Wenn Bauernfamilien Kulturgut pflegen

2018 feierte die Schweiz das Jahr des Kulturerbes. Auch Bauernfamilien pflegen auf vielfältige Art und Weise Schweizer Kulturgut. Darauf verweist bereits die Etymologie des Wortes Kultur. «Es kommt vom lateinischen <cultura>, was so viel heisst wie Anbauung, Bebauung, Feldbestellung, Landwirtschaft», so Lisa Vogt Altermatt vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Die Kulturgutpflege erfolgt bei Bauernfamilien oft unbewusst. Sie ist zum einen durch die Lebensform gegeben: «Indem Landwirtschaftsbetriebe von Generation zu Generation weitergegeben werden, die Familien an einem Ort verwurzelt sind, bleiben Flurnamen, sprachliche Besonderheiten und das Wissen um kulinarische regionale Spezialitäten erhalten.»

Zum anderen ist die Kulturpflege im Arbeitsalltag integriert: «Durch die Bewirtschaftung des Bodens, sei dies eine Hochstammobstplantage oder ein traditioneller Bauerngarten, gestalten die Bäuerinnen und Bauern regionaltypische Landschaftsbilder - ein wesentlicher Teil des Kulturgutes.» Gleichzeitig würden dabei regionale, zu unserer Lebenskultur passende Nahrungsmittel produziert. «Leben und arbeiten, umgesetzt mit modernen Hilfsmitteln und Technologien, wobei die Launen der Natur und der natürliche Rhythmus bestimmend bleiben - vom Säen bis zum Ernten, von der Geburt der Tiere bis zum Schlachten. Das ist Kulturgut pur!

Wenn Jahrringe das Alter verraten

«Das typische Aargauer Bauernhaus gibt es nicht», so Reto Nussbaumer, Kantonaler Denkmalpfleger. Der Grund: Der Kanton Aargau wurde erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen. Im aargauischen Mittelland war die Tradition der strohgedeckten Holzhäuser während einer ausgesprochen langen Zeitspanne, vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert, lebendig. «Die Hochstudhäuser sind dann auch die Klassiker des Aargauer Bauernhauses.» Neben den steilen, abgewalmten Strohdachhäusern gehören Tätschdachhäuser zu den ältesten Formen Aargauer Bauernhäuser. Die schwach geneigten Schindeldachhäuser waren im Freiamt verbreitet, wo auch das bisher älteste bekannte Aargauer Bauernhaus steht. Reto Nussbaumer: «Es ist auf das Jahr 1469 datiert. Das Baujahr konnten wir anhand der Jahrringe ermitteln. Früher wurde im Herbst geholzt und im darauffolgenden Frühling gebaut.»

Strohdachhaus In Kölliken

Strohdachhaus In Kölliken

Interessierte können das Ortsmuseum Oftringen oder das Dorfmuseum im Strohdachhaus Kölliken, beides original restaurierte Aargauer Hochstudhäuser, besuchen und anhand von Werkzeugen, Filmen und Fotos erfahren, wie die ländliche Bevölkerung früher gearbeitet, gewohnt und gelebt hat.

Mehr Informationen unter www.museum-oftringen.ch und www.koelliken.ch

Wenn Landwirtschaftsbetriebe neue Wege gehen 

Jeden Tag verschwinden in der Schweiz vier Bauernhöfe. Was tun gegen dieses offenbar unaufhaltsame Hofsterben? Produkte direkt ab Hof an die Konsumenten anstatt über Grossverteiler zu verkaufen, lautet eine Strategie. Beispielsweise mit Hofläden, wie es Familie Umbricht in Untersiggenthal tut. Wein & Gemüse Umbricht ist ein Familienbetrieb in der vierten Generation. Unter der Leitung von Pirmin und Fredy Umbricht entstehen auserlesene Weine und hochwertiges Gemüse, die es im Hofladen neben weiteren Produkten aus der Region - Holzofenbrot, Mehl, Müesli, Honig, Sirup und Fleisch - zu kaufen gibt. Daneben liegen Gemüse-Abos im Trend: Direkt vom Bauern vor die Haustür geliefert. «Frisch! Saisonal! Klimaneutral!» heisst es bei Mahler & Co. Seit 1963 betreibt die Familie einen Biobetrieb in Mägenwil und bietet in ihrem Online-Shop auch eine Bio-Box im Abo an. Die Kunden erhalten einmal pro Woche eine Kiste voller bunt gemischter Gemüse- und Früchtesorten. Dabei liefern die Produzenten - allesamt Biobauern aus der Region - am Dienstagmorgen an, am Mittag wird verpackt und am Abend zur Post gebracht.

Hofläden in Ihrer Region finden Sie unter www.schweizerbauer.ch.
Die Bio-Box für kleine und grosse Haushalte gibt es ab 35 Franken bei mahlerundco.ch zu bestellen.

