„Organspende“ hiess das Thema des öffentlichen Vortrags, zu dem der Samariterverein Engstringen am Dienstagabend ins Zentrum Oberengstringen eingeladen hatte. Präsidentin Beatrice Schneebeli begrüsste die Zuhörenden, worunter sich auch viele Mitglieder der umliegenden Samaritervereine befanden. Für das Grusswort konnte sie Gemeindepräsident André Bender gewinnen. Mit einem eleganten Werbeblock stellte dieser die Gemeinde vor und dankte dem Samariterverein Engstringen für die Rolle, die er in ihr einnimmt. Er spendierte später den Apéro.

„Ein Leben blüht weiter durch Organspende“ prangte von der Leinwand. Stefan Regenscheit, seit 2008 Organspendekoordinator des Universitätsspitals Zürich, präzisierte: Es könnten durchaus mehrere Leben sein. Über den grossen Besucherandrang zeigte er sich sichtlich erstaunt, aber auch erfreut. Viele Erkrankungen, sagte er, können vor allem im Spätstadium nur durch Transplantation behandelt oder geheilt werden. Er meinte im Speziellen ein ausgeleiertes Herz, dessen Muskulatur wegen einer Entzündung stark erweitert wurde, oder chronisch erweitertes Lungengewebe, das beim Ausatmen ein Pfeifgeräusch erzeugt, oder eine Leberzirrhose, ausgelöst durch eine Gelbsucht, oder das Unvermögen der Bauchspeicheldrüse, genug Insulin zu produzieren, oder eine Niere, die Blut nicht mehr entgiftet.

Der Referent ging auf die rechtliche Lage in Europa ein, wo man von einer Zustimmungs- und einer Widerspruchslösung in Bezug auf die Organspendebereitschaft spricht. Fazit: Die Spenderzahlen in Ländern mit Widerspruchslösung wie Schweden, Zypern oder Spanien sind höher als zum Beispiel in der Schweiz und in Deutschland mit Zustimmungslösung. Regenscheit sprach über das Transplantationsgesetz: Es braucht immer die Zustimmung des Betroffenen oder dessen Angehöriger. Von Vorteil ist natürlich, dass der Betroffene einen Organspendeausweis – 5–7 Prozent der Schweizer haben einen – oder eine Patientenverfügung hat, die nicht in einem verschlossenen Tresor lagert.

Regenscheit unterschied zwischen den Spenderkategorien Lebendspender und Spende nach Hirntod. Bei Hirntod besteht laut Regenscheit für den Betroffenen keine Behandlungsoption mehr, das Sterben ist für ihn unausweichlich: Es gibt keine Spontanatmung mehr, die Kreislauf- und Körpertemperaturregulation sind ausgefallen, keine Reaktion auf Schmerz, es gibt kein Zurück mehr. In jedem Fall wird die Überprüfung eines Organspenders sehr ernst genommen, mit den Angehörigen gesprochen, sie nachbetreut. Die Überlebensrate ist nach fünf Jahren 75 Prozent. Lediglich ein Drittel der Wartenden erhält eine Spende.

Für die Organspende gibt es keine klare Altersgrenze, sie ist aber abhängig vom biologischen Alter des Spenders. So bringt eine gespendete Niere eine Überlebenschance von 15 Jahren. Es gibt aber auch Umstände, die eine Organspende verunmöglichen: Koma mit unbekannter Ursache, Erkrankung des Zentralnervensystems, eine Prionenerkrankung, Tollwut, unkontrollierte Infektion mit unbekannter Ursache oder ein bösartiger Tumor.

Der Referent, der 15 Jahre auf der Intensivstation im Spital gearbeitet hat, erwähnte als Beispiel eine 73-jährige Frau, die ausser Herz und Bauchspeicheldrüse alle Organe spenden konnte. Statistisch gesehen, sind die Organspender älter geworden. Das hängt nicht zuletzt mit den besseren Operationsmöglichkeiten von Hirnblutung und Schädel-Hirn-Trauma zusammen.

Referent Regenscheit nannte die Kosten der Organe Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse. Diese berappen Kanton und Krankenkasse. Nach dem Vortrag hatten viele Zuhörer noch etliche Fragen gestellt.                                                                                                                      Heinz Stocker