Die digitalen Nomaden sind nicht an einen festen Ort oder Arbeitsplatz gebunden - dank der Möglichkeiten des World Wide Web können sie ihre Jobs fast von überall auf der Welt erledigen. Die Nomaden des 21. Jahrhunderts sind meist Unternehmer oder Freelancer, in selteneren Fällen auch Angestellte, die ihren Geschäften fast ausschließlich im Internet nachgehen und ihre Aufträge online ausführen. Der Kontakt zu den Kunden und auch die die Lieferung der Arbeitsergebnisse erfolgt ebenfalls weitgehend über das Web.

Viele Jobs lassen sich heute ortsunabhängig erledigen

Die digitalen Nomaden verdienen ihr Geld oft mit Tätigkeiten im unmittelbaren IT-Bereich - beispielsweise als Programmierer, Softwareentwickler oder Webdesigner. Einige der ortsunabhängigen digitalen Nomaden betreiben professionelle Blogs, erfolgreiche Online-Shops oder sind als Fotografen, Autoren und Content-Manager für die Pflege von Websites ihrer Kunden tätig. Insgesamt gibt es eine Vielzahl erfolgsversprechender Geschäftsmodelle für das ortsunabhängige Arbeiten. Besonders die "Digital Natives", also die jüngeren Menschen, die mit Computern und dem Internet aufgewachsen sind, entdecken zunehmend die Vorteile des ortsunabhängigen Arbeitens für sich. Sie reisen mit ihrem Laptop im Gepäck für längere Zeit um die Welt und arbeiten von dort, wo es ihnen gerade am besten gefällt. Mögliche Abstriche beim Einkommen gegenüber einem festen Arbeitsplatz in der Heimat werden in vielen Ländern durch deutlich geringere Lebenshaltungskosten ausgeglichen.

Arbeitsplätze der digitalen Nomaden

Neben dem Zimmer im Hotel oder in einem günstigen Hostel nutzen digitale Nomaden Cafés, Hotellobbys oder auch die Strandbar als Arbeitsplatz. Für diejenigen Nomaden, denen das Arbeiten in einer urlaubsähnlichen Atmosphäre nicht so sehr liegt, gibt es in fast allen größeren Städten der Welt Büros auf Zeit oder Co-Working Spaces, die stunden- und tageweise angemietet werden können. Diese temporären Arbeitsplätze sind mit Strom und WLAN ausgestattet und ermöglichen ein effektives Arbeiten - oft treffen die digitalen Nomaden hier auch auf Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können. Eine noch professionellere Umgebung bieten sogenannte Business Lounges. Hier finden die digitalen Nomaden für konzentriertes und produktives Arbeiten an anspruchsvollen Projekten optimale Bedingungen mit sämtlichem notwendigen Equipment vor. Einige Unternehmen bieten in vielen Ländern der Welt entsprechende Business-Lounges zur Kurzzeitmiete an. So können beispielsweise über den Anbieter Regus gegen eine Jahresgebühr weltweit hochwertige Büros in zentralen Lagen der jeweiligen Städte zeitlich flexibel genutzt werden.

Die notwendige technische Ausstattung

Wo auch immer die digitalen Nomaden tätig werden wollen - die wichtigste Arbeitsvoraussetzung ist eine Internetverbindung. In vielen Ländern gehört dein kostenloser Internetzugang über WLAN an öffentlichen Orten wie Cafés, Bars und Hotels zum Standard. Da man sich aber nicht überall auf kostenlose Internetzugänge verlassen kann, empfiehlt es sich, vor Ort eine kostengünstige SIM-Karte eines lokalen Online-Providers zum mobilen Internetzugang für Smartphone oder Laptop zu erwerben. Da die meisten digitalen Nomaden als Freelancer im Kundenauftrag arbeiten, ist es für die Absprache von Aufträgen und Projekten sehr wichtig, dass die Erreichbarkeit gewährleistet ist.

Mit Diensten wie Skype oder professionellen Anbietern von Video-Konferenzen können geschäftliche Gespräche und Meetings effizient und ortsunabhängig durchgeführt werden. Es empfiehlt sich außerdem eine deutsche Telefonnummer mit einer aktivierten Mailbox oder angeschlossenen Anrufbeantworter einzurichten. Bei der Kommunikation mit Kunden und Auftraggebern sind auch die unterschiedlichen Zeitzonen zu berücksichtigen. In Ländern auf der anderen Seite des Globus mit bis zu 12 Stunden Zeitunterschied, wie beispielsweise in Australien oder Neuseeland, müssen dringende Gespräche gegebenenfalls nachts geführt werden. Bei Aufenthalten in den meisten anderen Regionen der Welt überschneiden sich die regulären Arbeitszeiten, so dass die Echtzeitkommunikation zumeist innerhalb des normalen Arbeitstages erfolgen kann.

Eine enge Verbindung zur Heimat bleibt wichtig

Das ortsunabhängige Leben als Nomade ist in unserer Gesellschaftsform eigentlich nicht vorgesehen. So benötigt man auch als digitaler Nomade - zumindest offiziell - einen festen Wohnsitz, wobei der natürlich auch bei der Familie oder Freunden amtlich angemeldet werden kann. Die meisten digitalen Nomaden haben eine entsprechende deutsche Meldeadresse und zahlen ihre Steuern auch weiterhin in Deutschland. Jeder digitale Nomade sollte auf jeden Fall zumindest eine Krankenversicherung sowie eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben - andernfalls kann es im Ausland sehr teuer werden. Bedacht werden sollte auch die Bearbeitung der heimischen Briefpost. Oft kann man diese Aufgabe an Verwandte oder Freunde delegieren, es gibt mittlerweile aber auch professionelle Dienstleister, die diese Aufgabe übernehmen.

Ortsunabhängige Arbeit wird immer attraktiver

Die Freiheit und Ungebundenheit, die mit dem digitalen Nomadentum verbunden ist, findet immer mehr Anhänger. Mittlerweile entstehen weltweit zahlreiche Communities der digitalen Nomaden, wie beispielsweise Dynamite Circle, in denen sie ihre Erfahrungen austauschen oder auch gemeinsame Projekte initiieren können. Das World Wide Web ermöglicht in zahlreichen Berufsfeldern ein World Wide Work - für viele arbeitende Menschen ist das ein attraktives Gegenmodell zum Nine-to-Five-Job in einem klassischen Büro.

Erfahrungsberichte

taz Video-Reportage: Die Digital-Nomaden