Sexualdelikte

Verurteilung eines Heimleiters wirft Fragen zum Erziehungsdepartement auf

In diesem Gebäude an der Gellertstrasse hatte der Heimleiter Sex mit Bewohnerinnen.mto

In diesem Gebäude an der Gellertstrasse hatte der Heimleiter Sex mit Bewohnerinnen.mto

Das Gericht befand einen Ex-Heimleiter des Heims vom Verein Zunamis für schuldig, Sex mit Bewohnerinnen gehabt zu haben. Er erhält eine Freiheitsstrafe sowie ein Berufsverbot. Er selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

Das Basler Strafgericht hat den Heimleiter des nicht mehr existierenden Vereins Zunamis schuldig gesprochen. Das Gericht glaubt zwei Bewohnerinnen, dass sie mehrmals Sex mit ihm hatten. Das streitet der Verurteilte pauschal ab. Das Urteil ficht er aber nicht an, «da ich nicht mehr mag». Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Diese Behauptungen hält das Gericht für absurd. Die Schilderungen der beiden Opfer sowie von zwei Betreuerinnen würden ein «kongruentes Bild ohne Widersprüche» ergeben.

Ausnützung einer Notlage

Laut Strafgerichtspräsidentin Kathrin Giovannone spreche für die Opfer, dass sie nicht versuchten, sich in einem möglichst guten Licht darzustellen. So werfen sie dem 38-jährigen Heimleiter nicht vor, dass er sie mit Gewalt zu Sex genötigt hätte. Trotzdem sind die Handlungen strafbar, da es sich um Sex mit Abhängigen und Ausnützung einer Notlage handelte. Durch die Heimsituation und Geldzahlungen waren die heute 17- und 19-Jährigen abhängig von ihrem Betreuer. Trotz innerer Widerstände wehrten sie sich nicht gegen die sexuellen Avancen.

Strafgerichtspräsidentin Kathrin Giovannone bezeichnet den Verurteilten als Typ «Don Giovanni», der mit jeder attraktiven jungen Frau ins Bett geht, die ihn heranlässt. Dass er seine Delikte konsequent abstreitet, sei sein gutes Recht, meint die Richterin. Sie lastet ihm aber schwer an, dass er die beiden Opfer und die Behörden massiv verunglimpft habe. «Sie haben auch den vielen Leuten geschadet, die saubere Arbeit in ähnlichen Institutionen verrichten», tadelt sie den Verurteilten.

Maximale Dauer für Berufsverbot

Mit der Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten erfüllt das Strafgericht die Forderung der Staatsanwaltschaft nicht ganz. Diese hat ein halbes Jahr mehr Gefängnis verlangt. Im Gegenzug hat das Gericht ein Berufsverbot verhängt, das Staatsanwältin Eva Eichenberger nicht gefordert hat. Das Gericht hat die maximal mögliche Dauer ausgenützt: Der 38-Jährige darf während fünf Jahren nicht mehr für ähnliche Institutionen arbeiten. Genau dies hatte der schweizerisch-deutsche Doppelbürger aber vor: «Sozialpädagogik ist meine Berufung.»

Dagegen sprechen nicht nur seine Delikte, sondern auch das fehlende Diplom. Trotzdem hat das Basler Erziehungsdepartement (ED) als Aufsichtsbehörde grünes Licht für die Anstellung des Heimleiters gegeben. Die Fachstelle Jugendhilfe des ED war zwar über Zweifel am Diplom des Hochstaplers informiert. In der bz vom 7. Dezember gab Fachstellenleiter Ruedi Hafner Fehler zu: «In Zukunft werden wir bei derartigen Hinweisen oder Zweifeln nachfragen.»

Verein als Deckmantel für frühere Straftaten

In der Gerichtsverhandlung gestand der Verurteilte nicht nur, dass er über kein Diplom verfügt, sondern auch, dass der Verein Zunamis gegründet wurde, um seine früheren Straftaten zu vertuschen. «Unter meinem eigenen Namen hätte ich nichts aufbauen können», sagte er. In seiner Jugend musste er eine fünfjährige Strafe wegen Vermögensdelikten absitzen. Weiter war er vor seinem Antritt als Heimleiter bereits wegen Betäubungs- und Verkehrsdelikten verurteilt. Dies alles hielt das ED nicht davon ab, dem laut Strafgericht «Grössenwahnsinnigen» die Bewilligung zu erteilen.

Das ED bestreitet Vorwürfe

Während der Fachstellenleiter Fehler einräumt, stellt der Kommunikationschef des Departements dieselbe Behörde in einem ausschliesslich positiven Licht dar. Er hat eine Ausnahmegenehmigung erhalten, um mit den Medien die nicht öffentliche Verhandlung zu verfolgen. «Die beteiligten Stellen des ED haben rasch und kompetent gehandelt. Das ist auch vom Gericht anerkannt worden», betont Thomas Mächler gegenüber der bz. Drei Monate nach Bewilligungserteilung sass der Heimleiter in Untersuchungshaft und die Bewilligung wurde sofort entzogen.

Für das Bewilligungsverfahren könnten aber noch keine Konsequenzen abgeleitet werden, meint Kommunikationschef Mächler. Als Grund nennt er das noch laufende Verfahren wegen Urkundenfälschung. In der Verhandlung über die Sexdelikte hat der Verurteilte aber bereits zugegeben, dass er kein Diplom besitzt. Offenbar hat der zuständige Fachstellenleiter eine andere Auffassung von transparenter Information als der Informations-Chef.

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