Am 23. und 24. Juni führten Schüler- und Schülerinnen der Schlieremer Tanz- und Gymnastikschule in der St.
Agatha Kirche in Dietikon eine Neuinterpretation des weihnachtlichen Ballettklassikers Der Nussknacker auf.
Die Geschichte von E.T.A. Hoffmann wurde von Heidi Däster, die Eigentümerin der Schule, neuinterpretiert: Eine farbenfrohe Kindergeburtstagsparty wird vom Mäusekönig bedroht – nur der Nussknacker, die Klara und die Zuckerfee können die Party wieder ins Lot bringen.
An der Planung sass Däster ein Jahr lang, bevor die Aufführung Ende Juni reibungslos über die Bühne gehen konnte. Hierbei ist es die Liebe zum Tanz, welche Däster, die Choreographinnen und Tanzenden motivierte, über das Jahr hin vollen Einsatz zu zeigen. Dieser zählte sich aus! Denn die Tanzenden absolvierten eine einwandfreie Performance. Hierbei erlangten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihr Können vor vollem Publikum vorzustellen, wobei der Umgang mit der Nervosität für viele Fünfjährige eine erste Herausforderung darstellte, die sie erfolgreich meisterten. Für viele Schülerinnen und Schüler beinhalteten die Tage der Aufführung insbesondere lange Wartezeiten hinter der Bühne. Diese führten jedoch weniger zu Langeweile, als zu einem regen Austausch zwischen den verschiedenen Tanzklassen. So konnten Freundschaften geschlossen und der Klassenzusammenhalt gestärkt werden, wie es ansonsten nur während der regulären Schulzeit möglich ist.
Dass das Aufführen an sich nur einen kleinen Teil der ganzen Organisation darstellt, ist sich Däster bewusst. Deshalb liegt ihr der Austausch zwischen den Tanzenden und deren Förderung besonders am Herzen. So wurde das Nachwuchstalent Marine (15) eingeladen, die klassische Variation der Zuckerfee vorzutanzen. Marine studiert an der Tanzakademie Zürich, wo sie noch das Grundstudium besucht. Tägliches, mehrstündiges Training steht bei ihr auf dem Plan, um ihrem Traum, Tänzerin zu werden, jeden Tag ein kleines bisschen näher zu kommen. Obwohl Marine an diesen Tagen auch an Hauptproben anderer Aufführungen teilnahm, lieferte sie in Dietikon einwandfreie und wunderschöne Darbietungen der Zuckerfee ab. Vom Scheitel bis zur Sohle sass alles. Insofern hinterliess die Fünfzehnjährige bei den Schülerinnen und Schüler einen bleibenden und motivierenden Eindruck. Als Zuckerfee möchten ihr die Jüngsten der Schule noch lange nach der Aufführung im regulären Unterricht nacheifern. Die Begabtenförderung zeigt sich auch in der Darbietung von Zoé (15). Als Erzählerin der Geschichte war sie fast die ganze zweistündige Aufführung über auf der Bühne zu sehen. Zoé hat schon in Kindesalter begonnen zu tanzen, fand ihre Leidenschaft zum Ballett erst etwa vor einem Jahr. Ihr tänzerisches und schauspielerisches Potential wurde von den Lehrerinnen der Tanz- und Gymnastikschule schnell erkannt, so dass Zoé mit viel Einsatz ihren Wunsch erfüllen konnte, die Aufnahmeprüfungen für das Kunst- und Sportgymnasium zu bestehen. So darf sie nach den Sommerferien ein Gymnasium besuchen, dessen Programm ein intensives Tanztraining erlaubt.
Um die Protektion der Tanzenden zu gewähren, legt Däster ein besonderes Auge auf qualifiziertes Lehrpersonal. So tanzte Ilona Kannewurf in New York und London, bevor sie in der Schweiz als Tanzlehrerin und Schauspielerin Fuss fasste. In Schlieren unterrichtet sie Jazztanz für Kinder und Jugendliche. Andrea Frei bringt Erfahrungen im Latintanz mit. Ihr Wissen um gelungene Partnerarbeiten zeigte sich im sommerlichen Nussknacker: Ihre HipHop-Klasse durfte den Mäusekönig darstellen. Dabei stachen gelungene Hebeübungen hervor. Einen weiteren Gewinn für die Tanzschule werden die Lektionen von Rebekka Meile sein. Meile hat nach ihrem Abschluss an der Paluccaschule in Dresden insbesondere in Deutschland getanzt, wo sie unter anderem auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin zu sehen war. Ihr Wissen und Können wird sie ab diesem Sommer im Kreativen Kindertanz und Ballett weitergeben können. Die Liebe zum Tanz hält wahrlich ein Leben lang – das zeigt sich auch darin, dass einige Erwachsene aufführten, die schon seit über fünfzehn Jahren bei Däster den Tanzunterricht besuchen. Von der Devise Dästers, die Liebe zum Tanz weiterzugeben, sind Jung und Alt angesteckt. So sind die Freude und Aufregung, welche die Aufführung für alle Mitwirkende darstellte, noch lange nach dem 24. Juni Thema bei den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Publikum.

Melisa Sari Arslan