Rheinfelden
Ein Verein will Müttern und Vätern nach schwerer Krankheit Ferien mit den Kindern ermöglichen

Nach einer schweren Krankheit oder einem Schicksalsschlag ist Erholung besonders wichtig. Nicht alle können sich dies leisten. Der Verein «Mutter-Vater-Kind-Erholung» ermöglicht Vätern und Müttern Ferien mit den Kindern in Rheinfelden – und übernimmt dafür die Kosten.

Thomas Wehrli
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Der Verein «Mutter-Vater-Kind-Erholung» will geprüften Vätern und Müttern helfen, sich mit ihren Kindern zu erholen.

Der Verein «Mutter-Vater-Kind-Erholung» will geprüften Vätern und Müttern helfen, sich mit ihren Kindern zu erholen.

Getty Images

Brustkrebs. Jana Schadt war noch jung, als sie die Diagnose erhielt. Es folgten Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Therapien. «Durch die Behandlungen war ich oft von zu Hause weg», erinnert sich Schadt, deren vier Kinder damals alle unter acht Jahre alt waren.

Anders als in der Schweiz ist in Deutschland, wo Schadt damals lebte, klar, dass die Patientin nach der Behandlung in Kur geht – und zwar mit den Kindern. «Es tat mir ausserordentlich gut, dass die Kinder dabei waren», sagt Schadt. Das habe ihr psychisch geholfen und auch den Kindern hätte es gutgetan, nach der Zeit, in der sie oft auf ihre Mama verzichten mussten, wieder mit ihr zusammen zu sein.

Haus war speziell für Mutter-Kind-Kuren eingerichtet

Das Haus, in der Schadt zur Kur war, war speziell auf solche Mutter-Kind-Kuren ausgerichtet. Während sie ihre Behandlungen absolvierte, waren die Kinder im Kinder- und Schulhort untergebracht. Die freien Zeiten verbrachten die fünf gemeinsam, die Mahlzeiten nahmen sie ebenfalls gemeinsam ein. Gut tat Schadt auch, sich nicht mit Alltagssorgen herumplagen zu müssen.

Jana Schadt, die heute in Rheinfelden eine Praxis für Autogenes Training führt und sich auf die Behandlung von chronischen Krankheiten spezialisiert hat, weiss:

«Der psychische Aspekt ist in der Therapie extrem wichtig. Wenn man aus dem Alltag heraus kann, erholt man sich viel besser.»
Jana Schadt, Präsidentin Verein Mutter-Vater-Kind-Erholung.

Jana Schadt, Präsidentin Verein Mutter-Vater-Kind-Erholung.

Zvg / Aargauer Zeitung

Zu Hause dagegen finde man die Ruhe, die nötig ist, meist nicht.

Deshalb will Schadt solche Mutter-Kind- und Väter-Kind-Kuren nun auch in der Schweiz ermöglichen. In einem ersten Anlauf versuchte sie, bei den Krankenkassen ein Umdenken zu bewirken, sodass sie solche Eltern-Kinder-Kuren übernehmen. «Das ist chancenlos», stellte sie schnell fest.

Verein «Mutter-Vater-Kind-Erholung» gegründet

Der Gedanke liess sie aber nicht los und nun setzt die die 55-Jährige auf Eigeninitiative. Sie hat den Verein «Mutter-Vater-Kind-Erholung» ins Leben gerufen. Ziel ist es, Müttern und Vätern, die es sich nicht leisten können, eine gemeinsame Auszeit vom Alltag zu ermöglichen.

Ansprechen will Schadt Väter und Mütter nach schwerer Krankheit, bei chronischer Erkrankung, nach schweren Lebensereignissen oder auch nach kräfteraubender Pflege der Angehörigen. «Es fehlt dann die Luft zum Atmen», weiss Schadt. Die eigenen Energiereserven seien aufgebraucht. Sie ist überzeugt:

«Von einem gemeinsamen Urlaub profitieren Elternteil und Kinder gleichermassen.»

Vater oder Mutter könnten sich erholen, die Vater-Kind- respektive die Mutter-Kind-Beziehung werde zugleich gestärkt. Man ermögliche Menschen so ein Stück Lebensqualität, ist Schadt überzeugt.

Ähnlich wie bei einer Reha will der Verein die Gäste bei der Erholung unterstützen; anders als bei der Reha bestimmen die Gäste den Tagesrhythmus sowie die Aktivitäten bei ihrem ein- bis dreiwöchigen Aufenthalt selber.

Angebot richtet sich an Personen, die es sich nicht leisten können

Das Angebot richtet sich spezifisch an Personen, die sich eine solche Auszeit nicht selber leisten können. Die Kosten übernimmt der Verein – unabhängig von Kostenübernahmezusagen der Krankenkassen. Die Gäste zahlen lediglich zehn Franken pro Tag und Erwachsenen, für die Kinder müssen sie nichts zahlen.

Möglich ist dies nur dank dem Engagement vieler Menschen. «Wir können nur so viele Aufenthalte ermöglichen, wie wir Gelder einnehmen», sagt Schadt. Zum einen ist der Verein deshalb auf Spender angewiesen, zum anderen auf aktive Mitglieder. Schadt:

«Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Es wäre schön, wenn wir im Marketing Unterstützung hätten.»

Gesucht würden Programmierer ebenso wie Treuhänder oder Texter.

Gesucht werden aber auch weitere Kooperationspartner, die ihre Leistungen kostenlos oder stark vergünstigt anbieten. «Sie sind das Rückgrat des Projekts», weiss Schadt. Bereits rund zehn Kooperationspartner hat der Verein gefunden, unter anderem eine Spielgruppe und Pro Senectute, deren Mahlzeitenlieferdienst von CasaGusto der Verein nutzt.

Weitere Kooperationspartner gesucht

«Dafür sind wir sehr dankbar», sagt Schadt. Es brauche aber noch «viele weitere Unternehmen». Als Beispiele nennt Schadt Velohändler, die Fahrräder vermieten, Friseure, Masseure – «einfach alles, was der Erholung dient».

Untergebracht werden die Gäste in einer Ferienwohnung in Rheinfelden. Dass es gerade Rheinfelden ist, liegt vor allem auch daran, dass Schadt hier auf ein bestehendes eigenes Netzwerk zurückgreifen kann. Sie ist überzeugt:

«Die Region ist zudem traumhaft und bietet alles, was es für die Erholung braucht.»

Erste Anfragen respektive Gesuche sind beim Verein eingegangen. Diese würden im Vorstand gründlich angeschaut, «denn wir wollen sicher gehen, dass es jemand ist, der die finanzierte Auszeit auch benötigt».

Der Traum vom eigenen Haus

Einen ganz grossen Wunsch hat Schadt noch: «Ein eigenes Haus, in dem wir alles unter einem Dach anbieten können.» So wie in dem Kurhaus, das sie selber erlebt hat. Wohnungen, Administration, Therapien, Horte – «alles nahe zusammen, das ist mein Traum». Und wo? «Gerne im Fricktal», sagt Schadt, «denn hier ist es doch einfach wunderschön.»