbeiter informieren, welche Wartung ansteht und welche Ersatzteile benötigt werden. Prägend ist auch die Einführung von kollaborativen Robotern, sogenannten Cobots, die leichter, sicherer und flexibler als frühere Robotergenerationen sind. Diese neuen Helfer werden immer mehr Aufgaben von Menschen übernehmen. Dabei handelt es sich vor allem um repetitive, körperlich anstrengende oder gefährliche Tätigkeiten. So können Cobots einen Patienten vom Bett in den Rollstuhl bewegen, eine Schraube exakt und mit dem perfekten Druck in eine Wand schrauben oder Dokumente von einem Büro ins andere bringen.

Inzwischen gibt es auch virtuelle Roboter. Sie heissen Bots und können selbstständig agieren und komplexe Prozesse automatisiert ausführen. Wenn eine Interaktion mit dem Menschen nötig ist, erfolgt die Kommunikation idealerweise über tragbare Tools wie Datenbrillen. Darüber hinaus ermöglicht das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, dass Mitarbeiter nicht mehr aufwendig auf neue Prozesse, Maschinen oder Produkte geschult werden müssen, sondern mithilfe der Technologien das Notwendige direkt während der Ausübung ihrer Tätigkeit lernen können – im Sinn von Learning by Doing. In dieser Symbiose arbeitet der Mensch vermehrt als Problemlöser und bekommt die notwendigen Informationen und Instruktionen von der Maschine. Er kann seine Arbeit effizienter verrichten und sich vermehrt auf wirklich wertschöpfende Aktivitäten konzentrieren. Die Maschinen werden den Menschen aber nicht ersetzen, sondern vielmehr unterstützen. So hat Accenture 2015 über 10 000 Tätigkeiten automatisiert, ohne in den entsprechenden Bereichen einen Mitarbeiter zu entlassen.

Den Fokus auf die natürlichen Talente und Stärken setzen

Bisher hat man versucht, die Schwächen von Mitarbeitern in Stärken zu wandeln. Heute realisiert man, dass es viel sinnvoller ist, wenn sich die Mitarbeiter auf ihre natürlichen Talente
und Stärken fokussieren. Wie kommt man diesen auf die Spur? Wenn die Berufserfahrung nicht ausreicht, um die Stärken zu erkennen, besinnt man sich am besten auf die Tätigkeiten, die man in seiner Freizeit gerne ausübt. Sich auf das Positive zu konzentrieren, gibt dem Menschen Sicherheit und hilft ihm, erfolgreich und effizient zu agieren. Unternehmen sollten deshalb versuchen, ihre Mitarbeiter mit Weiter- und Ausbildungen zu unterstützen, um ihre Stärken zu identifizieren und zu entwickeln.

«Liquid Workforce» wird unsere Arbeitsweise beeinflussen

In einer von Accenture veröffentlichten «Technology Vision» rangiert eine stark ausgeprägte Spezialisierung nur noch an fünfter Stelle unter den wichtigsten Eigenschaften, über die ein Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt verfügen sollte. Fähigkeiten wie schnell lernen, mehrere Aktivitäten gleichzeitig ausüben und auf Veränderungen reagieren zu können werden als wichtiger eingestuft. Ein Unternehmen, das schneller auf Veränderungen im Markt reagieren möchte, wird nebst den flexiblen Mitarbeitern auch auf eine agile Unternehmensorganisation setzen müssen. Die Strukturen sollten flach und projektorientiert sein und die Hierarchien,
wo immer möglich, abgeschafft werden. Starre Prozesse und Strukturen gehören der Vergangenheit an. Demzufolge wird erwartet, dass bis in fünf Jahren bereits die Hälfte der Mitarbeiter den Unternehmen als selbstständige Dienstleister zuarbeiten wird. Die Personalabteilungen werden sich dementsprechend Pools von selbstständigen Mitarbeitern und Experten aufbauen, um jederzeit schnell auf eine breite Palette an Expertise und Fähigkeiten zugreifen zu können. Der aktuelle Boom von Plattformen, die selbstständige Unternehmer vermitteln, bestätigt diesen Trend. Dies bringt nicht nur den Unternehmen eine enorme Flexibilität, sondern eröffnet auch dem Menschen die Chance, sein Arbeitsleben selber zu gestalten. Wie, wann und wo gearbeitet wird, obliegt dem Mitarbeiter, solange er seine Aufgaben termingerecht und in der erwarteten Qualität erledigt. Eine solche Flexibilität kann einen positiven Einfluss auf die Work-Life-Balance haben und die Lebensqualität deutlich verbessern.

Die nächste Generation steht schon bereit

Die ersten Millenials, also nach dem Jahr 2000 Geborenen, sind nun in die Arbeitswelt gestartet. Diese neue Mitarbeitergeneration ist mit den neuen Technologien aufgewachsen und kennt keine Welt ohne iPhone, Google und Facebook. Dadurch ist sie neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen und gewohnt, mit schnellen Erneuerungen und Veränderungen umzugehen. Durch den Einsatz von digitalen Technologien werden Unternehmen vermehrt in der Lage sein, ein dynamisches Arbeitsumfeld für diese und auch ältere Generationen zu schaffen und attraktiv zu gestalten.