Laufenburg

Jubiläum Frauenbund Sulz: Vom untertänigen Frauenbild zur selbstbewussten Organisation

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von links: Gaby Weiss (Präsidentin), Maria Obrist, Caroline Schraner, Jasmin Meier, Erika Schraner.

Der Vorstand im Jubiläumsjahr

von links: Gaby Weiss (Präsidentin), Maria Obrist, Caroline Schraner, Jasmin Meier, Erika Schraner.

Am Sonntag, 8. Dezember 1919, wurde der Frauenbund Sulz gegründet. Dem Gründungsprotokoll ist zu entnehmen, dass sich «zirka 200 Frauen und Töchter» in der «schönen, neu erbauten Turnhalle» eingefunden hatten. Der Frauenbund war wohl einer der ersten Vereine, welcher die am 22. März 1919 eingeweihte, direkt an das alte Pfarrhaus angebaute Turnhalle als Versammlungslokal nutzte. Die Gründungsversammlung wurde geleitet vom damaligen Pfarrer Theophil Kramer. Nur zwei Monate zuvor war er von den Sulzer Behörden per Fuhrwerk am Bahnhof in Rheinsulz abgeholt und feierlich in sein Amt eingesetzt worden.

Der Pfarrer hatte das Sagen

Der Dorfgeistliche spielte denn auch über Jahrzehnte hinweg eine zentrale Rolle im Frauenbund. So blieb es auch in der Gründungsversammlung Pfarrer Kramer vorbehalten, die Versammlung zu eröffnen. Er habe dann der «lebenskundigen und bereten Frau Lehrer Rüede aus Kaisten» das Wort zu einem Vortrag erteilt. Diese habe in «begeisterten Worten das grosse Arbeitsfeld des Katholischen Frauenbundes geschildert.» Als erste Präsidentin wurde Hedwig Schraner vom Restaurant Stalden gewählt. Das Aktuariat wurde an Frieda Erdin übertragen.

Koch-, Näh- und Flickkurse prägten die Tätigkeit in den ersten Jahrzehnten. Wichtig war aber auch stets die Unterstützung von Armen. Zementiert wurde das damalige Frauenbild nicht zuletzt durch die Pfarrherren und durch entsprechende, regelmässige Vorträge an den Generalversammlungen. So warnte 1946 der damalige Pfarrer Adolf Koch anlässlich einer Versammlung seine Schäfchen vor dem Frauenstimmrecht: «Das Frauenstimmrecht bedeutet nichts Gutes, es liegt nicht im Sinne des katholischen Geistes. Der Platz der katholischen Frau ist in der Familie.»

Forderung nach Gleichberechtigung

Heute sieht dies allerdings anders aus. So beteiligte sich der Aargauisch Katholische Frauenbund (AKF), dem auch der Frauenbund Sulz angehört, aktiv am Frauenstreik im vergangenen September. Der AKF engagierte sich bei den Parlamentswahlen über die Parteien hinweg für die Frauen und nicht zuletzt fordert der AKF in der katholischen Kirche die Gleichberechtigung und eine Öffnung der Kirche für alle.

Auch für den Frauenbund Sulz sind die Zeiten längst vorbei, wo der örtliche Seelsorger den Gang der Dinge bestimmt. Im Gegenteil, heute sind es die Frauen, welche auch stets wieder im sonntäglichen Gottesdienst den Ton angeben. Sie gestalten in Eigenregie Gottesdienste, Andachten und Wallfahrten. Weiterhin engagiert man sich für die Armen in der Welt. Aber auch die jährliche Seniorenadventsfeier ist in ihrem Terminkalender fest verankert.

Verhältnis zu den Landfrauen

Im Gegensatz zu früher, wo der damalige Pfarrer Josef Schlienger öffentlich seinem Missfallen über die Gründung des Landfrauenvereins Ausdruck gab, empfinde der Frauenbund die Landfrauen längst nicht mehr als Konkurrenz, führt Vizepräsidentin Erika Schraner aus. Etliche Veranstaltungen führt man gemeinsam durch. Zudem gehören viele Sulzerinnen beiden Vereinen an. Die Vizepräsidentin ist des Lobes voll über das grosse Engagement der Mitglieder. Ohne deren regelmässige Mithilfe könnten die zahlreichen Aktivitäten niemals realisiert werden.

Am Sonntag, 8. Dezember, auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung, findet in Sulz unter Mitwirkung von Pastoralassistentin Helena Boutellier und mit den Frauen des Kirchenchors ein Jubiläumsgottesdienst statt. Nach dem Mittagessen in der Turnhalle gibt es unter Mitwirkung der Musikgesellschaft einen kleinen Festakt.

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