Die Schweizer Berufswelt ist vielen geflüchteten Personen fremd. Das Regionale Pflegezentrum Baden ermöglichte diese Woche deshalb neun Asylsuchenden die Berufsbilder in ihrem Betrieb kennenzulernen.

„Kann das auch schälen?“, fragt Reza Sharifi neugierig und deutet auf die grosse Gemüsewaschmaschine. „Schön wärs“, lacht der stellvertretende Küchenleiter Tobias Flach. „Nein, entweder wir kaufen das Gemüse geschält oder unsere Angestellten machen das.“ Was es genau bedeutet, in einer Küche wie der des Regionalen Pflegezentrums Baden (RPB) angestellt zu sein, lernen Sharifi und seine acht Kollegen aus der Asylunterkunft Metropol gerade.

KV - ein Fremdwort

„Viele geflüchtete Personen können sich unter typischen Schweizer Berufen wie dem Kaufmann, der Fachangestellten Gesundheit oder dem Facility Manager nicht viel vorstellen“, erklärt Silvana Lindt von der Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit im Asylwesen. Die Plattform wird seit 2017 vom Aargauer Roten Kreuz geführt und hilft Freiwilligen, die sich für Geflüchtete einsetzen wollen, ein geeignetes Engagement zu finden. Selten kommt es vor, dass sich ein ganzes Unternehmen freiwillig engagieren möchte.

Umso mehr habe es sie natürlich gefreut, als RPB-Direktor Hans Schwendeler sie fragte, wie sich sein Unternehmen für die Bewohner der nahen Asylunterkunft Metropol engagieren könne, erinnert sich Lindt. „Schnell sind wir dann zusammen mit der Stadt Baden auf die Idee gekommen, einen Berufsrundgang zu organisieren.“

„Alle waren sofort dabei“

„Als soziales Unternehmen ist es uns ein grosses Anliegen, Leute auszubilden, egal welcher Herkunft“, betont Schwendeler. Der Vorschlag für einen Berufsrundgang stiess dann auch intern auf breite Unterstützung. „Unsere Bildungsverantwortlichen waren alle sofort dabei“, so Schwendeler stolz. Während zwei Tagen zeigen sie den Bewohnern des Metropol nun ihre Berufsfelder: den Unterhaltsdienst, die Pflege und Betreuung, die Küche und die Therapien.

Danach besteht für die Asylsuchenden die Möglichkeit, sich bei Personalleiterin Chantal Fausch für eine Schnupperlehre anzumelden. „Wer sich da gut macht, hat gute Karten, sich für eine der rund 15 Lehrstellen zu qualifizieren, die wir jährlich anbieten“, so Fausch.

Weiterkommen, dank Ausbildung

Er würde sehr gerne eine Lehre im RPB machen, meint Reza Sharifi nach dem Rundgang. In seinem Heimatland Iran hat der 29-Jährige früher als Automechaniker gearbeitet. Eine spezielle Ausbildung habe er dafür nicht gebraucht. „Hier in der Schweiz ist eine Ausbildung aber sehr wichtig, deshalb will ich eine Lehrstelle finden“, betont Sharifi. Was für eine, das ist ihm dank des Rundgangs im RPB klarer geworden. „Ich will etwas mit meinen Händen machen, etwas reparieren. Der Unterhaltsdienst hat mir sehr gut gefallen.“