1793 war gar kein gutes Jahr für die Arlesheimer Ermitage. Acht Jahre vorher eröffneten adlige Kreise aus der Gegend den als «Solitude romantique près d’Arlesheim» angepriesenen Landschaftsgarten und zogen Besucher aus ganz Europa und sogar aus Russland an. Man flanierte durch die Landschaft, genoss die Idylle und sonnte sich auf den grünen Matten. Dann aber kamen die französischen Truppen. Die Soldaten Napoleons hatten wenig «Gspüri» für die Schönheit des Parks und zerstörten grosse Teile der Anlage, inklusive der angrenzenden Burg Birseck.

Heute erstrahlt die Ermitage wieder in alter Pracht. Einige der historischen Gebäude – etwa das Chalet Suisse und der Parasol Chinois – sind zwar aus dem Landschaftsbild verschwunden. Trotzdem versprüht der grösste Englische Landschaftsgarten der Schweiz einen einzigartigen Charme.

Die 127 Teilnehmenden an der zweiten Etappe des Leserwanderns genossen den Spaziergang an der Anlage vorbei. Die Wanderleiter Josef Lenherr und Silvia Sommer des Vereins Wanderwege beider Basel erzählten von alten Schlossherren und von den revolutionären englischen Gartenbauern, die die Parkanlagen im 18. Jahrhundert aus den strengen geometrischen Formen der damals hippen Barockgärten befreiten.

Etappe 2 LeWa 2019

Weiter ging die Wanderung über einen Schwenk hinauf zur Ruine Dorneck. Die zerfallenen Mauern zeugen noch heute von den Wirren jener Zeit, als die Gegend im heutigen Kanton Baselland in den Strudel der Französischen Revolutionsjahre geriet.

Goetheanum: Umstritten und ohne rechte Winkel

Auf ein Bauwerk aus einer ganz andern Epoche traf die Wandergruppe auf dem Rückweg nach Arlesheim in Dornach: Unweit der Ruine Dorneck steht das futuristisch anmutende Goetheanum, ein Sichtbetonbau aus den 20er-Jahren, erbaut nach den Plänen des Anthroposophen Rudolf Steiner.

Bis heute ist der Bau, der kaum rechte Winkel aufweist, Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Bereits 1913 wurde an derselben Stelle mit dem Bau eines ersten anthroposophischen Gebäudes begonnen, das bei einem Grossbrand zehn Jahre später zerstört wurde. Gegen den Bau regte sich in der Region anfänglich grosser Widerstand. So bezeichnete etwa der Arlesheimer Pfarrer Max Kully die Lehren Steiners als «ernsten Irrtum» und versuchte, bei der Regierung den Bau zu verhindern – vergebens.