Am Mittwoch, 20. Februar, sprach der bis 2006 tätige Direktor der Dermatologischen Klinik des Zürcher Universitätsspitals Zürich, Günter Burg, über das Thema «Die Haut, in der wir leben». Der emeritierte Professor hielt sein spannendes Referat im Gemeinderatsaal auf Einladung des Seniorenrates Dietikon, dessen Vertreter, Peter Heinzer, die Anwesenden einleitend begrüsste.

Während den folgenden siebzig Minuten präsentierte der Referent einen grossen Themenbereich, der den Alltag eines Dermatologen prägt. Seine interessanten Ausführungen begannen mit der «Saftlehre des Hippokrates», streiften den komplizierten Aufbau unserer Haut und deren Funktionen sowie viele Hautkrankheiten, die uns Menschen quälen können.

Nichts für zarte Gemüter

Kaum unabsichtlich bewegte er sich mit seinen Fotodokumentationen an der Grenze des Zumutbaren. Mit Blick auf die Schäden, die wir Menschen unserer Haut zufügen können – sei es durch unbedachtes Handeln oder durch unserer Berufstätigkeit – wollte er mit seiner Bildauswahl das zeigen, was im Allgemeinen lieber nicht gesehen werden will. Nebst sehr seltenen schweren Hautkrankheiten zeigte der passionierte Arzt auch Veränderungen der Haut, die für die im Saal anwesenden Personen ganz normal seien. Nach seinem zuvor erfolgten umschweifenden Blick stellte er fest, dass wohl alle im Saal anwesenden Personen, das vierzigste Altersjahr überschritten hätten. Ab diesem Zeitpunkt beginne eben das Wachstum von Altersflecken und von Warzen, die aber völlig harmlos seien. Der Referent informierte jedoch auch über Hautveränderungen, die den sofortigen Gang zur Hautärztin oder zum Hautarzt als angezeigt erscheinen lassen.

Die Haut als Spiegelbild von Krankheiten

Die Haut ist nicht nur Zielorgan zahlreicher vermeidbarer und unvermeidbarer Einflüsse von innen und von aussen, sondern kann auch ein Spiegel innerer Erkrankungen sein, was der Referent mit eindrücklichen Fotos dokumentierte.

Vergängliche Jugendlichkeit und Schönheit

Nicht ungeschoren liess Burg die Anpreiser von Kosmetika und die Anbieter der Schönheitschirurgie davon kommen. Mit dem Ziel ewiger Jugendlichkeit und Schönheit sei unsere Haut «Tatort» und Opfer kosmetischer Eingriffe und Verjüngungsprozeduren mit oft fragwürdigem Erfolg. Er zeigte dabei eine Kollage mit diversen Portraits von Holywoodstars, alle mit unnatürlich gestrafften Gesichtszügen, die er wie folgt kommentierte: «Sehen Sie, die lachen alle! … die können gar nicht (mehr) anders! » und weiter: «… keinem Bauchchirurgen käme es in den Sinn, die Darmfalten zu glätten!»

Im gleichem Atemzug nahm Burg auch die Kosmetikindustrie auf die Schippe: «Wenn Kosmetikprodukte gleich wie Medikamente zugelassen werden müssten, käme wohl kein Produkt auf den Markt, denn Kosten und Wirksamkeit stehen in keinem Verhältnis zueinander». Versöhnlich bemerkte er aber sogleich: «Wenn Sie täglich viel Zeit mit ihren Kosmetika verbringen, machen Sie ruhig weiter. Das schadet nichts – nur die Erwartungen sollten Sie vielleicht etwas reduzieren. » Sinnbildlich zeigte er am Schluss eine Bildfolge mit einem Apfel, der viele Tage gelagert, ganz normal verschrumpelt. Ja, so geht es uns allen, dass ist der unausweichliche Lauf der Natur.

In der anschliessenden Frage-Viertelstunde kam dann aber prompt die Frage einer Zuhörerin:  «Sie haben eine so glatte Haut – was haben Sie denn dafür gemacht?». Die Antwort des Referenten folgte auf dem Fusse: «Das ist eine sehr persönliche Frage! … Nichts! .. aber ich habe sicher darauf geachtet, mich nicht übermässig der Sonne auszusetzen – und es ist sicher auch genetisch bedingt». Mit Schalk fügte er hinzu:  «..und ich habe wohl in meinem Leben doch recht oft in dunklen Räumen gearbeitet!».