Der heute 19-jährige Dietiker hinterliess vor dem Bezirksgericht Zürich nicht den besten Eindruck. Einen ersten Prozess hatte er im letzten Herbst schlicht verschlafen. Als ihn der Gerichtspräsident damals am Nachmittag mit einem Telefonat aufweckte und aufforderte, sogleich zu erscheinen, warteten die Parteien vergeblich auf den jungen Mann. Der Limmattaler soll sich auf dem Weg zum Zürcher Bezirksgebäude verirrt haben.

An der erneut angesetzten Verhandlung vom Montag nahm er wenigstens persönlich teil. Allerdings hätte er auch diesen Termin beinahe vergessen, erklärte der junge Türke in einem reichlich verschmutzten Maleranzug.

«Sie nehmen wohl alles locker», bemerkte dazu der Gerichtsvorsitzende, der den mangelnden Respekt des Beschuldigten vor der Strafjustiz sehr schnell bemerkte. «Haben sie sich wenigstens bei den Opfern entschuldigt?», wollte der Präsident wissen. Nein, lautete die Antwort. Aber es werde nie wieder vorkommen, schob er nach.

Die Vorwürfe der Anklage vom 21. April 2012 waren nicht mehr bestritten. Damals hielt sich der erst 18-jährige Beschuldigte mit drei weiteren Kollegen aus dem Bezirk Dietikon in Zürich auf. Kurz vor Mitternacht wollten sie am Limmatplatz einen Club aufsuchen. Als sie bemerkten, dass sie zu wenig Geld dafür hatten, beschlossen sie spontan im Zürcher Niederdorf einige Freier zu überfallen. Der Grund dafür: Die Kunden auf dem Strich würden sicher über Geld verfügen.

Opfer geschlagen und ausgeraubt

Die Anklage schilderte, wie sich die Jugendlichen zuerst einen Freier an der Zähringerstrasse vorknöpften. Dabei spielte der Beschuldigte eine führende Rolle, indem er den Geschädigten um eine Zigarette bat und ihm danach die ganze Schachtel plötzlich aus den Händen riss. Als sich das Opfer wehren wollte, wurde er von der Gruppe mit einem Kopfstoss sowie Faustschlägen verprügelt. Der Geschädigte hatte noch Glück, da ein Türsteher eines nahen Clubs eingriff und ihn rettete.

Weniger Glück hatte kurz darauf ein zweiter Freier. Er wurde von den Jugendlichen zusammengeschlagen und beraubt. Es war der 18-jährige Dietiker, der das Portemonnaie aus der Hosentasche des Verletzten riss und das Weite suchte. Die Beute mit 20 Euro und fünf Franken fiel dagegen enttäuschend gering aus. Worauf sich die Limmattaler vom Tatort absetzten.

Letzte Chance

Wenige Tage später wurden die Täter von der Polizei festgenommen. Darunter war auch der 18-jährige Arbeitslose, der zum ersten Mal in seinem Leben sechs Tage im Gefängnis verbringen musste. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und stimmte einem abgekürzten Verfahren zu. Demnach wurde er im Sinne einer letzten Chance wegen mehrfachen Raubes zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, bei einer langen Probezeit von drei Jahren.
Das Gericht segnete nun den Urteilsvorschlag ab, allerdings mit Bedenken. So hatte der Beschuldigte erklärt, dass er heute noch regelmässig in den Ausgang nach Zürich gehe, zum Teil mit den gleichen Kollegen wie im letzten Frühling. «Hüten sie sich vor dem Gruppendruck, sonst schenkt es in der Zukunft ein», warnte der Vorsitzende den Beschuldigten vor einem Rückfall.