Wenn der Stall zur Theaterbühne wird

Von Mai bis September geht das hof-theater.ch jeweils auf Bauernhof-Tournee. Für einen Abend verwandeln sich dabei Stall, Scheune oder Heuboden in ein Theater. In diesem Jahr steht die musikalische Komödie «Auf die Alp ziehen» auf dem Programm. Die Story: Eine erfolgreiche Musicaldarstellerin hat die Nase voll von ihrem hysterischen Manager, der Presse und ihrem Ehemann. Sie sucht Zuflucht in der heilen Bergwelt. Doch statt im erwarteten 5-Sterne-Wellnesshotel landet die Diva auf dem Bauernhof eines Jungbauern, der sie fürsorglichen in der Kammer seiner verstorbenen Mutter einquartiert. Trotz anfänglicher atmosphärischer Störungen kommen sich die Stadtdame und der Naturbursche bei frischer Bergluft und loderndem Alpenglühen näher. Doch plötzlich tauchen unterwünschte Gäste auf und die Lawine kommt ins Rollen. Neben dem humorvoll musikalischen Schmaus ist auch für den kulinarischen Genuss gesorgt: Die Gastgeber-Familien servieren Speis und Trank aus Eigenproduktion.

Hier erfahren Sie wann und wo das hof-theater.ch halt macht.

Wenn Bäuerinnen und Bauern ihre Türe öffnen

Wie viele Eier legt ein Huhn pro Woche, was heisst Mutterkuhhaltung und wie lauten die Zutaten für Kirschsenf? Zwar achten Herr und Frau Schweizer immer mehr auf Herkunft und Herstellung von Lebensmitteln, doch die Nahrungsmittelproduktion kennen sie immer weniger aus eigener Erfahrung. Wer einen Einblick in den Alltag eines Bauernbetriebes gewinnen möchte, kann dies bei einer Stallvisite tun. Schweizweit bieten über 300 Stallvisite-Betriebe Besuchern die Möglichkeit, das Zuhause von Huhn, Kuh und Co. näher kennen zu lernen. Auch Familie Schmid auf dem Erlenhof in Wittnau gehört dazu. Mit viel Liebe und Sorgfalt betreiben die Schmids nach den Richtlinien der integrierten Produktion Mutterkuhhaltung, Obst-, Wein- und Getreidebau. Wer haut nah erfahren möchten, aus welchen Zutaten Kirschsenf oder Kirschtöpfchen hergestellt werden, dem sei ein Besuch im Kirschmonat Juli empfohlen. Zudem ein Tipp: Der Hof ist an die Genussstrasse des Juraparks Aargau angeschlossen. Warum nicht Erlebnis und Gaumenfreuden mit einer erholsamen Radreise verbinden und in schönster Landschaft entlang der Genussstrasse innovative Produzenten, Weinbau- und Gastrobetriebe sowie Spezialitäten-Dorfläden besuchen?

Jurapark Aargau

Jurapark Aargau

Offene Hoftüren in Ihrer Nähe finden Sie unter www.stallvisite.ch und mehr Informationen zur Genussstrasse unter www.jurapark-aargau.ch.

Wenn der Bauernhof ein Schlossgut ist

Ein Nutz- und Lustgarten, Rosengarten, Reben, Lindenterrasse, Waldungen, Gutshof und Gasthaus: Imposant und majestätisch überragt das Schloss Wildegg die umgebende Landschaft und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise zurück ins 15. Jahrhundert. Damals kaufte der aargauische Landadlige Kaspar Effinger die Schlossdomäne und machte sie für die kommende elf Generationen zum Familiensitz. Deren private Lebenswelten erschliessen sich den Besucherinnen und Besuchern beim Rundgang durch 33 Wohn- und Arbeitsräume, die beinahe komplett erhalten sind. Traurige, romantische und schöne Lebensgeschichten der Familie erwachen zu neuem Leben. Daneben lädt der 3300 m2 grosse Nutz- und Lustgarten zum Flanieren, Riechen und Staunen und das von Silvia und Alois Huber bewirtschaftete Bauerngut zum Entdecken und Erleben ein. Die offen gebauten Stallungen lassen den Besucher die auf dem Hof lebenden Tiere - Hühner, Schafe, Schweine, Pferde und Milchkühe - hautnah erleben.

Die Schlossdomäne Wildegg kann bei einer spannenden Schnitzeljagd erkundet werden. Die Geschichte dazu: Fox plant einen Angriff auf Flore, den Jagdhund der Familie von Effinger. Nur mit Schlauheit, Mut und Geschick kann er davon abgehalten werden. Los geht die Jagd!

Mehr Informationen unter www.schlossfoxtrail.ch.