Es ist Zeit für die dritte Folge der Reihe My Kung Fu-Story der Swiss Chinese Kung Fu School (Urdorf). Wir stellen Romy Imhasly (9 Jahre) aus Wettswil vor: Kung Fu-Schülerin, Primarschülerin und grosse Schwester.

„Ich wusste einfach, dass es das Richtige ist!“ So antwortete Romy auf die Frage, warum sich sich für Kung Fu entschieden hatte. Romy ist 9 Jahre alt, trainiert seit Sommer 2013 an der Swiss Chinese Kung Fu School und wohnt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder in Wettswil. Ihre Klassenkolleginnen gingen ins Tennis oder Breakdance, doch Romy wusste damals noch nicht so genau, was sie machen wollte. Die Zeit verging, es wurde Verschiedenes angeschaut. Zu Hause gab es Gespräche, manchmal über die „bösen Männer“ und worauf man aufpassen muss, wenn man alleine unterwegs ist. Und so ergab sich das Eine aus dem Anderen. Eines Tages schauten Vater und Tochter einen Kung Fu-Video auf Youtube und Romy wusste, dies war es!

„Mir gefällt einfach alles am Kung Fu, wie es aussieht, dass man sich viel bewegen kann, fit bleibt und vieles lernt. Es ist immer spannend in der Stunde. Man lernt zum Beispiel, wie man Angriffe abwehren kann oder wie man selber angreifen kann, sollte es wirklich schlimm werden.“ ‚Wirklich schlimm’ ist es bei ihr aber nirgends, es gibt keine Angriffe oder ähnliches. Doch ganz deutlich beschreibt Romy, dass ihr Selbstvertrauen in den eineinhalb Jahren, in denen sie bereits Kung Fu trainiert, deutlich gestiegen ist. Sie weiss einfach, dass sie sich wehren könnte, sollte es nötig sein und sie weiss auch, dass sie sehr viel Kraft gewonnen hat.

Zuerst war ihr das nicht ganz bewusst, so ihre Mutter, bis sie sie eines Tages darauf aufmerksam gemacht hat. Als grosse Schwester ist es mit einem kleinen Bruder nicht immer einfach, manchmal nervt er einfach zu sehr. Als Romy ihm eines Tages mal einen Klaps gab, merkte sie gar nicht, dass es ihm richtig weh tat, weil sie so stark geworden war. Romys Mutter erzählte davon in der Kung Fu Schule – es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Trainierenden lernen, dass die gelernten Techniken am Besten nie zur Anwendung kommen. Es ist immer wieder wichtig, Feedback von den Eltern zu bekommen, nur so können die wichtigen Punkte wie Respekt, Freundschaft und Selbstbeherrschung immer wieder neu in den Unterricht mit den Kids mit einfliessen. Es ist regelmässig Bestandteil einer Lektion, den Kindern bewusst zu machen, was sie hier lernen. Deshalb wird vor jeder Partnerübung ein Gruss gemacht und erklärt, wo die Grenzen sind, wie die Kinder mit ihrer gewonnen Kraft umgehen sollen. „Heute atme ich zuerst einmal tief durch, wenn mich mein Bruder nervt, dann ist es schon wieder besser“, sagt Romy.

Auf die Frage nach der Lieblingsübung in der Stunde kommt eine zunächst überraschende Antwort, erwartet man doch die spektakulären Übungen wie das Freirad, den Rückwärtssalto oder die Sprünge. „Am liebsten stehe ich Mabu (Pferdestand), dann lerne ich, dass ich immer besser werden kann: Zuerst stand ich 30 Sekunden, dann 50 Sekunden und so weiter. Ich merke, dass ich weitermache, obwohl es anfängt, in den Oberschenkeln zu schmerzen, dass ich diese Schmerzen aber gut aushalten kann. Und stretchen und dehnen oder Stafettenlauf mit Kungfu-Übungen mag ich auch gerne!“ Überhaupt lernt Romy einfach gerne und kommt gerne weiter. Ihr Ziel ist ihr sonnenklar: Der schwarze Gurt! Mittlerweile übt Romy bereits für die dritte Kinderprüfung, für die „erst“ Aufnäher für die Hosen verteilt werden. Doch danach kann sie vielleicht schon ins Jugendtraining wechseln und mit dem Gurtsystem (von gelb bis schwarz) anfangen. Eins ist klar: Wenn sie so schnell und gut weiterkommt, steht einer tollen Kung Fu-„Karriere“ nichts im Wege.

