90 Jahre lang waren sie der unangefochtene Exportschlager der Stadt Schlieren. Heute haben die noch existierenden Waggons und Tramwagen der ehemaligen Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren "WAGI" längst Kultstatus.

Von der Schweiz über Deutschland, Österreich, Spanien bis nach Nordkorea, Indien oder Japan sorgen sich über 90 Vereine, Bahngesellschaften oder Museen um den Erhalt von Fahrzeugen - Made in Schlieren. Wie viele Schienenfahrzeuge der Marke «Schlieren» weltweit noch erhalten sind, kann auch Patrick Bigler, Museumsleiter der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren nicht genau beziffern. «Aktuell wissen wir aber von etwa 90 Vereinen, Bahnmuseen oder Unternehmen weltweit, welche unter anderen noch Schlieren-Fahrzeuge unterhalten». Immer öfters erreichen das WAGI Museum daher auch Anfragen für Baupläne oder Archivbestände dieser Fahrzeuge. So konnte das Museum in diesem Jahr eine erste Statistik erarbeiten, so der Museumsleiter.

Rund 13000 Schienenfahrzeuge gebaut

Im Zeitraum zwischen 1899 - 1985 lieferete die WAGI Schlieren Fahrzeuge an diverse Bahngesellschaften im In- und Ausland. Darunter befanden sich auch Exponate wie die ersten Strassenbahnwagen für die Stadt Konstantinopel (heutiges Istanbul), Grubenlokomotiven für Bolivien oder Japan und eine Serie von 200 Waggons für die indischen Staatsbahnen. Durch Weiterverkäufe der Fahrzeuge nach deren Betriebszeit gelangten zahlreiche Waggons als Sammlerstücke in mindestens 20 weitere Länder.

Die meisten der noch betriebsfähigen Fahrzeuge befinden sich aber in der Schweiz und in Frankreich. «Insbesondere Museumsbahnen tragen hier einen elementaren Teil zur Erhaltung des grössten Schlieremer Industriekulturerbe bei», so Bigler. Auch wenn das Fabrikmuseum nicht alle Anfragen beantworten kann, weil das Planarchiv unvollständig ist, versuche man zu Helfen. Durch ein Netzwerk könne das WAGI Museum bei Baugleichen Fahrzeugtypen die Pläne unter den Vereinen Länderübergreifend vermitteln.

Die Aufgabe der Archivpflege ist sehr Zeitintensiv und bringt den Verein um das Museum gerade wegen der vielen internationalen Anfragen immer wieder an seine Grenzen, bestätigt Thomas Stauber, Präsident des Trägervereins historicSchlieren. Der Trägerverein wuchs seit seiner Gründung 2016 auf 77 Mitglieder an und betreibt mittlerweile das Fabrikmuseum sowie ein Wagongastronomiekonzept in Schlieren.

2019 kehrt ein Teil der Geschichte zurück

Wer heute ins WAGI Museum nach Schlieren reist, erhält bereits einen umfassenden Einblick über die Geschichte jener legendären Fabrik, welche neben Waggons auch Aufzüge, Fahrtreppen, Flugzeuge oder sogar Trolleybusse baute. Einen kleinen Wermutstropfen am Erfolg des jungen Vereins findet Bigler einzig in der Tatsache wieder, dass gerade im Fabrikmuseum in Schlieren noch kein Schienenfahrzeug ausgestellt werden kann. Auch der umgebaute Speisewagen wird aus Platzgründen vorerst nicht vollumfänglich ins Museumskonzept integriert werden können. Es brauche nun einfach Zeit und ein umfassendes Konzept.

Die Limmattaler Bevölkerung wird trotzdem bald historische Waggons in Schlieren bestaunen können. Das WAGI Museum organisiert für das kommende Schlierefäscht 2019 «Schliere-Lacht» einzelne Attraktionen auf der Schiene und im Festgelände. Erste Attraktionen können bereits auf der Homepage des Museums http://www.wagimuseum.ch oder auf http://www.schlierelacht.ch eingesehen werden.

Das WAGI Museum ist jeden Mittwoch von 14:00 - 18:00 Uhr geöffnet und jeden zweiten Sonntag im Monat.