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ETH-Verbände: «Wir brauchen geeignete, nicht finanzstarke Studierende»

FHNW- und ETH-Studierende lernen in der neuen Campusbibliothek.

FHNW- und ETH-Studierende lernen in der neuen Campusbibliothek.

Der Nationalrat hat die Motion „ETH. Gerechte Studiengebühren» angenommen. Gebühren können stärker für Studierende erhöht werden, deren Eltern nicht in der Schweiz steuerpflichtig sind - eine Ungleichbehandlung finden Studierendenverbände.

Nachdem bereits letzte Woche bekannt wurde, dass die Schweiz ab dem Herbstsemester 2014 nicht bei Erasmus+ mitbeteiligt sein darf, kam gestern die nächste Botschaft für die Studierenden: Die Motion der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) mit dem Titel «ETH. Gerechte Studiengebühren» wurde am 6. März mit einem Mehr von 99 gegen 78 Stimmen angenommen.

Somit ist der Weg frei für die Erhöhung der Studiengebühren an den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Gleichzeitig wird mit der Annahme eine Ungleichbehandlung von ausländischen Studierenden forciert, finden die drei Studierendenverbände VSS (Verband der Schweizer Studierendenschaften), der Verband der Studierenden der ETH Zürich (VSETH) und die Studierenden der EPFL (AGEPoly).

«Ein weiterer harter Rückschlag für die Internationalität der Schweizer Hochschulen», teilen sie in einer Medienmitteilung mit. Nun rufen sie den Ständerat dazu auf, die Motion ernst zu nehmen, welche aus ihrer Sicht eine Bedrohung darstellt.

Die Motion verschafft dem ETH-Rat das Recht, die Studiengebühren mit Antrag an den Bundesrat auch über die Teuerung hinaus erhöhen zu können.

Trennung von ausländischen und inländischen Studierenden

Die zweite Forderung der Motion besagt, dass die Studiengebühren für Studierende, deren Eltern nicht in der Schweiz steuerpflichtig sind, oder über eine bestimmte Zeitspanne waren, bis zu dreimal höher sein dürfen, als die regulären Gebühren: «Diese Entkopplung der Gebühren von ausländischen und inländischen Studierenden ist ein reines Selektionsmittel und zwar das denkbar schlechteste, das man sich vorstellen kann.», unterstreichen die drei Studierendenverbände.

Die Problematik sehen sie insbesondere in der Selektion der Auszubildenden: «Studiengebühren sind eine finanzielle Hürde, welche einen chancengleichen Zugang zu Bildung verhindern und potentielle, geeignete Studierende vom Studium abhalten können - und das ausgerechnet an den ETH, welche die zukünftigen Fachkräfte im technischen Bereich ausbildet.»

Zeichen gegen die Internationalisierung

«Nicht die Fähigkeiten oder Neigungen der Studierenden sind entscheidend, sondern das Portemonnaie der Eltern. Statt den finanzstärksten brauchen wir aber diejenigen Studierenden aus der Schweiz und aus dem Ausland, welche am Besten für das Studium geeignet sind», sagen die drei Verbände zur gegenwärtigen Entwicklungen in der Schweizer Hochschullandschaft.

Die Annahme der Motion der WBK-N durch den Nationalrat sei ein starkes Zeichen gegen die Internationalisierung der Bildung und gegen Chancengleichheit.

Die Studierendenverbände hoffen, dass der Ständerat diese Motion anders einschätzt und eine gegenteilige Entscheidung für die Zukunft der Schweiz als Ort der Bildung, Forschung und Innovation treffen wird: «Statt den finanzstärksten brauchen wir aber diejenigen Studierenden aus der Schweiz und aus dem Ausland, welche am besten für das Studium geeignet sind.» (tos)

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