Aus dem Pilgerbuch ist vom Vorwort des Bischof Vitus Huonder zu entnehmen:

Am 16. April war der 140 Todestag der begnadeten Seherin Bernadette Soubirous. Sie starb 35jährig im Kloster St. Gildard in Nevers, wo sie nach den Marienerscheinungen zurückgezogen, einfach und bescheiden als Schwester Marie Bernarde lebte. In armen Verhältnissen aufgewachsen, durfte sie die Gottesmutter schauen, was sie zeitlebens innerlich reich machte. So trifft das Jahresthema 2019 in besonderer Weise auch auf sie zu: „Selig Ihr Armen, den Euch gehört das Reich Gottes“(Lk 6, 20). Auch uns, die wir bedürftig und bittend nach Lourdes pilgern, gilt dieser Zuspruch. Im Bewusstsein unserer Abhängigkeit vom Leben schenkenden Gott und im angewiesen sein aufeinander, erfahren wir unsere Armut, die nach echtem Reichtum schreit. Dieser ist uns angeboten in der gnadenhaft, umsonst geschenkten Heilszuwendung Gottes in Jesus Christus. Auf unserem Pilgerweg durchs Leben dürfen wir uns immer wieder und an allen Orten dieses Heil schenken lassen und in diesem Sinn von der Pilgerfahrt nach Lourdes dann innerlich reich beschenkt heimkehren.

Rechtzeitig da zum Eröffnungsgottesdienst

Mit diesem Gedanken von Bischof Huonder machte sich eine Gruppe kranke und gesunde Wallfahrer des Lourdespilgervereins Baden und Umgebung am 10. Mai – 16. Mai 2019 auf nach Lourdes. Gereist wurde mit dem Nacht Car oder Flugzeug. Alle trafen rechtzeitig zum Eröffungsgottesdienst in der St. Bernadettekirche in Lourdes ein. Es war eine grosse Freude, dieser Hl. Messe beizuwohnen, an der 1400 Schweizer Pilger - Kranke, Helfer, Kinder, Eltern und Grosseltern - teilnahmen. Sie konnten dem Einzug von Bischof Vitus Huonder mit 18 Priestern, Ministranten und 23 Fahnenträgern der verschiedenen Lourdespilgervereinen der Schweiz beiwohnen. „Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich“, hiess es in der Predigt von Bischof Huonder.  Was wollte Jesus damit sagen? Armut des Glaubens ist die Loslösung von allem, was uns von Jesus trennt. Hier in Lourdes bei der Gottesmutter zu sein, ist Zeugnis dieses Glaubens.

Reiches Programm

In den folgenden sonnigen Tage erlebten die zahlreichen Badener Pilger ein reichhaltiges Programm:   Heilige Messe an der Grotte, mit Schweizer Chor, Kreuzweg, Beichte, Eucharistische Prozession, Rosenkranz, Krankensalbung und Lichterprozession. Am Sonntagnachmittag nahmen sie an der Zeremonie im Grottengang mit der Entzündung einer grossen Kerze für die daheimgebliebenen und verstorbenen Mitglieder teil. Dieser wunderschöne und würdevolle Anlass wurde von Helena Vögeli, Vizepräsidentin des LPV Baden und Umgebung, organisiert und durchgeführt.

Beim Abschiedsgottesdienst sprach noch einmal Bischof Huonder zu den Gläubigen: „Noch immer beeindruckt die Kraft des Ja, das Maria gesagt hat. Sie sagte, die Armut die Seelig macht, ganz dem Willen des Vaters zu überlassen.“ Der Bischof wünscht den Pilger mit diesem Licht mögen sie nach Hause zurückkehren. Darauf erfolgte der letzte Ponifikalsegen von Bischof Huonder auf die Pilger in Lourdes.

Heimfahrt mit Tücken

Nachdem man sich bei der lieben Frau von Lourdes verabschiedet hatte, traten 16 Pilger aus Baden und Umgebung die Rückreise an. Der Nacht Car führ um 14 Uhr mit 70 Pilger los. Die Wallfahrer beteten den Rosenkranz und schauten sich einen Film über Bernadette an. Um Mitternacht wurde es still im Car. Doch plötzlich bemerkten die Pilger, dass sie nicht mehr auf der Autobahn waren, da diese wegen Nachtarbeit gesperrt war. Und so kam es, dass der Bus um 2.30 Uhr vor einer Anhöhe mitten auf der Strasse, 40 Kilometer vor Genf, immer noch in Frankreich, stehen blieb.  Die Polizei und der Servicewagen wurden aufgeboten. Um 5 Uhr konnte die Heimreise dem Rohnetal entlang weitergehen. Ein wunderschöner Sonnenaufgang entschädigte die Pilger für das Warten. In Genf angelangt, streikte der Car ein zweites Mal. Die Zeit der Reparatur überbrückten die 70 Pilger in einem gemütlichen kleinen Restaurant. Mit Hilfe von vier Pilgern erhielten alle Kaffee und Gipfeli. Die Fahrt ging weiter auf der Autobahn Richtung Zürich, während die Gläubigen im Bus erneut den Rosenkranz beteten. Beim letzten Gesätz kam der Car auf die rechte Fahrspur und fuhr auf einen korrekt fahrenden Lastwagen auf. Der Lastwagen fuhr ein Stück weiter und hielt an. Der Pilgercar kam mit einer kaputten Scheibe und eingedrücktem Vorderteil auf dem Pannenstreifen zu stehen. Der Chauffeur sprang auf und schaute, ob jemand verletzt sei. Doch wie durch ein Wunder war niemand verletzt worden, dem lieben Herrgott und der lieben Gottesmutter sei Dank.  So konnten die Pilger mit einem neuen Car nach 25 Stunden heil an ihre Einstiegorte zurückgebracht werden.

Lengnau, 27.5.2019

Marianne Baldinger-Lang