Bereits in den ersten Wochen fiel den Lehrerinnen und Lehrern auf, dass Romy nur einmal zuschauen musste und die Bewegungen dann sehr sauber nachmachen konnte. So verging nicht viel Zeit, bis sie für das Turniertraining der Swiss Chinese Kung Fu School angefragt wurde. Seit diesem Sommer nun gibt es für Romy jeden Freitag ein langes Extratraining, in dem sie sich zusammen mit einem anderen Kind, aber auch Jugendlichen und Erwachsenen auf die Turniere der Swiss Wushu Federation vorbereitet. Ihren allerersten Turnierstart hatte Romy im September 2014. „Ich war am Turniertag anfangs sehr aufgeregt, es ist anders als in der Schule. Man muss zuerst vor der Matte stehen, bis die Schiedsrichter einen aufrufen. Erst dann darf man die Matte betreten, grüsst die Schiedsrichter und fängt mit der Form an. Nach der Form muss man wieder von der Matte und warten, bis die Schiedsrichter die Bewertung geben. Ich war sehr nervös – aber ich bin vierte geworden!“ Es war auch eine aufregende Sache, die Form nicht mehr nur vor der Kung Fu-Lehrerin zu zeigen, sondern vor so vielen Menschen. Auf jeden Fall ist sie im 2015 wieder dabei und natürlich will sie so gut wie möglich abschneiden!

Was sie nicht so gerne hat in der Kung Fu-Stunde...? Zunächst einmal bleibt sie lange still, bevor sie antwortet. „Die anderen Kinder sind manchmal sehr laut und machen Unsinn, dann fühlt es sich so chaotisch an. Es ist schwierig, sich zu konzentrieren und zu lernen.“ Wie in jeder „Schulklasse“ ist es wahrscheinlich das erste Ziel, dass die Kids lernen können. In der Aufregung und mit dem Spass vergessen viele Kinder, dass sie nicht zum plaudern da sind, sondern um Kung Fu zu lernen. Auch hier ist es wohl wie in jeder Schulklasse immer wieder nötig, mit den Kindern Ruhe und Disziplin zu üben, den Spass aber nicht zu wenig zu gewichten. Ein immerwährendes Projekt....

Kung Fu ist mittlerweile zur Familiensache geworden: Eines Tages kam Romys Mutter in die Schnupperstunde für Erwachsene! Seither trainiert sie jeden Montag und Mittwoch mit. Romy findet es super, da sie dann nach der Kinderstunde immer bleiben und zusehen darf, während sie auf ihr Mami wartet - die anderen Kinder müssen dann schon gehen. Ansonsten ist es für sie eigentlich ganz normal, dass ihr Mami mit Kung Fu angefangen hat und es gut findet. „Wenn die Erwachsenen trainieren, das tönt so anders! Sie haben Kraft und es ist ganz anders als bei den Kids.“ Zu Hause ist Kung Fu dadurch zu einem wichtigen Thema geworden, es wird dem Vater erzählt, was in der Stunde gezeigt wurde. Manchmal kann Romy, die schon über ein Jahr länger trainiert als ihre Mutter, auch mal ein Vorbild sein. Das ist für sie ein spannender Rollentausch. An einem Sonntag kann es gut vorkommen, wenn man genau hinschaut, dass man Romy und ihre Mutter im Hallenbad beim Kung Fu-Training im Wasser sehen kann!

Swiss Chinese Kung Fu School: www.swisskungfu.ch