Gemeinnütziger Frauenverein Urdorf

Extrahalt für die Urdorfer Frauen

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… oder wie es kam, dass unser Zug heimwärts extra für uns in Altstetten hielt.
An einem schönen Frühlingsnachmittag versammelten sich 21 Frauen vom Gemeinnützigen Frauenverein Urdorf und ausnahmsweise sogar zwei Männer auf der Bahnstation Weihermatt. Wir wollten der Brauerei Feldschlösschen einen Besuch abstatten.
Nach einer Bahnfahrt durch den vorfrühlingshaften Aargau kamen wir in Rheinfelden an. Ein kurzer Fussmarsch und wir standen vor dem imposanten Schloss, in dem wohl das bekannteste Bier der Schweiz gebraut wird. Vom Turm grüsste uns die Schweizerfahne. Ein netter, junger Herr, der sich als studierter Architekt vorstellte, nahm uns in Empfang und erzählte uns viel Wissenswertes während er uns durch die ganze Anlage führte.
Die Besichtigung erforderte einige Fitness. Wir stiegen über enge steile Treppen hinauf und hinab. Wir hatten einen Architektur-Rundgang gebucht und erfuhren vieles über die B(r)aukunst und die Anfänge der Bierbrauerei in der Schweiz.
Zwei Männer aus der Umgebung von Rheinfelden, ein Chemiker und ein Bauer entschlossen sich, eine Bierbrauerei zu gründen. Der Chemiker studierte in Deutschland, dort sah er Brauereien und so entschloss er sich, so etwas auch in seiner Heimat zu beginnen. Der Bauer hatte einen reichen Vater, der im grossen Stil in dieses Unternehmen investierte. Die Zutaten wie Hopfen und Weizen kamen aus der Region. In wenigen Jahren warf die Brauerei guten Gewinn ab und die Lokalitäten wurden bald zu klein, so dass man zum Bau einer grossen Anlage schreiten konnte und wie es der damalige Zeitgeist wollte, wurde ein imposantes Schloss mit allem Drum und Dran gebaut. Der Name "Feldschlösschen", drängte sich auf, da Rheinfelden damals noch ein kleines Bauerndörfchen inmitten von weiten Feldern war.

Heute wird natürlich ganz anders gebraut als früher. Die Handarbeit ist praktisch verschwunden. Die grossen kupfernen Braukessel in der imposanten Sudhalle zum Beispiel, die damals täglich von Hand gereinigt wurden, was eine unvorstellbare Plackerei war, sind heute aus Chromstahl und werden maschinell gereinigt.
Wir besichtigten die Kältemaschine, die alte Dampfmaschine Baujahr 1900 von Sulzer ist zwar nicht mehr in Betrieb, aber viel schöner als die modernen. So auch im Fuhrpark, der eigentlich ein Mini-Museum ist, mit vielen schönen alten Brau-Lieferwagen und unter anderem dem Direktoren-Oldtimer. Der wird auch heute noch gelegentlich hervorgeholt, denn immer wenn jemand sein 40 jähriges Dienstjubiläum feiert, wird er darin herumkutschiert. Auch der Besuch des Pferdestalls, der in einigen Augen den Höhepunkt bildete, stand im Zeichen der Nostalgie. Die Brauerei hält immer noch Pferde, acht wunderschöne, wuchtige Tiere, belgische Kaltblüter mit blonden Mähnen und sanften Augen. Sie sind die wirkungsvollsten Botschafter der Brauerei und die Kutsche mit dem Sechser-Gespann fährt jährlich gegen 200 Einsätze. Am Sechseläuten seien sie dieses Jahr auch dabei, versicherte uns unser engagierter Führer.
Zum Abschluss unseres Besuches wurden wir noch ins eigene Restaurant eingeladen und dort mit ofenwarmen Bretzeln bewirtet, gegen den Durst wurde ein wohlschmeckendes Frühlingsbier kredenzt. Wer wollte durfte noch zwei weitere Spezialitäten testen. Worauf wir die Heimfahrt um eine Stunde verschoben. Somit waren wir ungewöhnlich spät unterwegs und sollten erst um circa Elf Uhr zu Hause ankommen.
Auf der Heimfahrt zeigte sich die SBB dann von ihrer galantesten Seite. Im Zug erklärte uns ein erstmals streng wirkender Schaffner, dass unsere Billette nur bis Altstetten gültig seien, der Zug aber erst im HB halte. Somit könnten wir in der S-Bahn zurück, gebüsst werden. Da Sonja, unsere Organisatorin es schriftlich hatte, dass der Fehler nicht bei uns lag, suchte er nach einer Lösung. Nach einem kurzen Telefonat verkündete er, es gäbe einen Extrahalt in Altstetten, nur für uns und dies auf dieser dicht befahrenen Strecke. Chapeau und ein dickes Dankeschön liebe SBB!

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