Vogel- und Naturschutzverein "Schwalbe" Schlieren

Wild und Jagd - Waldrundgang

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„Wild und Jagd“ Waldrundgang im Schlieremer Wald vom

Samstag, 21. März 2015

Der Dachsbau, seit Jahrzehnten beim Känzeli bestehend und immer wieder „befahren“ (bewohnt), war die erste Station am diesjährigen Waldrundgang in Schlieren. Er stand unter dem Programm „Wild und Jagd“ und wurde von Holzkorporation Schlieren und Vogel- und Naturschutzverein „Schwalbe“, Schlieren, durchgeführt. Gleich zwei Jäger konnten als Referenten gewonnen werden: Fredy Füllemann vertrat als Präsident der Holzkorporation zudem die Anliegen des Waldeigentümers und Urs Hilfiker als Wildhüter in Urdorf und gewiefter Ornithologe die Biologie der Wildtiere.

Der Dachs, so vernahm man, ist ein Allesfresser. Er zeigt zwar eine Vorliebe für Regenwürmer, Käfer, bisweilen Schnecken und Kröten, ernährt sich aber auch von Beeren, Früchten und Getreide. Sein Zuhause ist eine ausgedehnte Burg unter der Erdoberfläche, die er sich dank seiner Scharrklauen gräbt. Seinen Bau hält er äusserst rein. Den Kot trägt er hinaus und vergräbt ihn in den rund um den Eingang angeordneten Kotgruben. Da das Leben vieler Dachse auf der Strasse endet, erübrigt sich die Jagd auf ihn.

Anders sieht dies beim Rehwild aus: Zwar gibt es da auch Fallwild auf Strassen, doch sind sowohl Bestand als auch Vermehrung des Rehwilds bedeutend grösser. Und je dichter der Rehbestand, desto geringer ist das Gewicht des Einzeltieres, was Schwäche und oft Krankheiten bedeutet. Um einen gesunden Rehbestand zu erhalten, ist die Regulierung die Aufgabe der Jagd. Es gibt jedoch einen zweiten wichtigen Grund, den Wildbestand zu „bewirtschaften“: die Sicherung eines gesunden Waldes. Das Reh ist bei uns vorwiegend ein Waldtier, das sich im Winter, wenn die niedrige Krautschicht unter der Schneedecke liegt, vorwiegend von saftigen knospenreichen Endtrieben der Jungpflanzen gewisser Waldbäume und –sträucher ernährt. Eine besonders begehrte Art ist die Weisstanne. Dadurch leiden Verjüngung und Aufwuchs des Waldbestandes. Aus diesem Grund fordert das Waldgesetz noch mehr als das Jagdgesetz, den Wildbestand auf einem tragbaren Mass zu halten. Alljährlich müssen die Jäger der kantonalen Jagdverwaltung Ergebnisse der Wildzählung und die Anzahl geschossener Tiere melden. Aufgrund dieser Zahlen werden dann die Abschusszahlen für jedes Revier im nächsten Jahr vorgegeben. Im Kanton Zürich ist die Jagd als Revierjagd geordnet: Für jede Gemeinde gibt es ein Revier; in grossflächigen Gemeinden sind es mehrere Reviere. Jäger sind in Jagdgesellschaften zusammengeschlossen, wobei die Anzahl Jäger vom Kanton bestimmt ist. Die Gesellschaften können sich um die Pacht eines Reviers bewerben. Der Pachtzins geht an Kanton und Gemeinden, die damit Jagdverwaltung und Jagdaufsicht finanzieren sowie Wildhege und Waldpflege fördern. Doch auch für die Jäger sind mit dem Recht auf einen vorgegebenen Abschuss auch Pflichten der Hege und des Waldschutzes verbunden. Zudem müssen Pächter, Jäger und Jagdaufseher im Besitz eines Jagdpasses sein. Dieser ist nur mit erfolgreich bestandener Jagdprüfung erhältlich. Der Weidmann (Jäger) muss das Weidwerk beherrschen. Anforderungen und Verantwortung sind enorm. Zu Urzeiten war der Mensch Jäger und Sammler, um sich und seine Familie zu ernähren. Was treibt ihn heute dazu, sich den unzähligen Vorschriften des Jagdgesetzes zu unterwerfen, wo Lebensmittel in Hülle und Fülle auf dem Weg des geringsten Widerstandes erworben werden können? Gehören Jäger zu einem besonderen Menschenschlag? – Ein Grossteil der Vorschriften gehört einfach zum Weidwerk, zum Verhaltenskodex sozusagen. Dann aber besteht die Mehrheit der Jäger aus Naturliebhabern, die keine Mühe scheuen, um die Tiere zu jeder Tages- und Nachtzeit in freier Wildbahn zu beobachten. Wie jeder Handwerker hat der Jäger seine Methoden und Einrichtungen. Dazu gehört zum Beispiel der Hochsitz. Dieser dient nicht nur der ungestörten und unbemerkten Beobachtung. Er erlaubt den schmerzfreien, sofort wirkenden Schuss, bei dem die Kugel nach dem Austritt im Boden als Kugelfang landet. Sicherheit in jedem Moment ist eine wichtige Devise.

Dies und viel mehr war auf dem Weg zum oberen Forsthaus, fast am höchsten Punkt Schlierens, zu erfahren. Dort angelangt demonstrierte Urs Hilfiker mit seiner Jagdhündin die Nachsuche nach einem verletzten Tier. Vor dem Haus erklärten Fredy Füllemann und Urs Hilfiker bei bestem Wetter die auf einem Tisch ausgelegten Trophäen: Ausgestopfte Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Geweihe von Rehen und Krickel der Gämse, und dann auch Schwarten, Bälge und Decken (Felle) von Wildsau, Dachs, Fuchs, Reh und Wiesel, die im Winter ganz anders gebaut und gefärbtt sind als im Sommer.

Ihre Vertrautheit mit den Wildtieren und ihrem Lebensraum sowie ihre Beobachtungsgabe befähigt die Jäger auch, von ihren Beobachtungen und Erlebnissen in lebendiger, spannender, eben erlebter Art und Weise zu erzählen. Genau das haben die Teilnehmer des Waldrundgangs gespürt. Und genau deshalb stellten sie andauernd Fragen. Sie waren des Lobes und Dankes voll und spendeten den beiden Jäger-Referenten mehrfach langen, begeisterten Applaus.

Zum Abschluss und Ausklang und zur Feier des Tages hielten wie jedes Jahr unsere hilfreichen Geister Wurst, Brot, Getränke, Kuchen und Kaffee für alle bereit. Es war ein erfreulicher, gelungener Anlass. Allen im Namen Aller für Alles herzlichen Dank!

Fotos von Daniel Santschi

Nino Kuhn, 31.März 2015

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