Wussten Sie, dass bereits über 50 zugelassene Medikamente mit Nanopartikeln existieren? Bei der Behandlung von Krebserkrankungen werden Nanopartikel als Wirkstoffe oder Kontrastmittel verwendet. Die Perspektiven der Nanotechnologien im Gesundheitswesen sind vielversprechend.

Im Hightech Zentrum Aargau folgten am Dienstag, 21.11.2017, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebannt den Ausführungen der hochkarätigen Referierenden, welche über die Aspekte von Nanotechnologien im Gesundheitswesen berichteten. Ihr Einsatz wird immer vielversprechender. Das Verständnis für Nanotechnologien und deren Beherrschung zum Wohle der Patienten setzt eine interdisziplinäre, branchenübergreifende Zusammenarbeit von Wissenschaftlern an Hochschulen, leistungsfähigen Produzenten und Medizinern voraus. Dies wurde praxisnah aufgezeigt.

Zu Beginn erläuterten Prof. Barbara Rothen von der Universität Fribourg und Prof. Falko Schlottig, Direktor der Hochschule für Life Sciences FHNW, ihre Erfahrungen aus Forschung & Entwicklung: Für den Einsatz von Nanotechnologien in der Medizin ist ein vertieftes Verständnis der menschlichen Biologie und der Wechselwirkungen auf Zellebene notwendig. Ein Beispiel hierfür ist ein Kaugummi zur Erkennung von Entzündungen als Folge von Zahnimplantaten. Diese können Jahre nach der Implantation zum Abbau des Knochens führen. Hat der Patient eine Entzündung werden durch Nanopartikel im Kaugummi Bitterstoffe freigesetzt. Der Patient erkennt so selber frühzeitig, dass er zum Zahnarzt sollte. Diese frühe Diagnose ist entscheidend für die Heilungsaussichten.

Die Industrie setzt Nanotechnologien heute vor allem in der Diagnostik und bei der Herstellung von Medikamenten ein. Dank eines neuen Geräts des Start-Up Unternehmens Nanolive SA, ist es möglich lebende Zellen von Patienten in 3D sichtbar zu machen und zu analysieren. Damit werden wichtige Erkenntnisse für neue Therapien gewonnen, weil Reaktionen unmittelbar in der lebenden Zelle beobachtet werden können. Bis vor kurzem war dies Zukunftsmusik und ein Wunschtraum von Forschern und Ärzten. Damit können neue Behandlungsmethoden schneller und damit kostengünstiger entwickelt werden. 

Dr. Stelyan Tinkov von Novartis und Prof. Stefan Mühlebach von Vifor zeigten die komplexen Anforderungen beim Einsatz von Nanotechnologien bei der Herstellung pharmazeutischer Produkte anschaulich auf. Nur wenn Medikamente industriell hergestellt werden können, gelangen neue Wirkstoffe zu den Patienten. Der Teufel steckt dabei im Detail und insbesondere im Bereich der Marktzulassung. Zum Beispiel ist es schwierig, in Grossserien identische Nanopartikel zu erzeugen. Dadurch sind funktionierende Herstellungsverfahren kaum von Konkurrenten kopierbar. Nano-Generika dürften aus diesem Grund noch längere Zeit nicht in Apotheken verfügbar sein.

Die Sicht der Mediziner erläuterte abschliessend Prof. Patrick Hunziker vom Universitätsspital Basel. Die Zukunft in der Klinik wird durch die personalisierte Medizin geprägt. Nanotechnologien spielen darin eine entscheidende Rolle. Jeder Mensch reagiert auf eine Behandlung individuell. Dies führt zu einem Umdenken und zu personalisierten Therapien. An solchen Lösungen wird intensiv geforscht. Ärzte, Forscher und Hersteller arbeiten zusammen, um für den Patienten die bestmöglichen und zahlbaren Therapien zu entwickeln. Dabei sind auch gesellschaftliche Auseinandersetzungen zum Wert des Lebens und zu den Grenzen der Medizin zentral.